Eine enge Gasse und zwei große Häuser mit 16 Wohnungen – das passt nicht zusammen, finden einige Ingersheimer. Der Einfluss der Gemeinde ist aber gering.

Ingersheim - Die Grundstücksgröße ist nicht das Problem, findet Brigitte Weber (Name geändert). „Die Gebäude passen da durchaus drauf.“ Was der Ingersheimerin bei dem Bauprojekt in der Krebsgasse sauer aufstößt, ist die Enge, die schon jetzt für gefährliche Begegnungen von Fußgängern und motorisiertem Verkehr sorgt. Der Stein des Anstoßes: Die Besigheimer Firma Layher möchte unweit der Wendeplatte zwei Mehrfamilienhäuser samt Tiefgarage erstellen.

„Die Krebsgasse ist so schmal, dass man dauernd zurücksetzen muss. Müllabfuhr, Post – alle haben Schwierigkeiten“, erklärt Weber. Und da das Gässchen keinen Gehweg hat und als Weg zu Kindergarten und Schule genutzt wird, sei das mehr als bedenklich. Hinzu komme, dass die Krebsgasse der einzige barrierefreie Weg zum Ort hinunter sei. Noch mehr Verkehr kann sie sich an dieser Stelle nicht vorstellen. Und den würde es geben – beim Abriss der beiden dort stehenden Bauernhäuser samt Scheunen, beim Neubau, aber auch durch die Nutzung der insgesamt 16 Wohnungen.

Einige Gemeinderäte teilen die Bedenken

In der jüngsten Sitzung des örtlichen Verwaltungsausschusses wurde deutlich, dass sie nicht die einzige ist, die Bedenken wegen des Bauvorhabens hat. Zum einen zeigten mit zehn Besuchern ungewöhnlich viele Ingersheimer Interesse an der Sitzung, zum anderen machten einige Ausschussmitglieder deutlich, dass sie ebenfalls Bauchweh in der Sache haben.

Ob sie die Umsetzung der Pläne verhindern können, ist allerdings fraglich. Denn, das stellte die Bürgermeisterin Simone Lehnert bei allem Verständnis klar: Es wurde in der Vergangenheit versäumt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Das heißt: Das Bauvorhaben muss sich nur in die Umgebung einfügen, und seine Erschließung muss gesichert sein. Die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde seien daher gering, zudem auch das Stadtplanungsamt in Bietigheim mit gewissen Auflagen, die unter anderem die Zufahrt zur Tiefgarage und den Außenstellplätzen betreffen, keine Bedenken habe.

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Alte Häuser stehen seit langem leer

Zeit zum Handeln hätte man seitens der Kommune offenbar durchaus gehabt. Denn die beiden Bauernhäuser stehen seit mehreren Jahren leer. Einige Ausschussmitglieder betonten auch, „dass das irgendwann neu bebaut“ würde, sei klar gewesen. „Aber wenn man uns hätte mitschwätzen lassen, wäre was anderes herausgekommen“, brachte es Hanne Hallmann (FWG) auf den Punkt.

Tatsächlich sei verhandelt worden, betonte die Bürgermeisterin. Und das beauftragte Architekturbüro und der Bauherr hätten auch in einigen Punkten Entgegenkommen gezeigt. Gegen die Architektur gab es keine Einwände, doch wurde kritisiert, dass eines der Häuser direkt an der Straße stehe. In Frage gestellt wurde auch, ob die Breite der Tiefgaragenzufahrt gegenüber der Hühnergasse ausreiche, wo es schon zu angefahrenen Regenfallrohren gekommen sei. Und schließlich galt die Sorge der Ausschussmitglieder der Frage, wie viel der gemeindeeigenen Infrastruktur den Bauarbeiten zum Opfer falle. Vorgeschlagen wurde auch eine Einbahnstraßenregelung.

Wird die Baulinie überschritten?

Karin Zimmer (WIR) wies darauf hin, dass die Gemeinde aus ihrer Sicht durchaus Einspruchsmöglichkeiten habe: „Es gibt eine gültige Baulinienvorgabe, und die wird überbaut.“ Zudem sei ein Dreieck neben dem Grundstück offenbar in kommunaler Hand. Simone Lehnert entgegnete, sie könne sich nicht vorstellen, dass diese Punkte übersehen worden seien. Man werde das aber nochmals prüfen. Ein Beschluss über das Baugesuch wurde bis zur Februarsitzung des Gemeinderats vertagt. Grundsätzlich, so die Rathauschefin, müsse man sich über die Vorgehensweise bei der Innenentwicklung Gedanken machen. „Ständige neue Diskussionen über das Thema bringen nur Frust.“