Klinikpartnerschaft Afrikanerinnen vermissen das Morgengebet

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Drei Frauen aus dem Rubaga-Hospital in Kampala werden in Sindelfingen zur operationstechnischen Assistentin ausgebildet.

Deutsch-ugandischer Austausch im OP-Saal. Foto: factum/Archiv
Deutsch-ugandischer Austausch im OP-Saal. Foto: factum/Archiv

Sindelfingen - Im Rubaga-Hospital in Kampala beginnen die Krankenschwestern den Arbeitstag stets mit einem gemeinsamen Gebet in der Klinikkapelle. In den Krankenhäusern des Klinikverbunds Südwest, wo die erfahrenen ugandischen Schwestern Frances Nantongo, Leticia Namuleme und Margret Mpagi seit einem Jahr eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin absolvieren, kennt man einen solchen Brauch nicht. Das morgendliche Gebet vermissen die katholischen Afrikanerinnen.

Auch sonst empfinden sie den deutschen Krankenhausalltag als viel hektischer als den in Uganda. „Hier sind wir an bis zu 35 Operationen am Tag dabei. Abends sind wir todmüde“, sagt Leticia Namuleme. „Wir haben hier nur kurze Pausen. Und das Arbeitstempo ist hoch. In Uganda geht alles viel langsamer. Und wir haben anders als hier Zeit, mit den Patienten zu reden“, sagt Margret Mpagi.

Doch vieles sei in Böblingen und Sindelfingen auch viel besser, als sie es aus Uganda gewohnt sind, erklären die Schwestern. „Die Technik“, lobt Schwester Margret. Ganz neu gelernt hat sie die Laparoskopie – die Schlüsselloch-Operationen. „In Kampala haben wir noch nicht einmal genügend OP-Sets.“ Fremd ist für sie auch der kollegiale Umgang von Ärzten und Schwestern. In Uganda seien die Ärzte eingebildet und schauten auf alle anderen herab.

Die Frauen sind zum ersten Mal im Ausland

Schwester Frances, mit 53 Jahren die älteste des Trios, preist den hohen Hygienestandard in den deutschen Kliniken. „Unsere Leute im Rubaga-Hospital benötigen viermal so viel Zeit zum Putzen, und das Ergebnis lässt sich mit der Sauberkeit hier trotzdem nicht vergleichen.“ Wenn sie im nächsten Jahr nach Uganda zurückkehrt, möchte die Schwester einige der deutschen Reinigungsmethoden im Rubaga-Hospital einführen. Als künftige Hygieneleiterin der Klinik hat ihr Wort dann auch Gewicht.

Ihre 37 Jahre alte Kollegin Margret Mpagi wird die Pflegeleitung im OP-Saal übernehmen, und Schwester Leticia, mit 35 Jahren die jüngste, soll in der dem Hospital angeschlossenen Pflegeschule Operationstechniken unterrichten. Alle drei sind das erste Mal in ihrem Leben im Ausland. Untergebracht sind sie im Schwesternwohnheim in Sindelfingen. Der theoretische Unterricht findet in der Schule des Klinikverbunds in Böblingen statt – gemeinsam mit den anderen Schülern des Verbunds. Und ihre praktischen Einsätze haben sie in verschiedenen OP-Sälen der Kliniken Böblingen und Sindelfingen: in der Gynäkologie, der Urologie, der Orthopädie.

Auch die Deutschen profitieren vom Austausch

Der deutsche Alltag ist für sie gewöhnungsbedürftig. Das Wetter kritisiert Schwester Leticia als „viel zu kalt und nass“. Misstrauisch beäugte sie den Schnee im Winter. Auch schwäbisches Essen mundet den Afrikanerinnen ganz und gar nicht. „Am Anfang haben viele Kollegen die drei zu sich zum Essen eingeladen. Doch das macht keinen Sinn“, sagt Wolfgang Fischer, der als Partnerschaftsbeauftragter des Klinkverbunds die Ausbildung für die ugandischen Schwestern organisiert.

Seit Ende der 80er Jahre unterhält die Sindelfinger Klinik Kontakte zum Rubaga-Hospital. Bereits mehrfach wurden ugandische Schwestern hier ausgebildet. Im Januar reisen eine Ärztin, eine Physiotherapeutin sowie eine Krankenschwester nach Kampala, um dort das Personal zu schulen. Auch die deutsche Seite profitiere von dem Austausch, sagt Marina Schnabel, die Leiterin der Böblinger Schule: „Wir erhalten einen Einblick in eine völlig andere Kultur und lernen durch die Berichte der Afrikanerinnen die Vorteile unseres Gesundheitssystems schätzen.“




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