Kirchheim Das Projekt Bruckmühle kommt nicht voran

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Der Investor Helmut F. Ruf aus Esslingen und die Stadt Kirchheim finden keinen Konsens für den Umbau des historischen Gebäudes. Der Unternehmer wirft der Verwaltung vor, sie verweigere die Kontaktaufnahme mit ihm, obwohl dies vom Gemeinderat gefordert werde.

Das Fachwerkgerippe der alten Mühle wartet schon seit Jahren darauf, saniert zu werden. Im hinteren Teil des Gebäudes wurden Wohnungen gebaut. Foto: Horst Rudel
Das Fachwerkgerippe der alten Mühle wartet schon seit Jahren darauf, saniert zu werden. Im hinteren Teil des Gebäudes wurden Wohnungen gebaut. Foto: Horst Rudel

Kirchheim - Nach wie vor steht die historische Bruckmühle als tristes Fachwerkgerippe an der Lauter in Kirchheim. Schon seit Jahren soll das alte Gebäude saniert, umgebaut und dann als Gastronomiebetrieb genutzt werden. Darin sind sich die Stadtverwaltung sowie der Eigentümer und Investor Helmut F. Ruf einig. Unterschiedlich sind jedoch deren Ansichten, wie das baulich umgesetzt werden soll.

Ruf wirft der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker (SPD) trotz eines seiner Ansicht nach klaren Auftrags des Gemeinderats Untätigkeit vor. Die Rathauschefin erwidert, der Esslinger Investor müsse sich an jene Bedingungen halten, die ihm das Gremium vorgebe. Dieses habe es abgelehnt, das historische, aber nicht denkmalgeschützte Fachwerkgebäude, um einen bis zur Straße reichenden Anbau zu erweitern. Den benötigt Helmut F. Ruf nach eigenen Angaben, um „60 Sitzplätze innen und 60 Sitzplätze außen“ zu schaffen, die ein „konkret“ an der Betreibung interessierter Pächter benötige, um an dieser Stelle eine rentable Gastronomie anbieten zu können.

Ruf: „Bisher hat sich keiner gemeldet“

Einen Entwurf, der laut Ruf kurioserweise aus der Feder der Zuständigen im städtischen Gestaltungsbeirat stamme, hat der Gemeinderat abgelehnt. Eine weitere Variante, die ein Kirchheimer Architekt aus freien Stücken skizziert habe, sei gar nicht erst im Gremium diskutiert worden, sie sei „noch nicht mal angeschaut“ worden, wundert sich Helmut F. Ruf. Aber die Stadträte hätten die Oberbürgermeisterin im vergangenen Sommer klar beauftragt, „mit dem Investor zu reden“, sagt Ruf. Bisher habe sich jedoch „keiner gemeldet“, kritisiert der auf denkmalgeschützte Immobilien spezialisierte Unternehmer: „Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Der Gestaltungsbeirat könne dem Gemeinderat lediglich eine Lösung empfehlen, betont Angelika Matt-Heidecker. Das Gremium bestehe jedoch auf eine sogenannte Patio-Lösung, die an der Straße nach wie vor ein Kiosk vorsieht und zwischen diesem und der Bruckmühle eine Art Innenhof für die Außenbewirtung. Ruf wisse, „dass es diesen Beschluss gibt“, sagt die Rathauschefin, mit den daraus resultierenden Bedingungen müsse er sich auseinandersetzen. Zwar habe er sich „Mühe gegeben und gute Ideen eingebracht“, aber eine Umsetzung derselben sei zum jetzigen Stand nicht möglich.

Zumal die Stadt für einen Anbau, wie ihn sich der Investor wünsche, „den Bebauungsplan ändern muss, für eine Patio-Lösung indes nicht“. Sie habe Verständnis für die Argumentation Rufs, schließlich müsse sich dessen Engagement „für ihn rechnen“. Aber was an dieser Stelle möglich sei, „ist planerisch klar vorgegeben“. Auch der Kirchheimer Stadtverwaltung liege viel daran, „dass man dort eine Lösung findet“. Aber der Gemeinderat wolle nicht das, was Herr Ruf will.

Der Abriss wurde der Mühle erspart

Letzterer ärgert sich, dass zu ihm kein Kontakt mehr aufgenommen werde. Ihn hätten „zahlreiche Anrufe von Kirchheimern erreicht, die wissen wollten, warum es nicht weitergeht“.

Es ist zu befürchten, dass die Bruckmühle weiterhin ihr trostloses Dasein am Ufer der Lauter fristet. Immerhin war ihr der bereits im Jahr 1999 vom Gemeinderat beschlossene Abriss erspart geblieben. Denn die Initiative Historisches Kirchheim, die von historisch interessierten Bürgern der Stadt gegründet worden war, hatte sich für die Erhaltung des alten Gemäuers eingesetzt und davon auch den Gemeinderat überzeugt.

Alte Mühlenmauern

Geschichte
Historiker vermuten, dass einige Mauern der im Jahr 1292 erstmals urkundlich erwähnten Bruckmühle aus dem 16. Jahrhundert stammen. Das zweistöckige Hauptgebäude der ehemaligen Mahlmühle, die nicht denkmalgeschützt ist, ist vor 1711 gebaut worden. Die restlichen Gebäudeteile werden einer Entstehungszeit zwischen 1815 und 1834 zugeordnet. Die Bruckmühle ist eine von 13 Mühlen in Kirchheim, die einst entlang der Lauter betrieben wurden.

Verkauf
Die Stadt erwarb das Gebäude 2007 vom damaligen Besitzer Gotthilf Schäfer, der dort ein lebenslanges Wohnrecht besaß und Ende 2008 im Alter von 93 Jahren starb. Die Stadt wiederum verkaufte das Gebäude für 290 000 Euro an eine Esslinger Bietergemeinschaft. Nur rund 40 Prozent davon kamen dem Haushalt zu. Die restlichen 60 Prozent mussten an die Zuschussgeber, den Bund und das Land, zurückfließen. Im hinteren Teil des Gebäudeensembles entstanden Wohnungen. Vor rund drei Jahren kaufte der Esslinger Unternehmer Helmut F. Ruf den historischen Teil der Bruckmühle.