Kreis Böblingen Kreis will Feuerwehr-Übungszentrum

Von Florian Mader 

Der große Wunsch der Brandbekämpfer im Landkreis könnte in Erfüllung gehen: Sie wollen eine zentrale Ausbildungs- und Übungsstätte – es wäre die erste ihrer Art im Land.

Wenn’s beim Engelbergtunnel brennt – so wie hier im Juli 2017 – arbeiten verschiedene Feuerwehren zusammen. Foto: SDMG/Dettenmeyer
Wenn’s beim Engelbergtunnel brennt – so wie hier im Juli 2017 – arbeiten verschiedene Feuerwehren zusammen. Foto: SDMG/Dettenmeyer

Kreis Böblingen - Als im September die Vergärungs­anlage brennt, sind nicht nur Leonberger Feuerwehrleute mit dem Löschen beschäftigt. 220 Einsatzkräfte werden im Laufe des Tages zum Einsatz gerufen, darunter Feuerwehrleute aus Weil der Stadt, Renningen, Böblingen, Sindelfingen, Gärtringen, Herrenberg.

Weil sie beim Einsatz kooperieren müssen, sollten sie auch zusammen üben. Das ist die Idee eines Feuerwehrzentrums, in dem man Aus- und Fortbildung bündeln kann. Die Idee dafür ist nicht erst beim Vergärungsanlagen-Brand entstanden, sondern schon älter. Im Mai hatten sie die Feuerwehrleute im Kreis gefordert – und sie könnte Chanchen auf Realisierung bekommen. Landrat Roland Bernhard und die Kreisräte unterstützen die Initiative. Das hat der Kreistag Ende Dezember beschlossen.

Ein Vorbild fürs ganze Land

Die Anlage könnte ein Vorbild für das ganze Land sein. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald errichtet ebenfalls ein solches Übungszentrum, in Tuttlingen steht schon eines – beide allerdings in deutlich kleinerem Umfang. Dort waren Feuerwehrleute aus dem Kreis Böblingen, um sich inspirieren zu lassen.

Bauen und betreiben müsste sie das Landratsamt. Und der Landrat hat bereits seine Fühler ausgestreckt. „Voraussetzung ist ein möglichst zentraler Standort im Landkreis“, schreibt Roland Bernhard in seiner Sitzungsvorlage. Fündig wurde er in Ehningen. Die dortige Gemeindeverwaltung plant ohnehin den Neubau des ­Rettungszentrums für Feuerwehr, Rotes Kreuz und Johanniter, dort könnte also das Kreis-Übungszentrum angegliedert werden. Ehningen hätte den Vorteil, dass es in der Mitte des Landkreises liegt, zentral an den Hauptverkehrsachsen A 81 und B 464.

„Jeder macht bislang sein eigenes Ding“

Seit 2017 gibt es die Idee eines solchen Rettungszentrums. Erhard Mohr, der Renninger Kommandant, ist bei der Ausarbeitung von Anfang an dabei. „Jeder macht bislang sein eigenes Ding“, sagt er. „Es ist wichtig, dass wir zentral die Möglichkeit bekommen, zu üben.“ Die Herausforderungen würden immer komplexer. Mohr nennt zum Beispiel Autounfälle, die Technik der Fahrzeuge ändert sich ständig. „Das müssen wir einheitlich üben“, sagt er. Denn bei den größeren Einsätzen ­müssen die Kameraden der verschiedenen Kommunen ebenfalls zusammenarbeiten.

„Es geht auch darum, wohnortnah Übungsmöglichkeiten zu bieten“, sagt ­Erhard Mohr. Fast alle Feuerwehrleute arbeiten ehrenamtlich, da müsse man es auf ein Minimum beschränken, dass sie für Fortbildungen Urlaub nehmen müssen. Das wirkt sich auch auf die Einsatz­bereitschaft aus. Weil Feuerwehrleute tagsüber oft nicht mehr am Wohnort arbeiten, sind die Wehren einzelner ­Gemeinden bei einem Einsatz auf die Mit­hilfe der Nachbarkommunen angewiesen – auch deshalb sei es nötig, dass der ganze Landkreis zusammen übt. Kosten sind noch keine genannt. Die Kreisverwaltung rechnet mit zweistelligen Millionenbeträgen. Das Landratsamt will jetzt ein Konzept und genaue Pläne erstellen.

Ein Zuschuss des Landes ist jedenfalls sicher. „Wenn Sie die Übungsanlage ­bauen, kann ich Ihnen sagen, dass Sie ­dafür Geld vom Land bekommen“, hatte Hermann Schröder, der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, im Mai versprochen.

Professionelle Übungsstätte

Auch Wolfgang Zimmermann, der Kommandant der Leonberger Feuerwehr, unterstützt die Idee. „Endlich könnten wir auch zentral ausbilden“, sagt er. Die ­Ausbildung neuer Feuerwehrmänner sei derzeit über sechs Standorte im Landkreis verteilt. „Und damit wären die Ausbildungsinhalte die gleichen.“ Auch Zimmermann spricht von steigenden Anforderungen, auf die man reagieren müsse. Als ­Beispiel nennt er einen Unfall auf einer Baustelle mit einer einsturzgefährdeten Wand. „Das können wir nur sehr schwer nachstellen“, sagt der Kommandant. In einem Übungszentrum könne es da professioneller zugehen.

Das neue Kreis-Feuerwehrzentrum wäre keine Konkurrenz zur Landesfeuerwehrschule in Bruchsal, denn die ist nur für die Ausbildung des Führungspersonals zuständig. Auch in dem neuen Zentrum soll die Aus- und Fortbildung dann von Ehrenamtlern getragen sein. 145 ehrenamtliche Ausbilder gibt es derzeit im Landkreis Böblingen.