Erdrutschartige Veränderungen hat es in den Ortsparlamenten der Großen Kreisstädte nicht gegeben. Die CDU bleibt wohl überall die stärkste Kraft. Von Fellbach und Schorndorf fehlt allerdings noch das Endergebnis. Dort haben die Zähler vorzeitig Feierabend gemacht.

Rems-Murr-Kreis - Erdrutschartige Veränderungen hat es in den Gemeinderäten der Großen Kreisstädten des Rems-Murr-Kreises nicht gegeben. Mancherorts schlossen sich die örtlichen FDP-Fraktionen dem Verlusttrend der Liberalen an. Ansonsten haben eher örtliche Themen und Persönlichkeiten eine Rolle gespielt. Nicht alle Ergebnisse konnten freilich eingeholt werden. In Fellbach und Schorndorf machten die Zähler vorzeitig Feierabend.   Waiblingen Dramatische Veränderungen gibt es im Waiblinger Gemeinderat nicht: Die CDU bleibt die stärkste Kraft, ihr Stimmenanteil ist mit etwas mehr als 29 Prozent nahezu unverändert zum Ergebnis von vor fünf Jahren geblieben. Allerdings hat sie einen Sitz eingebüßt. Während die Alternative Liste (ALi) und die Bürgerliste Bittenfeld (BüBi) leicht zulegen konnten – nämlich um Werte unter einem Prozent, was der ALi einen Sitz mehr einbrachte – mussten die Demokratischen Freien Bürger (DFB) ein leichtes Minus hinnehmen. Die SPD verlor rund 1,8 Prozent an Stimmen und büßte einen Sitz ein. Den herbsten Verlust hat die FDP wegzustecken, sie erhielt 2,3 Prozent weniger Stimmen und landete bei rund acht Prozent. Bei der Wahl 2009 hatte die FDP-Fraktion noch satte 4,6 Prozent zugelegt. Dennoch bleibt es für die FDP bei drei Sitzen. Die neue Liste „Grüne, Natur- und Tierfreunde“ (Grünt), die erstmals angetreten war, hat 3,1 Prozent erzielt und sich einen Sitz im Gemeinderat gesichert. Der spärliche Frauenanteil von bislang acht von 32 Räten wächst nun auf immerhin zwölf an. Den bemerkenswertesten Rekord haben die Waiblinger im negativen Sinne aufgestellt: die Stadt hatte mit 42,9 Prozent eine der niedrigsten Wahlbeteiligungen im gesamten Rems-Murr-Kreis.

Fellbach  Gegen 17 Uhr sind gestern im Fellbacher Rathaus die Auszählungen unterbrochen worden. Der Trend bei knapp der Hälfte an ausgezählten Stimmen: Die CDU wird trotz leichter Verluste stärkste Partei vor der Gemeinschaft aus Freien Wählern und FDP, die deutlich Federn lässt. Die SPD wird wieder drittstärkste Kraft, gefolgt von den Grünen, die sich etwas verbessern können. Den Linken wird es möglicherweise nicht zum Einzug ins Stadtparlament reichen. Wohl aber der Alternative für Deutschland (AfD), die sogar mit zwei Räten im Gremium vertreten sein könnte. Das Zwischenergebnis: Die CDU lag bei 31,6 Prozent (2009: 32,4), die FW/FD bei 26,4 Prozent (32,4), die SPD bei 20,8 Prozent (22,3), die Grünen bei 13,5 Prozent (12,8). Die Linke erreichte 2,3 Prozent und die Alternative für Deutschland (AfD) 5,3 Prozent – beide Parteien traten erstmals in Fellbach an. OB Palm warnte aber davor, aus dem Zwischenergebnis auf die Zahl der Sitze zu schließen, denn das Berechnungsverfahren sei geändert worden.

Winnenden Die Gemeinderatswahl hat ein paar Veränderungen mit sich gebracht. Vor allem die FDP hat sich vor Ort gegen den allgemeinen Trend behauptet und rund drei Prozent an Stimmen mehr eingefahren als vor fünf Jahren. So haben die Liberalen nun drei Sitze im Gemeinderat und damit auch Fraktionsstatus. Nicole Steiger, die bisher mit Peter Friedrichsohn die FDP-Gruppe bildete, ist zwar erste Ersatzkandidatin ihrer Partei, jedoch vorerst nicht im Rat. Robin Benz und Jürgen Hägele bilden mit Friedrichsohn die Fraktion. Die Freien Wähler haben einen Sitz eingebüßt, statt acht nur noch sieben. Markus Siegloch ist neu in der Fraktion, die langjährige Stadträtin Ursula Bodamer ist erste Ersatzkandidatin. Ebenfalls neu für die SPD im Rat ist Hans-Dieter Baumgärtner, der Schulleiter des Lessing-Gymnasiums. ist. Marianne Lank den Sprung in das Stadtparlament knapp verfehlt. Bei der CDU ist mit Janina Bäder die lokale Prominenz in die Fraktion gewählt worden. Das erste „Winnender Mädle“ ersetzt Werner Heincke, der nicht mehr angetreten war.

Weinstadt Ein schwarz-grünes Kopf-an-Kopf-Rennen wie in Stuttgart ist es zwar in Weinstadt nicht gewesen. Aber dennoch haben sich die CDU und die Grüne Offene Liste (GOL) gestern, während im Rathaus die Gemeinderatsstimmen ausgezählt wurden, kritisch beäugt. Wer bekommt den Sitz, den die Freien Wähler voraussichtlich verlieren werden? Erhält die CDU den zehnten Stuhl, den sie bei der vorangegangenen Kommunalwahl hatte abgeben müssen, zurück oder gewinnt die GOL einen fünften dazu? „Wir haben sehr darauf gehofft, weil wir uns sehr dafür eingesetzt hatten“, meint der bisherige CDU-Fraktionssprecher und Stimmenkönig dieser Wahl, Ulrich Witzlinger. Obwohl es mit der Rückeroberung nicht geklappt hat, sei der leichte Zugewinn von rund einem Prozent aber ein Grund zur Freude. „Wir hatten darauf gehofft, aber nicht damit gerechnet“, sagt indes der seitherige GOL-Chef Manfred Siglinger. Die Freie-Wähler-Fraktion muss nun ihren vor fünf Jahren hinzugewonnenen Sitz wieder abgeben.

Backnang  Eric Bachert ist wieder Stadtrat, dieses Mal allerdings nicht wie früher für die SPD, sondern für die Grünen im Backnanger Gemeinderat. Der 50-Jährige hatte den Sozialdemokraten vor vier Jahren mit einem Paukenschlag Ade gesagt – ausgerechnet während der Weihnachtsfeier, auf der er für seine 25-jährige Mitgliedschaft geehrt werden sollte. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist zudem um einen auf vier Sitze gewachsen. Auch die Christliche Alternative Backnang (CIB) hat nun zwei statt einen Sitz im Rat. Die SPD hat mit sechs und die Unabhängige Bürgervereinigung (UBV) mit einem Rat ihr Ergebnis halten können. Die CDU und das Bürgerforum Backnang (BfB) um den streitbaren „Alterspräsidenten“ Alfred Bauer haben jeweils einen Sitz verloren. Die CDU ist mit neun Sitzen aber nach wie vor die stärkste Fraktion. Eine Besonderheit bot die Kandidatenliste der BfB: Außer Alfred Bauer waren sein Sohn Jörg und sein Enkel Alex Bauer zu finden. Sie schafften den Sprung in den Rat zwar nicht, sind aber auf den ersten Nachrückplätzen zu finden.

Schorndorf Aus der Daimlerstadt wurden die letzen Zählungsergebnisse gestern gegen 18 Uhr gemeldet, 33 von 37 Stimmbezirken waren zu diesem Zeitpunkt ausgezählt, dann wurde die Auszählung beendet. Als Tendenz ist erkennbar, dass die CDU ihren Stimmenanteil auf 31,8 Prozent der Stimmen steigern konnte und die SPD mit rund 29 Prozent ebenfalls leicht zugelegt hat. Vermutlich können beide Parteien ihren Anteil im Rat damit stabilisieren. Für die Gemeinschaftliste von FDP und Freien Wählern zeichnet sich jedoch ein Stimmverlust ab. Rund 20 Prozent der Stimmen bedeuten ein Minus von gut vier Prozent und kosten unter Umständen ein Mandat. Die Grünen haben in Schorndorf, wenn es bei den bisherigen 18 Prozent bleibt, gut drei Prozent zugelegt. Das brächte der Fraktion einen weiteren Sitz.

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