Kinostarts der Woche Sinnsucher, Lebensmüde und ein bockiges Mädchen

Von Bernd Haasis 

Nikolaj Coster Waldau kehrt nach „Game of Thrones“ zurück ins Kino im dem düsteren Drama „Suicide Tourist“, Willem Dafoe spielt in „Siberia“ einen Mann, der sich in seiner Selbstsuche verliert.

Kaum wiederzuerkennen: Nikolaj Coster-Waldau in „Suicide Tourist“ Foto: Verleih 20 Bilder
Kaum wiederzuerkennen: Nikolaj Coster-Waldau in „Suicide Tourist“ Foto: Verleih

Stuttgart - Nach einiger Corona-Verwirrung startet nun endlich ganz regulär Claude Lelouches wunderbarer Spielfilm „Die schönsten Jahre eines Lebens“, eine Liebeserklärung an die Liebe, den stilvollen Chic der 60er und das alte Frankreich (ab 6; Atelier am Bollwerk). Die Besprechung finden Sie hier. Außerdem kommt Christian Petzolds magisches Märchen „Undine“ auf die Leinwände (ab 12, Atelier am Bollwerk) – die Rezension finden Sie hier. In der folgenden Übersicht zeigen wir, welche Filme sonst noch anlaufen.

Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen

In der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ gab der Däne Nikolaj Coster-Waldau den stattlichen, bösen Mörderprinzen und Schwertkünstler Jaime Lannister, den der Verlust der rechten Hand, seiner Fechthand, zur Läuterung zwingt. Eine völlig entgegengesetzten Charakter spielt er nun in dem Kinofilm „Suicide Tourist“: Max ist ein introvertierter Versicherungsvertreter ohne Rückgrat, der sich hinter Schnauzbart und Brille versteckt und großes Glück hat, dass ihm eine starke, schöne Frau (Tuva Novotny) verfallen ist. Eine Tumor-Diagnose wirft Max aus der Bahn, und Coster-Waldau gibt dem Leiden des schweigenden Zauderers scharfe Konturen, sein Mienenspiel und seine schlaffe Körperhaltung sagen mehr als tausend Worte.

Leider konnte sich der dänische Regisseur Jonas Alexander Arnby („When Animals Dream“) nicht für ein Genre entscheiden: Als Max in eine Sterbehilfe-Hotel eincheckt, dessen Belegschaft – der Titel verrät es – keine Meinungsänderung zulässt, wird aus dem Drama auf zwei Zeitebenen (vorher/nachher) zunehmend eine Art Thriller, der weder konsequent inszeniert noch zu Ende gedacht ist (ab 12; Metropol).

Sunburned

Typische Vernachlässigungs-Symptome zeigt die 13-jährige Claire (Zita Gaier), als ihre alleinerziehende Mutter (Sabine Timoteo) und ihre 15-jährige Schwester Zoe (Nicolais Borger) sie beim Pauschalurlaub in Andalusien behandeln wie einen Klotz am Bein. Bald trinkt und feiert sie mit anderen Teenagerinnen und freundet sich mit einem senegalesischen Strandverkäufer an, der in ihrem Alter ist – ein Flüchtling im Überlebenskampf, dessen Vater zuhause dringend Geld braucht. Claire versucht zu helfen, macht aber alles immer nur noch schlimmer.

Die in Berlin lebende Schwedin Carolina Hellsgard übersetzt in eine präzise Bildsprache, was ihre Frauen und Mädchen denken, fühlen und verdrängen. Die Familien- und die Flüchtlingsproblematik bleiben über weite Strecken im Subtext, die impulsive Naivität ihrer Protagonistin erinnert an eine weibliche Ausgabe der männlichen Antihelden in „Tschick“: Claire überblickt kein bisschen, welche Konsequenzen ihr Tun haben kann. (ab 12, Metropol).

Siberia

Der einstige US-Krawall-Regisseur Abel Ferrara („Bad Lieutenant“) ist mittlerweile 68 Jahre alt und zeigt in seinem aktuellen Film einen alten weißen Mann, der seine Seele dort sucht, wo viele Zuschauer möglicherweise nicht viel werden finden können. Für die Hauptrolle konnte er immerhin Willem Dafoe gewinnen, der einst für Martin Scorsese Jesus Christus gespielt hat („Die letze Versuchung Christi“, 1988) und für David Lynch den Prototyp eines Psychopathen („Wild at Heart“).

In „Siberia“ nun ist zu sehen, wie Dafoe sinnierend Eis- und Sandwüsten durchwandert, in der Küche seiner Kindheit landet und unterwegs immer wieder mit Sex, blutiger Gewalt und kryptischen Dialogen konfrontiert wird. Bald erinnert der rätselhafte Film an jenen, in den einst der britische Komiker Mr. Bean in seiner zweiten Kinosatire (2007) beim Filmfestival in Cannes geriet: „Playback“ heißt das Werk, das einen mittelalten weißen Mann auf Sinnsuche zeigt – gespielt ebenfalls von Willem Dafoe. Ferrara ist also zumindest eines gelungen: Realsatire (ab 16, Delphi).

Weitere Filmstarts

Dem exzentrischen französischen Modeschöpfer widmet sich der Dokumentarfilm „Jean-Paul Gaultier: Freak & Chic“ (ab 6, frz. OmU, Atelier am Bollwerk).

Die Lochman- Zwillinge, im Netz besser bekannt als „Die Lochis“, versuchen sich in der Verwechslungskomödie „ Takeover – Voll vertauscht“ (Ohne Altersbeschränkung, Cinemaxx City & SI, Metropol) im Spielfilm. Der Plot – ein reicher und ein armer Zwilling tauschen die Plätze – ist natürlich bei Erich Kästners „doppeltem Lottchen“ abgekupfert.

Eine Einstellung in 3D soll noch einmal Zuschauer in Dani Levys Adaption von Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“ locken, deren Titel nun den Zusatz „Reloaded“ hat (Ohne Altersbeschränkung, Cinemaxx City & SI, Metropol).

Einen blinden Passagier zu verstecken, ist nicht einfach, besonders, wenn es sich um einen Kater handelt. Conni und ihre Freunde, die bislang in Serien und Büchern Abenteuer erlebt haben, versuchen ebendies beim Kindergarten-Ausflug im Kino-Trickfilm „Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau“ (Ohne Altersbeschränkung, Cinemaxx City & SI, Metropol).

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