Kostenloser ÖPNV in Stuttgart Palmer attackiert Kuhn im Streit um freie Bahnfahrten am Samstag

Von Martin Haar 

OB Fritz Kuhn hat den Vorschlag von Citymanager Sven Hahn, Busse und Bahnen am Samstag kostenlos zu nutzen, als unrealistisch und nicht finanzierbar abgetan. Jetzt mischt sich Tübingens OB Palmer in die Debatte ein und gibt seinem Amtskollegen eine Breitseite.

Tübingens OB Palmer kritisiert Stuttgarts OB Kuhn Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Tübingens OB Palmer kritisiert Stuttgarts OB Kuhn Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Stuttgart. - In die Debatte um einen kostenlosen ÖPNV an Samstagen zwischen Citymanager Sven Hahn und Oberbürgermeister Fritz Kuhn mischt sich jetzt auch Tübingens OB Boris Palmer ein: „Kollege Fritz Kuhn lehnt das Tübinger Modell ab, am Haupteinkaufstag (Samstag) den Nahverkehr kostenfrei anzubieten, obwohl das mittlerweile in einer Reihe von Städten im Land erfolgreich kopiert wird. Heilbronn und Ulm haben zuletzt enorme Fahrgastgewinne mit dem Modell erreicht. Bis zu 80 Prozent mehr Fahrgäste. In Tübingen sind es mittlerweile jeden Samstag 10 000 mehr Busfahrten, was ein Plus von 35 Prozent bedeutet.“

Palmer ärgert sich offenbar über die Aussage seines Parteigenossen bei den Grünen. Kuhn hatte von ein „paar Busse“ in Tübingen gesprochen und hält den kostenfreien Samstag für einen Nachteil für Abo-Besitzer. „So direkt angesprochen erlaube ich mir dann doch eine direkte Antwort“, schreibt Palmer auf Facebook: „Ich habe gar keine Busse, aber der Stadtverkehr Tübingen hat 80 im Einsatz. Zum Vergleich: Die SSB setzt 270 Busse ein. Ja, es gibt auch Stadtbahnen, aber angesichts einer siebenfach größeren Bevölkerung hat auch der Kollege Kuhn „nur ein paar Busse“. Tübingen sei kein Kaff und habe einen der best ausgebauten Nahverkehre im ganzen Land. In der Unistadt führen die Busse rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche mindestens jede Stunde auch in der Nacht. In Stuttgart hingegen „fährt der Nachtbusse nur an drei von sieben Tagen. Bisserl provinziell, finde ich.“

„Es wird nicht teurer“

Zu dem Dauerkarten-Argument von Kuhn sagt Palmer: „Es ist nicht falsch, aber es befördert den falschen Instinkt: Missgunst. Wer eine Dauerkarte hat, benutzt die Montag bis Freitag, sonst lohnt sie sich nicht. Wenn nun andere am Samstag kostenlos fahren, nimmt man diesen Dauerkartenbesitzern nichts weg.“ Zum Kostenargument meint der Tübinger OB: „Es wird auch nicht teurer. Man könnte auch sagen, es sei gut für die Nutzer des Nahverkehrs, wenn ihn mehr Leute kennen lernen, dann gibt es mehr Unterstützung für den Ausbau.“

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