Die Unternehmer in Stuttgarts größtem Gewerbegebiet auf der Gemarkung Vaihingen/Möhringen wollen anderen vormachen, wie in derlei Arealen CO2 eingespart werden kann.

Vaihingen/Möhringen - Der Synergiepark in Vaihingen und Möhringen soll zur Blaupause dafür werden, wie in Stuttgarter Gewerbegebieten künftig in nennenswertem Maße Kohlendioxid (CO2) reduziert wird. Ermöglicht wird dies durch das Projekt Klimaschutz Impulse für den Synergiepark Stuttgart (Kiss), das auf Initiative der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV) zustande gekommen ist und das von der Landeshauptstadt gefördert wird.

Das Projekt Kiss nimmt zwei Verursacher des CO2-Ausstoßes im Synergiepark ins Visier: den Verkehr und die Energieversorgung der Unternehmen. „Ende Mai hatte die Landeshauptstadt im Rahmen des Klimainnovationsfonds einen Projektwettbewerb ausgeschrieben“, sagt der WIV-Vorsitzende Günter Sabow. „Wir haben dann mit der Transportation Research & Consulting GmbH und dem Institut für Energiewirtschaft und Rationale Energienutzung der Uni Stuttgart den Projektantrag ausgearbeitet, ihn am 15. Juli eingereicht und Mitte Oktober den Zuschlag bekommen.“ Die Laufzeit des Projekts betrage drei Jahre, nämlich von 2022 bis 2025. Projektmanager und Zuwendungsempfänger sei die WIV.

Wie wäre es mit Mitfahrgelegenheiten?

Die Stadt, sagt Sabow, überlasse es der WIV und ihren Partnern, wie es ihnen gelinge, im Gesamtbereich Mobilität, Kohlendioxidreduzierungen zu erreichen: „Wir müssen jetzt einen Weg finden, wie die Firmen ihre pendelnden Mitarbeiter dazu motivieren, ganz oder auf halber Strecke vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen“, sagt er. Top-Firmen wie Trelleborg böten ihren Beschäftigten dafür vom vom Arbeitgeber gesponserte Mitarbeitertickets an. Andere Firmen, bei denen die Geschäfte gerade in der jetzigen Situation nicht so gut liefen, falle es schwerer, dies zu finanzieren. Auch das Thema Mitfahrgelegenheiten müsse während der Projektlaufzeit ins Spiel gebracht werden.

Ein anderes Beispiel liefere Drees & Sommer: „Die Firma lässt ihre Mitarbeiter vom Vaihinger Bahnhof abholen und zu den Büros auf den Oberen und Unteren Waldplätzen bringen.“ Es müsse alles aufgegriffen werden, was dazu beitrage, weniger Auto zu fahren. Wenn man dann ausrechnen könne, wie viel Liter weniger Treibstoff man verbrauche und wie viel Tonnen CO2 man spare, dann sei man auf dem Weg, den sich die Stadt vorstelle: „Damit wir Geld aus dem Fonds bekommen, müssen wir nachweisen, mit wie vielen Firmen wir in diesem Sinne zusammenarbeiten“, erklärt der WIV-Vorsitzende Günter Sabow.

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Um zu Lösungen zu kommen, müsse man sich auch Projekte anschauen, an denen parallel gearbeitet werde, zum Beispiel Mobilab, mit dem der Vaihinger Uni-Campus CO2-frei werden will. Dort wird an elektronische Shuttlebusse gedacht, die sich während der Fahrt durch Induktion aufladen: „Wir können versuchen, dass solch eine Möglichkeit in den Synergiepark hineingenommen und mit dieser oder jener Firma verknüpft wird.“

Zurzeit keine große Parkplatznot

Durch mehr Radstreifen, die momentan und in Zukunft gebaut werden, durch den Umbau von Kreuzungen und neue Busspuren, fallen nach Schätzung Sabows bald weitere 400 Parkplätze im Synergiepark weg. Die Firmen hätten darauf kaum reagiert, weil es durch Corona nicht mehr viele Staus gebe und auch die Parkplatzsuche kein Riesenproblem mehr sei. „Das kommt aber alles wieder“, sagt Sabow. Gegenüber der verbreiteten These, dass viele Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice blieben und gar nicht mehr in den Synergiepark pendeln müssten, zeigt sich der WIV-Vorsitzende skeptisch: „Personalchefs, die es wissen müssen, warnen hier vor zu großer Euphorie. Es ist eine leicht kritische Betrachtung eingetreten, die nach meiner Auffassung dazu führt, dass es vielleicht bei 20 Prozent Homeoffice über den großen Teil der Woche bleibt und wir damit in das alte Verkehrsproblem weitestgehend zurückkommen.“

Energieverbrauch ist großes Thema

Das weitere große Thema sei der Energieverbrauch. „Im ersten Schritt machen wir mit der Uni Stuttgart eine Bestandsaufnahme, im zweiten Schritt denken wir dort, wo es notwendig ist, über andere Heizungsformen nach, bis hin zu Quartierlösungen, in denen sich Firmen zusammenschließen. Dort erwartet die Stadt nicht, dass wir dies in drei Jahren umsetzen, sondern dass es uns gelingt, viele Firmen dazu zu bringen, ein bestimmtes Konzept zu verwirklichen. Das wird viel teuerer als das, was wir in der Mobilität machen“, sagt Sabow.

Große Firmen wie Trelleborg, die Lapp-Gruppe, oder die Dekra zur Mitarbeit zu bewegen, sei vermutlich einfach. Daimler sei noch nicht mit im Boot, nicht zuletzt, deshalb, „weil es wahnsinnig schwierig ist, an einen verantwortlichen Gesprächspartner heranzukommen“. Die WIV nehme den Konzern aber beim Wort, der beim Richtfest für das Office V zugesichert habe, dass er beim Thema Mobilität „exemplarisch“ unterwegs sein werde.

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