Krebserkrankte kämpfen nicht nur gegen die Krankheit mit ihren Symptomen, sondern auch mit den Nebenwirkungen der Therapie. Evidenzbasierte Hilfe aus der Naturheilkunde und Integrativen Medizin unterstützt.

Thomas Becker (Name geändert) hat immer gerne gegessen. Doch seine Krebserkrankung hat ihm diese Leidenschaft genommen. „Nach der Chemotherapie hatte ich immer mit Übelkeit zu kämpfen und auch mein Appetit hat stark abgenommen“, sagt der 57-Jährige. Aufgrund einer Leukämie (Blutkrebs) ist er Patient im Onkologischen Zentrum am Robert Bosch Krankenhaus (RBK). Die Chemotherapie schlägt gut an und seine Ärzte sind zufrieden mit dem Fortschritt. Becker selbst kämpft aber mit den Nebenwirkungen.

 

Damit die notwendige Krebstherapie besser vertragen wird, erhalten Betroffene in der Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin Empfehlungen und Behandlungen wie Aromatherapie oder Akupressur gegen Übelkeit oder Akupunktur gegen Anspannung und Schmerzen.

Onkologie: Naturheilkunde ergänzt erfolgreich konventionelle Medizin

„Vielfach können wir den Patientinnen und Patienten helfen und die konventionelle Therapie bei der Krebsbehandlung unterstützen“, sagt Dr. Marcela Winkler, Ärztliche Leiterin der Abteilung für Naturheilkunde und Integrative Medizin am RBK. Die Integrative Medizin ist eine sinnvolle Erweiterung und Ergänzung der konventionellen Therapien wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung mit naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten. Sie stabilisiert den Gesundheitszustand und verbessert die Lebensqualität. „Wir unterstützen Krebspatienten dabei, ihre Beschwerden besser zu bewältigen und fördern die Linderung von Nebenwirkungen. Unser Ziel ist es, Patienten zu befähigen, aktiv am Behandlungsverlauf teilzunehmen und sie bei der Entwicklung eines gesundheitsfördernden Lebensstils zu unterstützen“, sagt Winkler.

Die Therapieansätze der Integrativen Medizin sind in der Onkologie aufeinander abgestimmt und in das integrative Konzept eingebettet. Zudem sind die Anwendungen leitliniengerecht. Leitlinien werden von den Expertengremien erstellt und stellen sicher, dass alle Patienten nach dem gleichen Standard behandelt werden. „Unser Ziel ist es, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und sicherzustellen, dass die Behandlung auf dem neuesten Stand der Forschung ist und konsistent angewendet wird“, sagt Winkler. Wichtig für das Team der Integrativen Medizin ist es, für jeden Patienten und jede Patientin die individuell passende therapeutische Maßnahme zu finden. Gute Erfahrungen machen die Patienten mit Aromatherapiesticks, Akupressur sowie Wickeln und Auflagen.

Tipps gegen Appetitlosigkeit und Übelkeit

Den Aromatherapiestick hat auch Thomas Becker immer in seiner Hosentasche. Schnell und unkompliziert hält er sich bei beginnender Übelkeit den Lippenstift ähnlichen Stick unter die Nase, atmet tief den Duft von Zitrone ein und die Übelkeit lässt oft schnell wieder nach, so dass er manchmal sogar auf zusätzliche Bedarfsmedikamente verzichten kann.

Um den Appetit anzuregen, trinkt er Tee mit Bitterstoffen wie Wermut und kombiniert auch hier einen Aromatherapiestick. „Mit zum Beispiel Kardamom, bekannt für seine stimulierenden Eigenschaften, kann die Verdauung verbessert und die Produktion von Verdauungsenzymen anreget werden. Dies wirkt sich positiv auf den Appetit aus“, sagt Winkler – Thomas Becker stimmt ihr zu: Er isst nun wieder mehr. Besonders Krebspatienten müssen darauf achten, dass sie nicht zu viel an Gewicht verlieren, den Körper dadurch schwächen und ihn so zusätzlich belasten.

Mundschleimhaut entzündet: Phytotherapie für Krebspatienten

Krebspatienten leiden häufig unter Entzündungen im Mund. Im Rahmen der Phytotherapie – also der Therapie mit pflanzlichen Arzneimitteln – nutzt man bei Entzündungen der Mundschleimhäute Mundspülungen aus Salbei, Kamille oder Ringelblume. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Auch Sanddornfruchtfleischöl hilft. Für eine Mundspülung wird ein halber Teelöffel Öl mit 30 Millilitern Wasser vermischt. „Der Patient spült damit 30 bis 60 Sekunden vier- bis fünfmal am Tag den Mund. Bei offenen Stellen kann man das Öl auch pur auftragen“, sagt Dr. Winkler.

Schlafprobleme: Integrative Medizin des RBK hilft

Überzeugt vom Erfolg der Anwendungen war es für Thomas Becker auch klar, dass er sich mit seinen Schlafproblemen an das Team der Integrativen Medizin wendet. „Die Bienenwachsauflagen mit Lavendel haben meine Schlafprobleme deutlich gemildert“, sagt er. Ergänzend nutzt er den Aromatherapiestick mit Lavendelöl. Dank des besseren Schlafs hat Thomas Becker nun auch wieder mehr Appetit.

Info: Weitere Informationen zur Erweiterung und Ergänzung konventioneller Therapien erhalten Krebspatienten auf der Webseite des Robert Bosch Krankenhauses.