Kirchenentwicklung in Stuttgart-Nord Der Fernsehturm im Kirchenlogo

Von Eva Funke 

Seit kurzem hat der der Jesustreff im Stuttgarter Norden einen neuen Namen und heißt Kesselkirche. Was steckt hinter der Namensänderung?

Pastor Martin Englisch mit einem T-Shirt der Kesselkirche. Foto: Eva Funke
Pastor Martin Englisch mit einem T-Shirt der Kesselkirche. Foto: Eva Funke

Stuttgart-Nord - Bands spielten, es regnete Konfetti. Die jungen evangelischen Christinnen und Christen feierten Party. Der Grund für das Fest im September war die Umbenennung des Jesustreffs in Kesselkirche. Die ist weder Freikirche noch Sekte, sondern Teil der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart. „Außer dem Namen ändert sich nichts. Inhaltlich setzen wir unsere Arbeit fort“, sagt Martin Englisch. Der 44-Jährige ist seit sechs Jahren Pastor bei der jungen Gemeinde, die ihr Gemeindehaus in Nord, ihre Büros in Ost hat und ihre Gottesdienste im Wizemann in Bad Cannstatt feiert.

Längst zu groß für einen „Treff“

An dem Bürogebäude der Gemeinde an der Schönbühlstraße steht noch Jesustreff. Doch T-Shirts und Karten mit dem neuen Schriftzug gibt es schon. Das „E“ und darunter das „I“ von Kesselkirche sind zum Fernsehturm stilisiert. Grund für die Namensänderung seien nicht etwa Unstimmigkeiten in der Gemeinde oder im Vorstand gewesen, erläutert Englisch. Man habe sich vielmehr schon lang mit der Absicht zur Namensänderung getragen. „Der Begriff Jesustreff sollte nur Projektname sein,“ sagt Englisch und stellt fest, dass die Gemeinde längst zu groß geworden ist, um nur als „Treff“ bezeichnet zu werden.

Seine Anfänge hatte der Jesustreff tatsächlich in einem Treff: In den 90er Jahren hat sich Tobi Wörner als junger Kerl mit einer Handvoll Gleichgesinnter im Gemeindehaus der Stiftskirche getroffen. Die Gruppe, die sich dem Thema Glauben auf unkonventionelle Weise nähern wollte, bekam rasch Zulauf. Heute kommen – von Coronazeiten abgesehen – bis zu 300 Menschen zu den Gottesdiensten. Für den neuen Namen gab es zwar viele Vorschläge. Auch 0711-Kirche war im Gespräch. Einigen konnte man sich nicht – bis der Begriff Kesselkirche fiel und zündete. Kesselkirche bezieht sich in erster Linie darauf, dass die Gemeinde im Kessel von Stuttgart aktiv ist. Aber es lassen sich auch andere Parallelen ziehen, denn die Kesselkirche will über konfessionelle Grenzen hinweg für alle offen sein, sozusagen „ein Kessel Buntes“.

Angesprochen fühlen sich vor allem Studierende, Singles, junge Paare und Familien, Berufseinsteiger. Etwa 40 Prozent der Besucher gehören einer Freikirche, 60 Prozent der evangelischen Kirche an. Auch Katholiken kommen laut Englisch. Der Pastor: „Unsere Leute sind zwischen 25 und 45 und leben in Stuttgart und im Großraum Stuttgart.“ Dass Jesustreff /Kesselkirche immer jung bleibt, hängt damit zusammen, dass viele nach ein paar Jahren wieder aus der Landeshauptstadt wegziehen – sei es nach Beendigung des Studiums oder der Ausbildung, durch berufliche Wechsel oder weil sie eine Immobilie erwerben möchten und Stuttgart dafür zu teuer ist. „Doch kommen immer neue Besucher, sodass wir eher wachsen als schrumpfen“, sagt Englisch.

Neue Heimat in der Martinskirche

In den Gottesdiensten wird Wert auf „eine lebensnahe Verkündigung des Evangeliums“ gelegt. Predigen kann jeder, der begabt ist. Außer Gottesdiensten werden Workshops sowie Arbeits- und Gesprächskreise angeboten. Finanziert wird das Ganze zu 25 Prozent von der evangelischen Kirche, der Rest über Spenden – wobei die Mitglieder der evangelischen Kirche doppelt zur Kasse gebeten werden: durch Kirchensteuer und Spende. Eine Heimat an einem Standort soll die Gemeinde nach der Sanierung in der Martinskirche in Stuttgart-Nord bekommen.

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