Knappe Bauflächen in Stuttgart Neben Friedhöfen sollen neue Wohnungen entstehen

Von Josef Schunder 

Der Wohnungsmangel ist groß, der Bedarf an weiteren Friedhofsflächen eher nicht. Deswegen soll in einigen Stuttgarter Stadtbezirken mit bisherigen Reservegrundstücken nun anders geplant werden.

Wohnungen dringend gesucht: Der Stuttgarter Gemeinderat ringt daher um weitere Bauflächen. Foto: dpa
Wohnungen dringend gesucht: Der Stuttgarter Gemeinderat ringt daher um weitere Bauflächen. Foto: dpa

Stuttgart - Nicht nur im Stadtbezirk Mühlhausen sollen bisherige Reserveflächen für den Friedhof zum Wohnungsbau herangezogen werden, sondern möglichst auch in Plieningen, Stammheim, Feuerbach und Untertürkheim. Diesen Kurs haben Gemeinderatsausschuss für Wohnen die Fraktionen des bürgerlich-konservativen Lagers und die SPD abgesteckt – all jene Fraktionen also, die der Meinung sind, zur besseren Wohnungsversorgung und zur Begrenzung der Mietpreissteigerungen müssten auch grüne Wiesen an an den Rändern der Ortslagen oder in Außenlagen bebaut werden.

Dass für das neue Wohngebiet Schafhaus in Mühlhausen bisherige Friedhofreserveflächen verwendet werden sollen, hatte eine Ratsmehrheit schon früher beschlossen. Danach ließ man sich vom Technischen Referat berichten, dass man auch an fünf anderen Friedhofstandorten auf Reserveflächen verzichten könnte. Schließlich sollte das Stadtplanungsamt prüfen, ob sie für Wohnungsbau in Frage kommen. Ergebnis: Nur die Fläche in Plieningen sei für Wohnungsbau geeignet – wegen des Lärms von der Mittleren Filderstraße aber auch nur bedingt.

CDU und Grüne in dieser Frage völlig uneinig

Für Feuerbach, Möhringen und Untertürkheim riet die Verwaltung ab: weil die Flächen klimarelevant sind oder landwirtschaftlich genutzt werden, weil geschützte Tiere bedroht würden oder im Umfeld zu viel Lärm oder Luftschadstoffe herrschen, weil die Flächen oft isoliert seien oder in Möhringen die Körsch sehr nah ist – und vor allem, weil Wohnungsbau an diesen Standorten auch dem bisher gepflegten Grundsatz widerspräche, in den Ortslagen zu bauen und die grünen Außenlagen zu erhalten. Abgesehen von Plieningen sollten die fraglichen Flächen – insgesamt noch elf Hektar – lieber als ökologische Ausgleichsflächen naturnah gestaltet werden, um Bauten an anderer Stelle auszugleichen. Die Fläche in Stammheim komme eher für Gemeinschaftseinrichtungen in Frage.

Die CDU kritisierte die „sehr defensive Haltung“ der Verwaltung und hätte bereits gern Zahlen gehabt, wie viele Wohnungen auf den Flächen möglich sind. Die Grünen entgegneten ihr, wer eine großzügige Nachverdichtung im Stadtteil Fasanenhof ablehne, glaube dann eben Grünflächen im Außenbereich bebauen zu müssen. Der Unterausschuss gab der Verwaltung aber mit sechs zu drei Stimmen den Auftrag, die Bebauung bei den Friedhöfen Stammheim, Untertürkheim und Feuerbach weiter zu konkretisieren, in Feuerbach allerdings nur auf einer kleineren Teilfläche der Reservergrundstücke. Die SPD sieht die Fläche in Stammheim auch eher als Baufläche für Gemeinschaftseinrichtungen. Wenn mehr über die Baumöglichkeiten bekannt ist, wird der Gemeinderat wie im Fall Schafhaus in Mühlhausen wohl beschließen, den Flächennutzungsplan zu ändern und Bebauungspläne aufzustellen. Manche Grundstücke sind allerdings noch gar nicht im städtischen Eigentum.

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