Kolumne Adrienne Braun Angeborenminderbemittelt

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Die Menschheit wird immer gescheiter. Deshalb gehen viele Leute davon aus, dass auchihre Umwelt intelligent ist. Nur unsere Kolumnistin musste jetzt feststellen, dass sie wohl doch nicht die Hellste ist.

Im Internet kann man leicht herausbekommen, wie intelligent man ist. Foto: USM
Im Internet kann man leicht herausbekommen, wie intelligent man ist. Foto: USM

Stuttgart - Jetzt hab ich die bittere Botschaft schwarz auf weiß. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Zweitgeborene weniger intelligent sind als Erstgeborene. Aus biografischen Gründen sieht es für mich also verdammt düster aus. Eine angeborene Minderbemitteltheit – von der ich bisher aus angeborener Minderbemittelheit nicht mal etwas bemerkt habe. Ich fürchte: weil ich nicht so intelligent bin, habe ich mich bisher für halbwegs intelligent gehalten.

Trotzdem habe ich jetzt im Internet mal einen Intelligenztest gemacht. Bei den Wortpaaren war ich noch frohgemut. Beim Zusammenhang zwischen Pferd und Vase kam ich allerdings bereits ins Straucheln. Und als man winzige Pfeile vergleichen sollte, die kreuz und quer in alle möglichen Richtungen zeigten, hatte ich plötzlich überhaupt kein bisschen Lust mehr auf diese anstrengenden Aufgaben, sondern habe beschlossen: Dann bin ich eben angeboren minderbemittelt. Daran lässt sich eh nichts rütteln, selbst wenn ich meinen IQ kenne.

Heute haben fast alle Eltern hochbegabte Kinder

Wobei die Menschheit an sich immer intelligenter wird. Der IQ steigt von Generation zu Generation steil an. Bei uns in der Redaktion haben deshalb so ziemlich alle Kollegen hochbegabte Kinder. Eine Ansammlung aus Sprachgenies, Mathecracks und musikalischen Talenten, die vermutlich alle sogar noch eine Rückwärtsrolle machen könnten.

Trotzdem habe ich mich lange Zeit gewundert, warum unser Kellerlicht ständig brennt. Eine Freundin, die glücklicherweise Erstgeborene ist, konnte es mir aber erklären: Die Menschen seien heute so unwahrscheinlich intelligent, dass sie selbstverständlich davon ausgingen, dass auch ihre Umwelt intelligent ist. Dass sich das Wasser an Waschbecken automatisch abstellt. Dass WC-Spülungen wie von Geisterhand bedient werden, das Treppenlicht von allein ausgeht oder Autos künftig Straßenschilder lesen. Selbst wenn die Fahrer das an sich natürlich auch könnten.

Leider sind die Toiletten bei uns in der Redaktion noch nicht intelligent. Deshalb wurde jetzt wieder eine Rundmail verschickt, man möge doch bitte die Spülung benutzen. Komisch, sagte ich zu einer Freundin, ich bediene immer brav die Spülung. Drehe den Wasserhahn zu. Sogar für die Dellen an meinem Auto sorge ich höchstpersönlich und überlasse sie nicht der intelligenten Einparkhilfe. „Du bist ja nicht die Erstgeborene“, fragte die Freundin da nur beiläufig, „oder?“