Kolumne Adrienne Braun Damen sind die besseren Herren

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Oft liegen die Lösungen von Problemen auf der Hand. Unsere Kolumnistin hat aber festgestellt, dass sie ausgerechnet die Betroffenen nicht sehen.

Mach schon: Frauen wissen oft genau, was ihr Tänzer tun sollte. Foto: dpa
Mach schon: Frauen wissen oft genau, was ihr Tänzer tun sollte. Foto: dpa

Stuttgart - Die schlechte Nachricht ist: auch in diesem Jahren haben sich wieder an die 200 000 Ehepaare scheiden lassen. Hinzu kommen zahllose Beziehungen, die beendet wurden. Dabei müsste das nicht sein. Es ist so einfach, dauerhaft glücklich zu sein. Als in meinem Bekanntenkreis jetzt ebenfalls eine Ehe in die Brüche ging, wussten alle sofort, warum: Die beiden haben nicht miteinander geredet. Sie hätten sich eben mal an einen Tisch setzen und sich aussprechen müssen. Und das, wie eine Freundin erklärte, „ganz ruhig und unaufgeregt“.

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet jene Menschen, die es dringend nötig hätten, nicht wissen, was für alle anderen glasklar auf der Hand liegt. Eine Freundin kann zum Beispiel ihr Handy nicht mehr aufladen. Akku raus, habe ich ihr gesagt, SIM-Karte raus. Mit einem Zahnstocher an den Kontakten rumnoddeln. Wenn das nicht hilft, gibt es im Internet wertvolle Tipps: „Handy rooten und dann im CWM die Battery Stats wipen! Oder mit dem App die den gleichen Namen hat kalibrieren!“

Als ich kürzlich Probleme mit den Gelenken hatte, waren natürlich auch zahlreiche Mitmenschen mit Rat zur Stelle. Ich müsse entgiften, entschlacken und entsäuern. Nach einer grundlegenden Darmsanierung solle ich auf basische Kost umsteigen. Außerdem wurde mir Hagebuttenpulver empfohlen, Zwiebel, Ingwer, Kurkuma und Brennnessel. Und natürlich Traubenkernmehl und Gewürzjoghurt. Die Einzige dagegen, die nicht wusste, was tun, war meine Ärztin. Gegen die Beschwerden könne man leider nicht viel machen.

Der Chef fährt das Unternehmen an die Wand

So findet sich die wahre Expertise immer an der falschen Stelle. Die komplette Belegschaft weiß, wie man die Firma rettet, bloß der Chef nicht – und fährt das Unternehmen munter an die Wand. Journalisten scheitern an einfachsten Artikeln, die ihre Leser mit Links schreiben könnten („Wenn du weißt, wie’s wirklich lief, schreibe einen Leserbrief“). Oder beim Tanzen. Es gibt kaum Männer, die souverän führen können, die Dame sicher im Arm halten und elegant übers Parkett geleiten. Statt dass sie endlich mal jene fragen würden, die genau Bescheid wissen, wie der Herr es machen muss: die Damen.

Womit wir wieder bei der großen Wahrheit angekommen wären: Man muss halt mal miteinander reden. Das kann doch nicht so schwer sein. Sich einfach mal an einen Tisch setzen und aussprechen. Aber natürlich ganz ruhig und unaufgeregt.




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