Klimaschutz in Filderstadt „Wir können nicht auf alle Leute warten“

Filderstadts neue Klimaschutzmanagerin sagt: Der Klimawandel ist da. Mit welchen Maßnahmen Renate Kostrewa gegensteuern will, erklärt sie hier.

Auf Menschen zugehen und ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die durch den Klimawandel entstehen, das ist eine Aufgabe von Klimaschutzmanagern. Foto: dpa/Ina Fassbender
Auf Menschen zugehen und ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die durch den Klimawandel entstehen, das ist eine Aufgabe von Klimaschutzmanagern. Foto: dpa/Ina Fassbender

Filderstadt - Renate Kostrewa ist bereit, loszulegen. „Ich freue mich sehr, dass ich das jetzt Vollzeit machen kann“, sagt sie. Mit „das“ meint sie die Klimaschutzthemen, mit denen sie sich bereits eine Weile beschäftigt: In den vergangenen Jahren war sie bei der Nürtinger Klimaschutzstiftung „Ökowatt“ beschäftigt, zuerst ehrenamtlich, dann in einem Minijob, zusätzlich zu ihrer Lehrtätigkeit an der Universität Tübingen. „Es ist ein Traumjob für mich“, sagt sie über ihre neue Position als Klimaschutzmanagerin in Filderstadt. Bei der Stiftung habe sie bereits viele Kampagnen auf die Beine gestellt, „aber als Ehrenamtliche muss man mehr werben“, erzählt sie, „anders als hier in der Verwaltung, wo meine Tätigkeit fest verankert ist und ich mich stärker einbringen kann“.

Filderstadt macht schon viel, sagt die Neue

Und dass sie sich einbringen will, daran lässt sie keinen Zweifel. Die promovierte Geologin hat viel Lob übrig für das, was in Filderstadt in Sachen Klimaschutz bereits passiert. „Ich bin sehr beeindruckt von der Radmobilität“, sagt sie, „da ist schon viel Engagement seitens der Stadt da“.

Nach einer anfänglichen Eingewöhnungszeit hat sie sich bereits viel vorgenommen: „Ich möchte den Klimaschutz auf der Internetseite der Stadt besser herausarbeiten“, sagt sie, „ich möchte sichtbarer machen, was wir schon alles machen und was noch gemacht werden soll“. Dazu soll es eine eigene Rubrik auf der Internetseite der Stadt geben, ähnlich der „Klimatipps“, die bereits jetzt im Amtsblatt abgedruckt werden. „Wir setzen die Dinge ja auch selbst um und ermuntern nicht nur die Bürger, es zu tun“, betont sie, „aber die Bevölkerung soll ja auch wissen, dass wir es tun“.

Thermografie-Spaziergang geplant

Die Plastikfrei-Kampagne ihrer Vorgängerin Myrthe Baijens soll weitergehen, „in welcher Form, müssen wir uns noch überlegen“. Workshops oder andere ähnliche Veranstaltungen sind wegen der Corona-Pandemie momentan nicht möglich. Dafür ist ein Thermografie-Spaziergang geplant, bei dem mit Wärmebildkameras Gebäude abgegangen werden, um zu zeigen, wo viel Wärme verloren geht und mit neuen Fenstern beispielsweise nachgerüstet werden könnte.

Außerdem will Renate Kostrewa die aktuelle CO2-Bilanz von Filderstadt zusammenstellen. „Die letzte Bilanzierung ist von 2014/2015, es wird Zeit, das wieder zu machen“, sagt sie. Allerdings sei der Prozess sehr aufwendig, da viele Daten einfließen müssten; angepeilt ist die Fertigstellung der Bilanz fürs zweite Quartal 2021. Filderstadt sei schließlich Mitglied im Klimabündnis, „und damit verpflichtet, alle fünf Jahre die CO2-Ausstöße um zehn Prozent zu senken“, erklärt Renate Kostrewa. Die Bilanz soll zeigen, ob dies geglückt ist.

„Unser Winter ist bereits jetzt drei Wochen kürzer“

„Der Klimawandel ist da“, betont die Geologin. „Unser Winter ist bereits jetzt drei Wochen kürzer als früher und viel wärmer, die Innenstädte heizen auf.“ Es ist ihr wichtig, auf möglichst viele Menschen zuzugehen, damit ein Bewusstsein für die Probleme entsteht. „Aber“, sagt sie, „wir können nicht auf alle Leute warten, die noch zögern, wir müssen jetzt etwas machen“. Zwar sei das Wort Klimaschutz für viele noch abstrakt, „aber es geht ja um unsere Lebensgrundlage, die es zu bewahren gilt“.

Die 53-jährige Klimaschutzmanagerin wohnt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Nürtingen. Zur Arbeit in Filderstadt kommt sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Ich bin auch schon ein paarmal mit dem Fahrrad gefahren und will das auch häufiger machen“, erzählt sie, „das war wunderbar, über Harthausen und Wolfschlugen war die Aussicht einfach fantastisch“.




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