Kolumne zur Wasenerotik Schützen hochgeschlossene Dirndl vor Grabschern?

Alles hochgeschlossen: Dirndl-Designerin Kinga Mathe (Zweite von links)  mit ihren Models. Foto: Andreas Engelhard 12 Bilder
Alles hochgeschlossen: Dirndl-Designerin Kinga Mathe (Zweite von links) mit ihren Models. Foto: Andreas Engelhard

Üppige Dekolletés, sagen die Dirndl-Macher, sind out. Die Stuttgarter Designerin Kinga Mathe, ein Star als Promiausstatterin auch in München, hat bei ihrer Modeshow zum Volksfest nur Hochgeschlossenes bis zum Hals präsentiert. Ist dies etwa erotischer?

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Auf dem Wasen wird abgerüstet! Wissen die Damen schon, die sich fürs Cannstatter Volksfest noch immer prall ins Dirndl pressen, als bräuchten sie einen Waffenschein, dass XXL- Dekolletés out sind?

Die Stuttgarter Dirndl-Designerin und Promi-Ausstatterin Kinga Mathe, 37, ließ bei ihrer Modeschau in der Boutique Schlossberg zum Sound von DJane Alegra Cole alle Models unisono hochgeschlossen antreten. Blusen aus transparenten Blumenspitzen, hochwertige Rüschen, Verzierungen aus Seide – dies alles liegt bei Kinga Mathe über Haut, die früher nackt präsentiert wurde. „Erotischer“ sei es, findet das frühere Playmate, das nicht will, dass sich die eigene 17-jährige Tochter für den „Playboy“ auszieht, wenn die Reize der Damen edel verpackt sind.

Ist die neue Mode ein Schutz vor Grabschern?

Prompt gibt’s in der Wasen-Saison 2017 enttäuschte Männergesichter. „Was soll das?“, schimpft ein Lederhosenbua, „ohne ordentlichen Ausschnitt kann doch kein Mensch auf die neuen Schuhe schauen!“ Beim Metzger, ist zu hören, riskiere man ja auch einen Blick in die Auslage.

Setzt sich beim Feiern im Festzelt der Gegentrend zur Freizügigkeit durch, wie sich dies die Designer ausgedacht haben? Ist’s eine Verbeugung vor der Tradition? Beim Volksfestumzug sah man bei den Trachten nur Hochgeschlossenes. Oder ist die neue Mode ein Schutz vor Grabschern gar?

„Meine Kundinnen mögen es edler“, erklärt die gebürtige Ungarin Kinga Mathe, „sie haben keine Lust mehr, dass die Männer weit unter ihre Augen schauen.“ Die Stuttgarterin hat es geschafft, eine der gefragtesten Dirndl-Schöpferinnen von München zu werden. Dass Lilly Becker, die Frau von Boris Becker, kürzlich auf der Wiesn ein Original-Kinga-Mathe-Dirndl im Wert von 27 500 Euro trug, sorgte für einen medialen Sturm.

Sieben Knöpfe dieses Schmuckstücks sind in Gold gefasste Mondsteine aus Indien. Sie wurden in einer Goldschmiede aufwendig hergestellt. Die Arbeitszeit pro Stück hat bis zu eineinhalb Tage gedauert. Der zweitoberste Knopf ist mit Ein-Karat-Diamanten eingefasst. Aber nein, Lilly Becker, mit der Kinga befreundet ist, habe nichts bezahlen müssen.

Designerin Kinga Mathe ist Single

Das Dirndl mit dem Namen „Grace Kelly“ war nur eine Leihgabe und befindet sich noch in einem Safe in München. Die Stuttgarterin, deren preisgünstigestes Dirndl 500  Euro kostet, ist sicher, dass sie auch für ihr teuerstes Stück eine Käuferin findet. Natürlich gibt auch „Grace Kelly“ die Bedeckung bis zum Hals vor. Herstellen lässt King Mathe, die vor neun Jahren zur Designerin wurde, als sie für sich kein schönes Dirndl fand, ihre Kreationen in Budapest – in einem Familienbetrieb, den sie noch aus ihrer Kindheit kennt.

Das traditionelle, mehr verhüllende Dirndl ist auch bei Branchen-Primus Angermaier der Trendmacher. Dessen Chef Axel Munz betont, dass hochgeschlossen nicht unbedingt bedeute, aufs Dekolleté zu verzichten. „Es wird nur schmaler, ist aber oft genauso tief“, erklärt der Angermaier-Inhaber. Bei den Blusen blieben in der Mitte zwei, drei Knöpfe offen. „Im Prinzip wollen die Frauen zeigen, was sie haben“, sagt Munz.

Aber sie wollen nicht betatscht werden. Der Alkohol lässt Hemmschwellen sinken. Mit steigendem Pegel werden allzu pralle Dekolletés oft missverstanden. Designerin Kinga Mathe setzt noch ein weiteres Mittel ein, um sich Männer fernzuhalten. Auf der rechte Seite trägt sie die Dirndl-Schleife, was bedeutet, dass sie vergeben ist. Dabei ist sie Single.

Alles hochgeschlossen bis zum Hals, werte Damen, wenn’s auf den Wasen geht? Garantiert wird sich die Festmode wieder ändern. Trends ändern sich ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern zum Umsatzsteigern der Designer. Aufgebrezelt, fertig, los!

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