Kolumne Kreis Böblingen Verschiedene Formen von Verschwendung

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Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche gibt es Dankeschöns für Radfahrer und fürs Richtigparken sowie eine Belehrung für den Bund der Steuerzahler.

Doppelt falsch geparkt: Darauf muss hingewiesen werden. Foto: Stadt Herrenberg
Doppelt falsch geparkt: Darauf muss hingewiesen werden. Foto: Stadt Herrenberg

Herrenberg - Im herrlichen Herrenberg herrschen schlimme Zustände. Dort müssen die Bürger mit Brezeln zum Radfahren animiert werden und Richtigparker erhalten ein Dankeschön. Solche Aktionen lassen darauf schließen, dass der Herrenberger bequem und vornehmlich mit dem Auto unterwegs ist. Die Stadtverwaltung schickte gleich zwei Fotos, die diese These eindeutig untermauern. Auf dem einen ist ein Personenwagen zu sehen, der gleich doppelt gegen die Verkehrsregeln verstößt und auf dem anderen der Erste Bürgermeister Tobias Meigel mit zwei Dutzend Frühstückstüten. Während das Falschparken also schon eine Plage ist, sind radelnde Herrenberger so verbreitet wie die Zahl der Brezeln, die in einen Korb passen.

Brezeln für die Fahrradfahrer

„Es war mir ein besonderes Anliegen, mich persönlich bei den Herrenbergern zu bedanken, die bei Wind und Wetter Fahrrad fahren und dadurch ihren aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten,“ erklärte Tobias Meigel die Aktion und zeigt damit, wie mühsam die Arbeit einer Stadtverwaltung ist. Jeder einzelne Kilometer, der mit dem Fahrrad statt dem Auto gefahren werde, spare 200 Gramm Kohlendioxid ein, erklärte er seinen Einsatz. Und neben der Frühstückstüte bekommen die radelnden Herrenberger laut ihrem Bürgermeister eine weitere Belohnung in Form eines gesunkenen Herzinfarktrisikos.

Tatsächlich steht bei den Herrenbergern das Auto an erster Stelle – auch wenn sie im Halte- oder Parkverbot liegt. Der fotografierte silbergraue Wagen parkte an der Hauffstraße: mitten im Einmündungsbereich und dann noch auf der linken Seite. Damit „macht er das Abbiegen für alle anderen unübersichtlich und gefährlich“, mahnt das Rathaus. Seit 4. November verteilt der Vollzugsdienst deshalb nicht mehr nur Strafzettel und Flyer an Falschparker, sondern auch „ein Dankeschön an alle, die ihr Auto an kritischen Stellen richtig geparkt haben und dadurch helfen, Gefahrensituationen gar nicht erst entstehen zu lassen“. Die Herrenberger wären also wirklich gut beraten, mehr mit dem Fahrrad zu fahren, weil der Krankenwagen im Fall eines Herzinfarktes möglicherweise nicht durchkommt.

Der Landrat legt sich mit den Steuerzahlern an

Herzrhythmusstörungen hat diese Woche der Landrat bekommen beim Schmökern im Schwarzbuch der Steuerzahler. Ausgerechnet der Radschnellweg zwischen Böblingen und Ehningen tauchte darin auf, weil für eine Länge von zwei Kilometern Kosten von mehr als zwei Millionen Euro veranschlagt waren. „Es ist bedauerlich, dass diese sinnvolle Maßnahme zur Stärkung des Radverkehrs im Kreis so in Verruf gerät durch schlampige Recherche“, wetterte Roland Bernhard, tatsächlich sei das Projekt fast 500 000 Euro billiger. Der Bund muss immerhin einräumen, dass es effektiver ist als von dem Geld 2,2 Millionen Gratisbrezeln als Anreiz an Radfahrer zu verteilen.

Die Aidlinger Verwaltung kann dagegen weder mit Rechenfehlern, noch Klimaschutz oder Gesundheitsförderung argumentieren. Die Sanierung ihres Rathauses ist mit 300 000 Euro doppelt so teuer wie geplant geworden und beim Kauf von neuen Möbeln wurde ebenfalls überzogen, kritisierten die Steuerzahler. Aber natürlich gab es gar keine Verschwendung, wurde dem Gemeinderat erklärt, das Bauamt zog nur notwendige Maßnahmen vor. In dem Fall liegt jetzt natürlich die Vermutung nahe, dass ein paar bequeme Herrenberger in dem großzügig renovierten Rathaus arbeiten: Auch in Aidlingen läuft die Kampagne gegen die Falschparker.




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