Kommentar zu Daimler-Beteiligung Symbolischer Akt

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Die Beteiligung von Daimler an dem Partner BAIC Motor in China ist nicht der Auftakt für noch weiter reichende Pläne, hofft StZ-Redakteur Michael Heller in seinem Kommentar.

Dieter Zetsche (Daimler) Foto: DAIMLER AG
Dieter Zetsche (Daimler) Foto: DAIMLER AG

Stuttgart - Jetzt hat Daimler seine Konkurrenten in China endlich einmal abgehängt. Stolz verkündet Finanzchef Bodo Uebber, dass Daimler der erste ausländische Konzern sei, der sich an einem chinesischen Autohersteller beteiligen dürfe. Nach den Misserfolgen im Wettrennen mit den deutschen Oberklasse-Konkurrenten BMW und Audi auf dem chinesischen Markt mag das für Genugtuung sorgen. Allerdings verbessern sich die Marktbedingungen in China jetzt für Daimler nicht automatisch. Die Zusammenarbeit, die bisher schon recht ordentlich zu funktionieren scheint, wird lediglich noch etwas enger festgezurrt.

Dies ist in der Automobilindustrie durchaus üblich. Auch Daimler und Renault/Nissan haben ihre Zusammenarbeit durch eine wechselseitige Beteiligung in Höhe von jeweils 3,1 Prozent unterlegt. Gemessen daran sind die zwölf Prozent, die Daimler jetzt an BAIC Motor erwirbt, üppig bemessen – eigentlich zu üppig. Dass Daimler nun zwei Sitze im Verwaltungsgremium von BAIC erhält, soll offenbar den Einfluss dokumentieren, den Daimler mit dem Anteilserwerb erhält. Das weckt aber Erinnerungen an so manch misslungenen Auslandsausflug des Konzerns in der Vergangenheit – zum Beispiel im Fall Mitsubishi. Zwischen einer Zusammenarbeit auf Vertragsbasis, womöglich unterlegt durch kleine Beteiligungen, und einer Mehrheitsübernahme gibt es eigentlich keine weiteren Varianten, wie zwei Unternehmen ihr Potenzial gemeinsam besser erschließen könnten. Und dass ein Ausländer ein strategisch wichtiges chinesisches Unternehmen kauft, ist für die nähere Zukunft nicht absehbar. Abgesehen davon, dass die Regierung in Peking das nicht zulassen würde, fehlen aus Sicht eines ausländischen Investors auch die Voraussetzungen – zum Beispiel hinsichtlich der Durchgriffsmöglichkeiten auf das örtliche Management.

Nicht zuletzt mit Blick auf die vielen Rätsel, die China immer noch aufgibt, wäre eine zu enge Bindung für Daimler nicht von Vorteil. Das gilt erst recht für die Kapitalseite. Gewiss hat Daimler keinen Großaktionär. Aber der Schutz vor Übernahmen, den solche Eigner vielfach bieten, wäre von einem Staatsfonds nicht zu erwarten.