Kommentar zu Siemens-Chef Löscher Keine Strategie erkennbar

Siemens-Vorstandschef in Nöten: Peter Löscher hat viele Baustellen. Foto: dapd
Siemens-Vorstandschef in Nöten: Peter Löscher hat viele Baustellen. Foto: dapd

Einst gefeiert, ist Siemens-Vorstandschef Löscher nun für den Schlingerkurs verantwortlich. Versäumnisse und Niederlagen tragen Löschers persönliche Handschrift, findet StZ-Autor Thomas Magenheim.

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Stuttgart - Vier Jahre währte im und um den Münchner Vorzeigekonzern Siemens ein ausgeprägter Betriebsfrieden. Dafür war der 2007 angetretene neue Chef Peter Löscher verantwortlich, der an den Kapitalmärkten und bei der Belegschaft Pluspunkte sammeln konnte. Damit ist es vorbei. Anleger murren laut, Großkunden wie die Deutsche Bahn stehen wegen mehrfach verspäteter Lieferfristen im Regen. Gewerkschaft und Belegschaft kündigen massiven Widerstand gegen Abbaupläne an. Einst gefeiert, ist Löscher nun auch für die negative Stimmung verantwortlich. Versäumnisse und Niederlagen tragen seine persönliche Handschrift.

In der ersten Finanzkrise stand der Konzern wie ein Fels in der Brandung. Nun aber treten überwunden geglaubte Krankheiten wieder zu Tage. Mit Zukäufen hat Siemens schon vor Löscher Milliardensummen verpulvert. Geändert hat sich das nicht wirklich. Deshalb ist der neue Milliardenzukauf der Invensys Rail mehr als nur eine weitere Akquisition. Die Münchner sind zum Erfolg verdammt. Wohl noch schwieriger dürfte es sein, intern wieder Frieden zu stiften. Der Konzernumbau, den Löscher verordnet hat, ist fundamental. Doch der Siemens-Chef verfolgt dabei keine klare Strategie. In schneller Folge wechselt das Portfolio, Siemens erinnert an eine Investmentfirma, die mit Unternehmen jongliert und sich die Mühsal, schwache Geschäfte fit zu machen, nicht antun mag.

Bei der Solartechnologie gibt Siemens nach kurzer Zeit auf, die Belegschaft hat mit Löscher einen zeitlich unbefristeten Pakt für Stellen und Standorte ausgehandelt. Kündigungen sind kaum möglich. Beim Verkauf ganzer Geschäftsteile aber werden Tausende von Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Ob es Löscher nun gefällt oder nicht: Siemens ist auch ein politischer Konzern, bei dem die mächtige IG Metall kräftig mitredet. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, ob Löscher mit seinem Sanierungskurs Erfolg hat oder ob er an der Aufgabe scheitert.

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