Konjunktur im Südwesten Krise trifft das Land härter als den Bund

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Die Aufträge für die Wirtschaft in Baden-Württemberg gehen dramatisch zurück. „Im Herbst wird die Lage kritisch“, fürchtet Marjoke Breuning, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart.

IHK-Präsidentin Marjoke Breuning und Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl machen sich Sorgen um die Entwicklung der Wirtschaft im Südwesten. Foto: IHK
IHK-Präsidentin Marjoke Breuning und Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl machen sich Sorgen um die Entwicklung der Wirtschaft im Südwesten. Foto: IHK

Stuttgart - Die Corona-Krise hat in Baden-Württemberg gravierendere Auswirkungen als bundesweit. Zu diesem Schluss kommt die Indus­trie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart in ihrer jüngsten Konjunkturumfrage. Für den Bund hatte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kürzlich einen Einbruch der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um zehn Prozent prognostiziert. Dieser Wert werde in Baden-Württemberg wohl überschritten, meinte Oliver Kreh, der Konjunkturexperte der Stuttgarter Kammer im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Zahl wollte die IHK dazu nicht nennen. „Die Unternehmen fahren auf Sicht“, meinte Kreh.

Die Lage der meisten Betriebe ist dramatisch

„Die Lage der allermeisten Betriebe ist dramatisch“ sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK, Johannes Schmalzl. Anders als in der letzten Krise werde es auch keinen raschen Aufwärtstrend nach einem starken Einbruch geben. Dies auch, weil die Exporte stark zurückgingen. Für die kommenden zwölf Monate sind die Unternehmen sehr skeptisch. Mit einer weiteren Verschlechterung rechnen 44 Prozent der befragten Firmen. Schon jetzt berichten zwei Drittel aller Unternehmen im Land über gesunkene Umsätze. „Im Herbst wird die Lage kritisch“, sagte die Präsidentin der IHK, Marjoke Breuning. Besonders stark trifft die Krise die Industrie und dort besonders die Fahrzeugbauer. Prognosen, die vorhersagen, dass 2022 wieder das Niveau vor der Krise erreicht wird, müssen für den Südwesten nicht unbedingt zutreffen. „In Baden-Württemberg kann dies etwas länger dauern“, meinte Kreh. „Die Politik wäre gut beraten, genau zu beobachten, wie die Prämie für Elektroautos wirkt“, sagte Schmalzl. Gäbe es für Elektroautos nur eine geringe Nachfrage, sollte eventuell auch der Kauf von Fahrzeugen mit modernen Verbrennungsmotoren gefördert werden.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird schl

Die Krise wird nach der Umfrage der IHK auch auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten zwölf Monaten deutliche Spuren hinterlassen. Danach wollen 40 Prozent der Unternehmen im Land Stellen streichen. Die Bundesagentur für Arbeit hatte bereits für den Juni eine Zunahme der Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg um 2,3 Prozent gegenüber dem Mai bekannt gegeben. Danach waren im Südwesten knapp 246 500 Menschen erwerbslos. Im Juni sei die Zahl der Arbeitslosen aber nicht mehr so stark angestiegen wie in den Vormonaten, teilte die Agentur mit. Da viele Unternehmen gar nicht mehr oder deutlich weniger ausbilden würden, besteht nach Ansicht von Breuning die Gefahr, dass bei jungen Leuten eine „verlorene Generation“ heranwächst.

Nötig sei nun die rasche Umsetzung der Hilfsprogramme, sagte die IHK-Präsidentin. Die Bereitstellung der Gelder müsse beschleunigt werden. Auch die Auszahlung der Ausbildungsprämien an die Betriebe müsse rasch erfolgen.




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