Kolumne Kreis Böblingen Missverständnisse in der Mitmachstadt

Ein Stimmungsbild aus Aidlingen: die gesprengte Dogstation Foto:  
Ein Stimmungsbild aus Aidlingen: die gesprengte Dogstation Foto:  

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Auch diese Woche sprengt Corona mal wieder den Rahmen, aber der Schnee macht die Probleme.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Herrenberg - Im Kreis Böblingen wäre es gar nicht notwendig, einen Inzidenzwert zu berechnen. Dass er aktuell auf 70 Fälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner gesunken ist, lässt sich auch an einem anderen Gradmesser der Pandemie ablesen: der Corona-Hotline des Landkreises Böblingen. Sie war zeitweise so angesagt, dass die Kreisbehörde fast verzweifelte. Mittlerweile langweilten sich die Telefonseelsorger sonntags, weshalb die Hotline nur noch werktags besetzt ist. „Das Aufkommen an Anrufen ist so zurückgegangen, dass wir diesen Schritt rechtfertigen können“, erklärt die Gesundheitsamtsleiterin Anna Leher.

Telefonberatung bei Schneefall

Die Kreisbewohner haben längst andere Probleme. Und es zeigt sich, dass das in der Pandemie gestiegene Angebot an Hotlines noch lange nicht ausreicht. Denn unbeantwortete Fragen führen bei den meisten Menschen gleich zur Aufregung (und dann beispielsweise zur Überlastung einer Corona-Hotline). Dass es für Fragen neben dem Virus viele weitere Anlässe gibt, ist in der Pandemie möglicherweise in Vergessenheit geraten. Doch nun zeigt sich: auch bei Schneefall wäre eine Telefonberatung angebracht.

In Herrenberg ist es nämlich zu Missverständnissen wegen des Winterdienstes gekommen. Und wenn eine Stadtverwaltung von „Missverständnissen“ schreibt, dann war es mit Sicherheit mehr als nur ein harmloser Irrtum. „Bei Schneefall sorgen Stadt und Anwohner gemeinsam für begeh- und befahrbare Flächen“, beginnt die Mitteilung aus dem Rathaus. Freundlich weist sie darauf hin, dass Schnee und Kälte nicht nur Schlittenfahren und Spaziergänge bedeuten. „Wir und auch die Bürger wissen um unsere Pflichten und normalerweise funktioniert das Miteinander beim Winterdienst reibungslos“, erklärt Stefan Kraus, der Leiter des Amts für Technik, Umwelt, Grün erst ganz ruhig. Doch in diesem Jahr sei es „verstärkt zu Missverständnissen“ gekommen, ergänzt er. Seine Mitarbeiter mussten deshalb Extra-Runden drehen und konnten die gesetzlichen Fristen nicht einhalten.

Straßen zu Rodelstrecken

Diese Missverständnisse liegen natürlich ebenfalls an Corona, werden unter der Hotline des Landratsamtes aber nicht geklärt: Einige Bürger haben im Homeschooling oder Homeoffice auf öffentlichen Straßen ihre Rodelstrecken gebaut oder sich eigenmächtig den Wunsch von Bodenwellen erfüllt, um den Durchgangsverkehr auszubremsen. Damit muss eine Mitmachstadt rechnen, könnten Neider hämisch denken. Auch in Herrenberg handelt es sich dabei jedoch um einen unerlaubten Eingriff in den Straßenverkehr.

Was außerdem nicht geht: Den Schnee aus Hofeinfahrten, Grundstücken und Gehwegen auf die bereits geräumte Straßenmitte schieben. Das führt zu den Extra-Runden, weil Autofahrer entweder die Nummer des Amtes wählen, die übrigens keine Hotline ist, oder den Online-Schadensmelder bedienen, was der Bevölkerung seit dem Gerangel um Impftermine im Internet leicht von der Hand geht. Melden dürfen sich auch Bürger, deren geräumte Gehwege von städtischen Mitarbeitern mit Schnee zugeschüttet wurden, was sicherlich nicht aus Boshaftigkeit geschieht. Sie seien für ein rücksichtsvolleres Verhalten sensibilisiert worden, berichtet Stefan Kraus. Das selbe erhofft er sich nun von den Anwohnern.

Sollte der folgende Polizeibericht die Stimmung in der Bevölkerung widerspiegeln, sind die Erfolgsaussichten dafür eher gering. In Aidlingen wurde diese Woche eine Dogstation gesprengt. Der Täter war kein Hundehasser, das ist eindeutig: Denn bei dem Gestell handelte es sich um eine Ausgabestelle für Hundekotbeutel beim Wanderparkplatz Venusberg. Um den Automaten vollständig in die Luft zu jagen, waren „vermutlich sogenannte Polenböller mit einer erheblichen Sprengwirkung zum Einsatz gekommen“, schreibt das Polizeipräsidium Ludwigsburg politisch nicht ganz korrekt. Natürlich muss es sich bei dem Täter auch nicht um einen Hundebesitzer gehandelt haben. Vielleicht war es einfach ein Missverständnis?




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