Konjunktur Firmen zuversichtlich wie noch nie

Die Stuttgarter IHK-Präsidentin Marjoke Breuning rechnet mit einer weiter guten Entwicklung der Wirtschaft rund um die Landeshauptstadt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Stuttgarter IHK-Präsidentin Marjoke Breuning rechnet mit einer weiter guten Entwicklung der Wirtschaft rund um die Landeshauptstadt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Stimmung bei den Unternehmen in der Region Stuttgart wird immer besser. Allerdings löst der Brexit Unsicherheit aus. Sorgen bereitet der Wirtschaft auch die schlechte Versorgung mit schnellen Internetverbindungen.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)
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Stuttgart - Mehr als ein Drittel der Unternehmen in der Region Stuttgart rechnet für das gerade begonnene Jahr mit einer weiteren Verbesserung seiner Geschäftslage. Gegenüber dem Herbst vergangenen Jahres stieg der Anteil der optimistischen Unternehmen von 34 Prozent auf 37 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Region Stuttgart. 56 Prozent – ebenso viele wie im Herbst 2017– erwarten dagegen gleichbleibend gute Geschäfte.

Außer im Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Zuversicht in allen Branchen gestiegen. Am optimistischsten zeigt sich dabei die Industrie. Dort rechnen 44 Prozent der Unternehmen mit besseren Geschäften, bei Dienstleistungen sind es 35 Prozent, im Handel 34 Prozent. Im Hotel- und Gaststättengewerbe ging der Anteil der optimistisch gestimmten Betriebe dagegen seit Herbst von 28 Prozent auf 24 Prozent zurück. „Die große Zuversicht in der Industrie wird vor allem durch die gute Entwicklung der Weltwirtschaft und die steigenden Exporte getrieben“, sagte IHK-Präsidentin Marjoke Breuning.

Exporte nach Großbritannien gehen zurück

Auch mit ihrer aktuellen Situation sind die Unternehmen sehr zufrieden. „Die wirtschaftliche Lage der Betriebe unserer Region ist so gut wie noch nie in den letzten 20 Jahren“, meinte Breuning. Dennoch bereiten einige Entwicklungen den Unternehmen Kopfzerbrechen. Dies gilt etwa für die immer noch unklaren Folgen des Brexit: „Das führt bei den Unternehmen zu großer Verunsicherung“, erklärte Johannes Schmalzl, der Hauptgeschäftsführer der IHK. Bereits von Januar bis Oktober 2017 waren die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich um 8,5 Prozent auf etwas mehr als 9,5 Milliarden Euro gesunken. Viele Unternehmen rechnen nach den Angaben der IHK mit weiter sinkenden Exporten nach Großbritannien. Dieses rangiert bis jetzt noch auf Platz sechs unter den wichtigsten Ausfuhrländern für die südwestdeutsche Industrie.

Kammer fordert Entlastung bei Steuern

Gestiegen sind dagegen in den ersten zehn Monaten 2017 die Exporte in die USA. Diese nahmen um knapp fünf Prozent auf fast 20 Milliarden Euro zu. Mit seinen Plänen für eine Steuersenkung mache US-Präsident Donald Trump die USA auch für deutsche Investoren attraktiver, erklärte Breuning. Auch Länder wie etwa China versprächen Investoren Verbesserungen, sagte die IHK-Präsidentin. Deswegen müsse auch die künftige Bundesregierung für weitere Entlastungen sorgen. Dies gelte sowohl für die Steuerpolitik also auch für die Reduzierung bürokratischer Hemmnisse. Der Umfrage der Kammer zufolge wollen künftig 53 Prozent der Unternehmen mehr im Ausland investieren. Noch im Herbst hatten dies nur 45 Prozent erklärt. Die IHK-Präsidentin glaubt aber nicht, dass dies zu Lasten von Arbeitsplätzen im Inland geht.

Ein Drittel der Unternehmen möchte auch im laufenden Jahr weitere Beschäftigte einstellen. Der Fachkräftemangel wird allgemein als eines der größten Risiken für die weitere Entwicklung eingestuft. Positiv wertet die Kammer, dass der Anteil der Abiturienten an den Auszubildenden seit 2013 von 28 auf knapp 36 Prozent gestiegen ist.

Glasfasernetz noch bei Weitem zu schlecht

Unzufrieden ist die IHK mit der ihrer Ansicht nach immer noch zu schlechten Breitbandverkabelung im Südwesten. Ein flächendeckendes Glasfasernetz mit einer Leistung von 50 Megabit sei zwar, „das, was wir jetzt unbedingt brauchen“, sagte Claus Paal, der Präsident der Bezirkskammer Rems-Murr in Waiblingen. Künftige Netze müssten aber weit mehr als 100 Megabit bieten, meinte Paal, der auch im Präsidium der IHK Region Stuttgart sitzt, „sonst werden wir abgehängt“. Weit mehr als die Hälfte aller Gewerbegebiete etwa im Rems-Murr-Kreis sind nach den Worten von Markus Beier, dem Geschäftsführer der Bezirkskammer, nicht flächendeckend mit Glasfaserkabel versorgt. Beim Bund gibt es bereits ein Förderprogramm für ein Gigabytenetz. Die Übertragung hoher Datenmengen in Echtzeit wird etwa in Zeiten von Industrie 4.0 immer wichtiger.

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