Kommentar zu Blutbad von Orlando Im Schatten des Terrors

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Das Massaker von Orlando wirkt in die Politik hinein, so könnte die schreckliche Bluttat dem Rechtspopulisten Donald Trump Aufwind geben.

Eine Frau leitet in Orlando ein Gebet von Menschen, die der Opfer des Massakers gedenken. Foto: dpa 14 Bilder
Eine Frau leitet in Orlando ein Gebet von Menschen, die der Opfer des Massakers gedenken. Foto: dpa

Stuttgart - Ob der Attentäter von Orlando ein psychisch gestörter Einzelgänger war, oder ob er wirklich Verbindungen zur Terrormiliz IS hatte – das ist noch ungeklärt. Und trotzdem wirkt die entsetzliche Bluttat schon in die Politik hinein, allein wegen des muslimischen Hintergrunds des in den USA geborenen Täters. In den USA ist die Debatte um die Waffengesetze neu aufgeflammt, zu Recht hat die Demokratin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kritisch nachgefragt, wie lange man in Amerika noch mit Kriegswaffen im öffentlichen Raum herumspazieren könne.

Politischen Aufwind könnte das Massaker aber ausgerechnet dem Rechtskonservativen Donald Trump bringen, der auch US-Präsident werden möchte: Er vertritt die einfachen Wahrheiten. Trump hat schon nach dem von Islamisten verübten Attentat von San Bernardino im Dezember 2015 – auch hier war einer der beiden Täter US-Amerikaner – mit scharfen Parolen und der Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime die niedrigsten Gefühle an den Stammtischen bedient.

Ähnliches bahnt sich jetzt wieder an. Trump hat nach dem Orlando-Massaker den noch bis November amtierenden US-Präsident Barack Obama zum sofortigen Rücktritt aufgefordert, da der in seiner Stellungnahme nicht den „radikalen Islam“ erwähnt habe. Der Anschlag auf den Nachtklub in Florida wird die amerikanische Gesellschaft weiter spalten, er wird die gereizte Stimmung im Wahlkampf aufheizen. Global gesehen ist die Tat ein weiterer Hinweis darauf, wie verletzlich unsere westliche Gesellschaft geworden ist. Paris, Brüssel, Istanbul, Florida. Es gibt keinen absolut sicheren Ort, wir müssen mit der Bedrohung leben, die von fanatisierten Einzeltätern oder in Terrorgruppen organisierten Mördern ausgeht. Das heißt nicht, sich geschlagen zu geben. Das Streben nach bestmöglicher Sicherheit und Strafverfolgung muss oberstes Gebot der Politik sein. Mit dem Schüren von Hass und dem Generalverdacht gegen eine bestimmte Religionsgruppe hat dies nichts zu tun.




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