Kolumne „Familiensache“ zum Schulanfang Zweite Klasse, wir kommen!

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Das neue Schuljahr hat begonnen - es kann nur besser werden als das, das hinter uns liegt. Vor allem, weil Mutter und Kinder inzwischen Profis sind, was Schule betrifft.

Die Schule ist in Baden-Württemberg wieder losgegangen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert
Die Schule ist in Baden-Württemberg wieder losgegangen. Foto: picture alliance/dpa/Sebastian Kahnert

Stuttgart - Da laufen sie. Mit ihren dicken Schulranzen auf den Rücken, die nicht mehr ganz so gewaltig wirken wie noch vor einem Jahr. Stolz darauf, nicht mehr „Ersti-Babys“ zu sein und somit in der Hackordnung der Grundschule nicht mehr ganz unten zu stehen. Ich sehe ihnen nach – ziemlich stolz auf meine beiden Großen.

Ich weiß noch recht genau, wie sich das vor einem Jahr angefühlt hat: Meine Mädels waren irre aufgeregt – und ich auch. Wie wird es werden in der Schule? Werden sie sich wohlfühlen? Wie wird es mit der Lehrerin, den Mitschülern, den Hausaufgaben klappen? Zwölf Monate ist das her – doch es fühlt sich an wie ein anderes Zeitalter.

Schulter an Schulter bei der Einschulungsfeier

Damals hatten die meisten von uns noch nie von einem Coronavirus gehört und in Quarantäne begab man sich höchstens, wenn die ganze Familie mit einem Magen-Darm-Infekt darniederlag. Selbstverständlich gab es auch noch eine Einschulungsfeier, bei der man Schulter an Schulter in der Turnhalle stand und später bei Häppchen und Sekt-Orange am Stehtisch plauderte.

Wer hätte damals ahnen können, dass ein halbes Jahr später die Schulen schließen und wir unsere Kinder über Wochen zu Hause beschulen müssen? Dass sich Eltern plötzlich mit lateinischer Grammatik, dem Rechnen mit Zehnerübergang oder der Photosynthese auseinandersetzen müssen – neben ihrer eigentlichen Arbeit wohlgemerkt? Dass wochenlang weder Fußballtraining noch Chorprobe stattfinden dürfen und Spielplätze mit rot-weißem Flatterband abgesperrt sind, als habe sich dort ein blutiges Verbrechen ereignet?

Schaue ich auf dieses vergangene, ganz schön seltsame Schuljahr zurück, fühle ich mich wie eine erfahrene Veteranin. Und das in zweierlei Hinsicht: Allgemein und im Speziellen.

Homeschooling? Haben wir ja schon mal hingekriegt

Im Speziellen, was das leidige Thema Corona angeht: Kultusminister und –ministerinnen landauf und landab haben zwar versprochen, dass flächendeckende Schulschließungen diesmal das letzte Mittel zur Eindämmung des Virus sein werden. Sollte es aber dennoch dazu kommen, hilft Zweckoptimismus: Wir haben das Homeschooling schon einmal hingekriegt (wenn auch mit Ach, Krach und gebrülltem „Du weißt das gar nicht, du bist nicht meine Lehrerin!!!!“), wir würden es zur Not auch nochmal schaffen.

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Und allgemein weiß ich jetzt, wie das mit Schulkindern läuft. Dass die Bedarfsliste an zu kaufenden Schulmaterialien zwar beängstigend lang ist, dass es aber im Fachgeschäft freundliche Verkäuferinnen gibt, die einem das ganze Zeug vom DinA5-Karoheft (ohne Rand) bis zum speziellen Spitzer für Dreikant-Bleistifte (HB) zusammensuchen und man selbst nur noch den Geldbeutel zücken muss.

Dass man entspannt bleiben muss, wenn das Kind eine andere Vorstellung von Schulranzen-Ordnung hat als man selbst und es gar nicht störend findet, dass Arbeitsblätter mehrfach geknickt, eingerissen und traurig angegraut am Boden des Tornisters auftauchen. Dass die Hausaufgaben eine Sache zwischen Kind und Lehrerin sind und sich Eltern – so gut es eben geht – da raushalten sollten.

Meine Kinder sind keine „Ersti-Babys“ mehr und ich keine „Ersti-Baby-Mutter“. In diesem Sinne: Mit Optimismus ran ans neue Schuljahr – wir werden ihn brauchen.

Theresa Schäfer (38) ist Mutter von Zwillingen - und Onlineredakteurin im Nebenberuf. Der geballten Power von zwei Achtjährigen steht sie manchmal völlig geplättet gegenüber.




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