Kommentar zu Thomas Schaaf Das Ende des Wunders

Thomas Schaaf und Werder Bremen gehen nach 14 Jahren getrennte Wege. Foto: dpa
Thomas Schaaf und Werder Bremen gehen nach 14 Jahren getrennte Wege. Foto: dpa

Thomas Schaafs Abschied nach 14 Jahren als Cheftrainer von Werder Bremen nimmt der Bundesliga die letzte nostalgische Verklärung. Im Fußballgeschäft geht es primär um Erfolg, und erst sehr viel später um Vereinstreue, kommentiert StZ-Sportredakteur Johannes Nedo.

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Sogar den großen Otto Rehhagel hätte Thomas Schaaf vom Thron stoßen können. Hätte er bis zu seinem Vertragsende am 30. Juni 2014 durchgehalten, er wäre an ihm vorbeigezogen. Eigentlich fehlen Schaaf lediglich drei Monate zum Titel „Werder Bremens dienst­ältester Cheftrainer aller Zeiten“. Nach seinem vorzeitigen Abschied am Mittwoch kommt er auf 14 Jahre und neun Tage, während Rehhagel es auf 14 Jahre und knapp drei Monate bringt.

Doch auf diesen Rekord kann der eigenwillige Trainer getrost verzichten. Auch mit seinen 14 Fußballwintern in Amt und Würden gehört Schaaf einem kleinen exklusiven Zirkel an. Auf eine ähnliche Verweildauer als Chefcoach eines Bundesligisten brachten es außer ihm und Rehhagel nur Volker Finke in Freiburg (16 Jahre) und Winfried Schäfer beim Karlsruher SC (12).

Schaaf und seine Dinosaurierkollegen konnten sich halten, weil sie in einem besonderen Umfeld arbeiteten. Ohne große Einmischer in den Vereinsgremien. Ohne großen Druck von den örtlichen Medien. Schaaf konnte sich aber auch halten, weil er früh Titel holte und sich so einen Sonderstatus erarbeitete. Als es bei Werder in den vergangenen Jahren dann stetig bergab ging, half dem 52-Jährigen selbst dieser Sonderstatus nichts mehr.

Schaafs Ende in Bremen sollte auch dem letzten Nostalgiker verdeutlichen: Es geht primär um Erfolge – und erst sehr viel später um Vereinstreue. Es ist ein Wunder, dass er es schaffte, sich so lange in dieser exponierten Position zu behaupten. Einer Position, die so sehr von Emotionen und Ergebnissen abhängt wie keine andere im hektischen und meist irrationalen Fußballgeschäft. In der täglichen Arbeit stehen die Trainer permanent unter Stress. Ständig sind sie den Interessenkonflikten von Spielern, Beratern, Fans, Clubverantwortlichen und Medien ausgeliefert. Da ist es völlig normal, dass sie sich als Fußballlehrer nach einer gewissen Zeit abnutzen. Traurig ist es trotzdem.




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