Krawallnacht in Stuttgart Ein Gesuchter stellt sich der Polizei

Die Polizei wertet mehr als 1300 Spuren aus. Foto: 7aktuell//Simon Adomat 12 Bilder
Die Polizei wertet mehr als 1300 Spuren aus. Foto: 7aktuell//Simon Adomat

Die Polizei veröffentlicht am Montag die Fotos von 17 Tatverdächtigen, die an der Krawallnacht im Juni 2020 beteiligt gewesen sein sollen. Schon wenige Stunden später kann sie einen Erfolg melden.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Etliche Anrufe sind bei der Polizei am Montag eingegangen, kaum dass um 8 Uhr die Fahndungsfotos von 17 Tatverdächtigen aus der Krawallnacht veröffentlicht waren. Am frühen Nachmittag kam dann einer, der eine erste Erfolgsmeldung versprach: „Ein Mann hat sich gemeldet und gesagt, er habe sich erkannt und sei einer der Gesuchten“, teilt die Polizei mit. Wenig später stand fest: Der Mann sagte die Wahrheit. „Wir müssen in solchen Fällen natürlich sorgfältig prüfen, es kann sich ja auch um einen schlechten Scherz handeln, das hat es alles schon gegeben“, sagt die Polizeisprecherin Monika Ackermann.

Die 17 jungen Männer sind auf den Fahndungsfotos der Polizei gut zu erkennen. Ein tätowierter Mann mit kurzen Haaren und einer auffälligen Hose in Tarnmuster wirkt sogar, als grinse er in der S-Bahn direkt in die Überwachungskamera. „Schon die auffällige Kleidung könnte helfen, Hinweise zu erhalten“, sagt Ackermann. Die Kriminalpolizei hofft nun auf weitere zielführende Zeugenhinweise – und natürlich auch, dass sich noch weitere Gesuchte stellen.

130 Tatverdächtige sind bereits ermittelt

Ein Tatvorwurf geht an alle 17 jungen Männer, deren Bilder vorliegen: der des schweren Landfriedensbruchs. Sie sollen dabeigewesen sein, als in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 2020 bis zu 500 Männer plündernd und randalierend durch die Stuttgarter Innenstadt zogen.

Die Ermittlungsgruppe Eckensee hat lange und akribisch gearbeitet. 130 Tatverdächtige konnten bereits identifiziert werden. Nun will die Kriminalpolizei einen Schritt weiterkommen bei der Fahndung nach den Beteiligten der Ausschreitungen. Deswegen veröffentlicht sie die Fotos von 17 jungen Männern, die sie auf Aufnahmen aus jener Nacht entdeckt haben. Die Polizei konnte sie nicht identifizieren. Daher setze man nun auf die Fahndungsfotos.

Tausende Dateien wurden gesichtet

Die Gesuchten sollen in der Krawallnacht unterschiedliche Taten begangen haben: „Von Körperverletzung über Plünderungen in Geschäften bis zu Sachbeschädigung an Einsatzfahrzeugen ist alles dabei“, sagt die Polizeisprecherin Monika Ackermann. Der geringste Vorwurf sei der der Beleidigung. Außerdem hätten die Männer Schaufenster eingeschlagen, Läden geplündert, Möbel von Außenbereichen verschiedener Lokale demoliert und geworfen, Polizeiautos demoliert und mit Flaschen und Steinen auf Polizistinnen und Polizisten geworfen.

In jener Nacht hatten sich nach der Kontrolle eines Drogenhändlers am Eckensee etliche junge Leute, die dort Party machten, gegen die Polizei gestellt. Die Menge zog von dort zum Schlossplatz, wo sich noch mehr Personen anschlossen. Die Polizei brauchte Stunden, um der Lage Herr zu werden und die Randale zu stoppen. Bislang sind 130 Tatverdächtige ermittelt. Die Polizei hat Massen an Videomaterial gesichtet, um die Verdächtigen ausfindig zu machen. Wie aufwendig das ist, erläutert die Polizeisprecherin: „Es reicht ja nicht, jemanden einmal gesehen zu haben. Man muss dann auch etliche weitere Aufnahmen absuchen, um herauszufinden, was derjenige gemacht hat. Oder um eine Aufnahme zu finden, auf der er besser zu erkennen ist.“ Rund 1300 Spuren habe die Ermittlungsgruppe Eckensee verfolgt und 7000 Dateien ausgewertet.

Der Karate-Treter fehlt

„Von einem haben wir immer noch keine brauchbaren Aufnahmen: Der Treter fehlt“, sagt Ackermann. Gemeint ist ein Mann, der mit einer Art Karatesprung mitten auf dem Schlossplatz auf einen Polizeibeamten losging, ihn umtrat und das Weite suchte. Verletzt wurde der Polizist, der in einer Schutzausrüstung steckte nicht. Die Suche geht dennoch weiter.

Rüdiger Winter, der Chef der Kriminalpolizei, ist zuversichtlich, dass es zu weiteren Festnahmen kommen kann. „Keiner kann sich sicher fühlen“, sagt er. Bisher seien an den Amtsgerichten 38 Verfahren abgeschlossen worden – die mit Strafbefehlen abgeschlossenen nicht mitgezählt. Dabei seien Haftstrafen von zusammengerechnet 50 Jahren ohne Bewährung und 19 Jahren zur Bewährung verhängt worden. „Das spricht eine deutliche Sprache“, sagt Rüdiger Winter.

Anmerkung der Redaktion: Wir aktualisieren die Bildergalerie ständig. Sobald einer der 17 abgebildeten Verdächtigen gefunden ist, löschen wir das Foto aus datenschutzrechtlichen Gründen.




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