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K.I.Z. in Stuttgart Götter mit Maschinengewehren

Von Nadja Dilger 

K.I.Z. posieren auch beim ersten von zwei ausverkauften Stuttgartkonzerten mit Maschinengewehren auf der Bühne. Alles Show, sagen sie im Gespräch. Das Publikum feiert diese und andere provokante Showeinlagen ab.

K.I.Z. beim ersten von zwei ausverkauften Konzerten im LKA in Stuttgart. Weitere Bilder zeigen wir in der folgenden Fotostrecke. Foto: L. R. Fotografie 11 Bilder
K.I.Z. beim ersten von zwei ausverkauften Konzerten im LKA in Stuttgart. Weitere Bilder zeigen wir in der folgenden Fotostrecke. Foto: L. R. Fotografie

Stuttgart - Vier große Statuen stehen im Stuttgarter LKA auf der Bühne, uniformierte Männer laufen vor ihnen umher. K.I.Z., Dienstagabend: Die Lichter leuchten hell, die Zuschauer jubeln.

„Unendliche Weisheit und Körper aus Stahl
Abertausende verlassen erleuchtet den Saal
Ich bin kein Großkotz

Ich bin bloß Gott“
, sagt einer von ihnen, bevor sie gemeinsam singen:

„Wir haben niemals unseren Arsch verkauft
Wir haben Pyramiden auf dem Mars gebaut
Ja wir reisen von hier in die Unendlichkeit
Denn wir wir bestehen nicht aus Menschenfleisch.“

Dazu spielen Keyboard, Bass und Synthesizer eine verspielte Melodie. Die drei Rapper und ihr DJ (DJ Craft), die gemeinsam K.I.Z. sind, werden von rund 1500 Fans im LKA in Stuttgart gefeiert als wären sie Götter. Nun ist Fankult in der Popmusik nichts Neues. Doch K.I.Z. spielen gekonnt damit: mit überspitzten, sozialkritischen Texten; auf der Bühne geben sie sich arrogant. Sie platzieren sich bewusst über ihren Fans. Mit ihren Alben kommen sie damit auf die vorderen Ränge. Vielleicht auch, weil sie bekannt sind als Meister der Satire oder als K.I.Z. - Künstler in Zwangsjacken, Kannibalen in Zivil. K.I.Z. provozieren gerne und lassen einen nie so recht wissen, was nun Ernst und was nun Spaß ist. Selbst im Interview fallen die Masken nicht.

Wir treffen K.I.Z. vor dem ersten ihrer zwei ausverkauften Stuttgart-Konzerte zum Gespräch. „Wir sind nun mal Götter, die anderen nur Menschen“, sagt K.I.Z.-Mitglied Tarek. Keine Miene verzieht er dabei. Auf der Bühne spielen K.I.Z. mit verschiedenen Inhaltsebenen, punkten mit gesellschaftskritischen Texten. Interviewfragen scheinen sie nicht gern mit Tiefsinn zu beantworten. Das aktuelle K.I.Z.-Album heißt "Hurra die Welt geht unter". Was sagen die Musiker zu einer Gesellschaft am Rande des Abgrunds? "Wir stehen jetzt nicht mit Weltuntergangsschildern vor dem Supermarkt“, sagt Maxim. "Ich kann einem Journalisten jetzt konkret meine Ansicht über Politik erzählen, er versteht es letztendlich doch anders“, sagt Maxim. Vielleicht eine Erklärung.

Mit MG-Attrappen auf der Bühne

Und die Maschinengewehre auf der Bühne - müssen die nach den Anschlägen von Paris, die unter anderem einen Konzertsaal getroffen haben, sein? Die Waffen nähmen sie bewusst nicht aus ihrer Show, sagen K.I.Z.. „Es gibt nicht nur Anschläge in Paris, sondern überall. Warum die Show ändern, nur weil es im Nachbarland stattfindet?“, sagen sie.

Die Zuschauer im LKA scheint diese Frage auch nicht zu kümmern. Sie bejubeln die Luftschlangen, die aus den Maschinengewehren bei „Spasst“ oder „Boom, Boom, Boom“ abgeschossen werden. Im Gegenzug fliegen Fanschals und BHs auf die Bühne. Man hört Bombengeräusche und zum Song „Ellenbogengesellschaft“ pogt das Publikum wie von den Rappern gewünscht gegen Afghanistan und für Syrien. Dazu wird der Refrain wie in so vielen K.I.Z.-Songs zu einem Satz verknappt, der stetig wiederholt wird und so leicht ins Ohr geht. Die Melodie ist schnell, fordert zum Pogen auf. Und die Zuschauer rufen „Hurensohn“ - eine Anspielung auf eine gleichnamige K.I.Z.-Ballade, die am Schluss als Gospelnummer ausgearbeitet wird.
 


Auch als K.I.Z. plötzlich auf dem Backstage-Balkon des LKA auftauchen und eine kurze Ansprache halten, jubeln die Fans „Hurensohn“ der Gruppe entgegen. Als der Rapper Maxim in einem weißen Höschen aus einer überdimensionalen Vagina geklettert kommt, funkeln seine Muskeln. Fankult, Götterkult - hier wird er dem auch körperlich gerecht. „Ich hab’ zwei Kugeln in der Kammer/ Eine für Papa und eine für Mama“, rappt er dazu in „Käfigbett“ über eine unzufriedene Kindheit, die schon im Mutterleib beginnt. Ob man mit zwei Kugeln seine Eltern erschießen würde, bleibt unbeantwortet ... 

Verstehen die Fans solche Anspielungen richtig, Tarek? „Natürlich nicht. Es sind ja nur Menschen“, sagt er. Maxim fügt hinzu: „Wir übertreiben mit so vielen Stilmitteln, musikalisch und textlich, das muss doch klar sein.“ Für die meisten scheint das Konzert am Dienstagabend jedenfalls „Urlaub fürs Gehirn“ zu sein, wie auch ein K.I.Z.-Song heißt. Für zwei Stunden schaffen die Rapper eine recht besondere Atmosphäre. Und das Raumschiff mit den Göttern startet am Mittwoch zum zweiten Mal im ausverkauften LKA Longhorn.
 

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