Konjunktur im Südwesten Maschinenbau büßt massiv Aufträge ein

Von Imelda Flaig 

Der Maschinenbau in Baden-Württemberg spürt kräftigen Gegenwind. 17 Prozent der Firmen planen Jobabbau und es gibt weniger offene Stellen.

Die Maschinenbauer agieren vorsichtiger. Im  Bild Dürr-Lackierroboter. Foto: dpa
Die Maschinenbauer agieren vorsichtiger. Im Bild Dürr-Lackierroboter. Foto: dpa

Stuttgart - Die Abkühlung der Konjunktur schlägt auf den baden-württembergischen Maschinenbau durch. Im ersten Halbjahr sind die Auftragseingänge um 15 Prozent zurückgegangen. Die Branche rechnet fürs Gesamtjahr mit einer Stagnation, allenfalls mit einem Miniwachstum. „Internationale Handelskonflikte bremsen die Unternehmen aus“, sagte der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg, Mathias Kammüller, in Stuttgart. Die Kunden hätten derzeit wenig Vertrauen in die Marktlage.

In der aktuellen Konjunkturumfrage des Branchenverbands beurteilen nur noch 44 Prozent die Auftragslage als gut oder sehr gut. Im vergangenen Jahr waren es noch 77 Prozent. Bei der Umfrage haben 236 Maschinenbauer im Südwesten geantwortet, die rund 40 Prozent der Arbeitsplätze in der Branche in Baden-Württemberg repräsentieren. Gut 28 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Auftragslage weiter verschlechtern wird.

Viele profitieren noch vom hohen Auftragsbestand

Auch die Umsatzerwartungen haben sich eingetrübt. Nur noch 53 Prozent rechnen damit, dass ihr Umsatz wachsen wird – im vergangenen Jahr waren das noch 85 Prozent. Ein Drittel der Firmen geht von einem Rückgang aus. Aus diesen Einschätzungen ergibt sich 2019 für die Branche im Südwesten weniger als ein Prozent Umsatzzuwachs auf 86,1 Milliarden Euro. Dabei profitieren viele noch von einem hohen Auftragsbestand, der laut VDMA-Geschäftsführer Dietrich Birk in der Branche bei acht Monaten liegt.

2020 rechnen die Unternehmen mit einem leichten Wachstum von einem Prozent. Die Zeit der schnellen Aufwärtsbewegung sei vorbei, sagte Kammüller. Vor dem Hintergrund der vielen Unsicherheiten wertete er dies als echten Vertrauensbeweis der Betriebe in die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Sorgen bereitet den Unternehmen vor allem der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA. Mehr als 40 Prozent fühlen sich davon betroffen, acht Prozent sogar stark. Mehr als ein Viertel der Firmen erwartet dadurch Exportrückgänge. „Wir benötigen freie Märkte“, machte Kammüller mit Blick auf Handelsbeschränkungen und Zölle klar. Die Exportquote der Branche beträgt immerhin stattliche 80 Prozent.

Wichtige Märkte wie die EU insgesamt, China, die Asean-Staaten und die USA werden laut Umfrage deutlich schwächer eingeschätzt, ebenso Großbritannien wegen des Brexits. Negativ beurteilen die Unternehmen auch die Geschäftserwartungen in Brasilien und Russland. Am meisten Vertrauen hat in diesem Jahr allerdings Deutschland eingebüßt. Nur noch 47 Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftserwartungen im Inland als positiv. 2018 waren es fast 81 Prozent.

All dies schlägt auch auf die Arbeitsplätze durch. Mehr als 17 Prozent der Betriebe planen sogar Personalabbau (Vorjahr 3,9 Prozent), weniger als 30 Prozent (Vorjahr fast 60 Prozent) wollen Personal aufbauen. Der Personalaufbau werde sich verlangsamen, sagte Geschäftsführer Birk. 2018 zählte der Maschinenbau im Südwesten rund 348 800 Beschäftigte, was einem Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Jedes dritte Unternehmen baut Zeitkonten ab

Die Zahl der offenen Stellen für Ingenieure und Facharbeiter ist um die Hälfte zurückgegangen. Jedes dritte Unternehmen will in den kommenden sechs Monaten Zeitkonten abbauen, fast jedes vierte sich von Leasingkräften trennen. 6,5 Prozent der Firmen gaben an, Maßnahmen zur Kurzarbeit zu planen. Auch werden die Betriebe vorsichtiger. Knapp ein Viertel will Investitionen reduzieren. Als Gründe dafür nannte Kammüller die abflauende Konjunktur, aber auch den Strukturwandel in der Autoindustrie, von dem vor allem die Werkzeugmaschinenhersteller betroffen seien.

Er appellierte auch an die Politik, unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Bürokratie sei Investitionskiller Nummer eins. „Sie frisst Zeit und Geld, das wir an anderer Stellen investieren könnten.“ Als Beispiel nannte er die EU-Entsenderichtlinie. Sie koste den deutschen Maschinenbau im Jahr 50 Millionen Euro.