InterviewKrautfest in Leinfelden-Echterdingen „Sechs Stunden Moderation sind schon anspruchsvoll“

Wulf Wager führt durch sechs Stunden Programm. Foto:  
Wulf Wager führt durch sechs Stunden Programm. Foto:  

Wulf Wager aus Altenriet nennt sich selbst Rampensau. Am 18. Oktober macht er eine ganz neue Erfahrung: Er moderiert das digitale Krautfest in Leinfelden-Echterdingen. Warum das eine Herausforderung ist.

Volontäre : Florian Dürr (fid)
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Leinfelden-Echterdingen - Das Krautfest in Leinfelden-Echterdingen kennt Wulf Wager bestens. Es ist für ihn ein gesetzter Termin. Normalerweise moderiert der Entertainer aber eine zwei- bis dreistündige Show. Beim coronabedingten digitalen Krautfest führt er durch sechs Stunden Programm. Wie bereitet er sich darauf vor?

Herr Wager, auf Ihrer Website beschreiben Sie sich selbst als charmanten Moderatoren und begeisternde Rampensau. Was zeichnet einen solchen Moderatoren aus?

Mein Lebensmotto ist, Freude zu haben und Freude zu bereiten. Das ist meine Aufgabe auf der Bühne – egal in welcher Form. Ob als Comedian, als ernsthafter Moderator oder Unterhalter. Zum anderen aber auch Wissen zu vermitteln.

Wie passt das zum Filderkrautfest in Leinfelden-Echterdingen?

Zum Krautfest passt es auf jeden Fall, weil ich schon viele Jahrzehnte mit Echterdingen verbunden bin. Ich habe in meiner Jugend die Landjugend in Echterdingen im Volkstanz trainiert, dort auch meine Frau kennengelernt. Ich singe heute noch in der Echterdinger Kantorei. Und seit vielen, vielen Jahren moderiere ich dieses Kraut-Abschmecken.

An welche Krautfest-Momente denken Sie besonders gerne zurück?

Das ist jedes Jahr eine neue Herausforderung, weil ich nie vorher weiß, wer dabei ist, wer tatsächlich auf die Bühne kommt. Ist es der OB, sein Stellvertreter, seine Stellvertreterin? Wer kommt da noch aus den Partnergemeinden? Aber wir sind da schon ein eingespieltes Team. Das funktioniert ganz wunderbar, ganz prima. Und dann machen wir das Ganze relativ stark improvisiert.

Das heißt, groß vorbereiten müssen Sie sich nicht?

Man muss schon ein bisschen was übers Kraut wissen, keine Frage. Es ist aber jedes Jahr ein Wechselspiel: Mal schneit es, mal scheint die Sonne.

Das Wetter spielt diesmal keine Rolle.

Genau, wir sind drin in der Filderhalle.

Und Sie moderieren vor der Kamera.

Das wird schon inszeniert, also da sind mehrere Kameras, das wird auch geschnitten. Das ganze Ding dauert ja sechs Stunden. Die Stadt hat da wirklich ein ganz nettes Programm zusammengestellt. Ich bin gespannt, wie das funktioniert. Nur vor der Kamera zu sein, ist natürlich komisch für einen, der Response aus dem Publikum braucht. Aber das kenne ich ja auch vom Fernsehen, wenn ich zum Beispiel vom Cannstatter Volksfestumzug berichte.

Haben Sie Erfahrung mit digitalen Veranstaltungen?

Nein, das ist für mich auch relativ neu. Vor allem die Länge, sechs Stunden. Das ist schon anspruchsvoll. Kann man machen, wenn alles andere drumherum stimmt. Und ich glaube, dass die Stadt das ganz gut vorbereitet hat.

Warum ist die Länge so anspruchsvoll?

Normalerweise sind es bei Veranstaltungen zwei, maximal drei Stunden Programm und Moderation. Bei sechs Stunden kann auch viel schiefgehen. Da lastet auf dem Moderator eine entsprechende Verantwortung. Wenn was passiert, muss man mit irgendwas überbrücken, muss vorbereitet sein, damit keine Langeweile auftritt.

Was könnte schief­gehen?

Es könnte einen Internetabsturz geben. Es kann sein, dass der Zuspiel-Film nicht funktioniert, dass Gesprächspartner nicht rechtzeitig da sind. Damit muss man rechnen, aber das ist relativ normal bei so einer Live-Geschichte.

Welche Lösungen haben Sie für solche Situationen in der Hinterhand?

Lassen Sie sich überraschen.

Unterscheidet sich die Vorbereitung auf das digitale Krautfest von der auf die klassische Veranstaltung?

Da muss man sich schon deutlich intensiver vorbereiten. Bei einer klassischen Veranstaltung haben Sie maximal zwei, drei Stunden Programm und Moderation. Da können Sie jederzeit was überbrücken oder durch Gespräche irgendwas machen. Hier muss man sich schon sorgfältiger vorbereiten auf die Gesprächspartner, die Acts, die Zuspiel-Filme und Musikbeiträge.

Jährlich kommen bis zu 50 000 Besucher aufs Krautfest. Wie sehr wird einer Rampensau wie Ihnen das Publikum vor der Bühne fehlen?

Das wird man sehen. Ich bin es ja gewöhnt durch meine Fernsehauftritte im SWR. Klar, mir ist es immer lieber, wenn ich die Leute sehe, die agieren und reagieren können. Aber ich bin dieses Jahr auch schon vor Autos aufgetreten. Das war auch eine interessante Erfahrung.

Wie sich in Ihrem Lebenslauf erkennen lässt, sind Sie ein Fan von Tradition, Bräuchen und schwäbischem Dialekt?

Genau. Weil ich der Meinung bin, dass die ein wesentliches Stück unserer Identität sind – in einer immer mehr globalisierten Welt, wo es immer gleichere Dinge gibt. Gehen Sie mal in die Großstädte Europas, da finden Sie in jeder Großstadt die gleichen Läden. Da fehlt einfach das Stückle Identität und Authentizität. Mir ist wichtig, das so etwas nicht verloren geht.

Und deshalb ist das Krautfest auch jedes Jahr ein Pflichttermin?

Klar, logisch. Auch deshalb, weil ich dort viele Bekannte treffe, die ich seit vielen Jahrzehnten kenne. Das ist schön, wenn man sich da wenigstens einmal im Jahr sieht, miteinander schwätza kann. Das ist auch so a Stückle Heimat.

Wulf Wager ist 57 Jahre alt, in Plieningen geboren, in Degerloch aufgewachsen und lebt heute in Altenriet im Landkreis Esslingen. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer seiner Werbeagentur und seines Verlags-und Eventbüros. Nebenher ist er immer wieder für den SWR im Einsatz, zum Beispiel bei den Heimattagen Baden-Württemberg. Oder er moderiert Veranstaltungen wie das Filderkrautfest.




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