Kreis Esslingen Blutspendetermine wegen Q-Fieber abgesagt

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Das Rote Kreuz hat für 15 Kommunen im Landkreis Esslingen ein Blutspendeverbot verhängt. Der Grund für die zumindest noch bis zum 31. Mai dauernde Sperre ist die im Landratsamt registrierte Häufung von Erkrankungen an Q-Fieber. Das Krankheit wird in erster Linie durch Schafe übertragen.

In den meisten Fällen werden die Erkrankungen am   Q-Fieber durch infizierte Schafe verursacht. Foto: Christian  Hass
In den meisten Fällen werden die Erkrankungen am Q-Fieber durch infizierte Schafe verursacht. Foto: Christian Hass

Kreis Esslingen - Dem Esslinger Landratsamt sind in den ersten vier Monaten des Jahres rund 80 Fälle von an Q-Fieber erkrankten Menschen gemeldet worden. In fünf Schafherden ist der Erreger, das Bakterium Coxiella burnetii, mittlerweile nachgewiesen worden. Die Häufung der Zahl ruft den Blutspendedienst des Roten Kreuzes (DRK) auf den Plan. Er meldet, dass aufgrund der bekannt gewordenen Infektionsfälle in weiten Teilen des Landkreises Esslingen weiterhin kein Blut gespendet werden darf.

Betroffen seien davon die Einwohner der Kommunen Wernau, Köngen, Wendlingen, Denkendorf, Deizisau, Altbach, Plochingen, Reichenbach, Hochdorf, Schlierbach (Kreis Göppingen), Notzingen, Kirchheim, Dettingen, Unterensingen und Oberboihingen. Sie dürfen ihren wertvollen Lebenssaft nicht zur Verfügung stellen. Laut Thomas Grüninger, dem Regionalleiter des DRK Württemberg, sind seit Anfang März alle Blutspendetermine in dem betroffenen Gebiet mit mehr als 200 000 Einwohner abgesagt worden. Doch nicht nur, wer in diesen Städten und Gemeinden wohnt, scheide als potenzieller Blutspender aus. Auch Personen, die dort arbeiten oder sich längere Zeit dort aufhalten, seien von dem vorübergehenden Spendeverbot betroffen.

Blutspendedienst minimiert auch theoretische Risiken

Dieses sei zunächst bis zum 31. Mai angeordnet. Der Erreger habe sich seit Anfang des Jahres in dem Gebiet „hartnäckig gehalten“, sagt Grüninger. „Woche für Woche“ kontaktierten die Ärzte des DRK die Kollegen im Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen und glichen die neuesten Ergebnisse miteinander ab.

Dr. Sixten Körper, der DRK-Abteilungsleiter Blutspende am Institut Ulm, bestätigt „einen guten Kontakt zu den Behörden“. Wenn diese den Anstieg von Q-Fieber-Erkrankungen als Ausbruch definierten, „ordnen wir nach der Vorgabe des Arbeitskreises Blut eine Rückstellung der Blutspendetermine in dem betroffenen Gebiet an“. Zwar sei das Risiko, dieses Bakterium durch Blutprodukte zu übertragen, „sehr gering“. Aber bei der Herstellung von Blutkonserven und Arzneimitteln „müssen wir auch theoretische Risiken minimieren und ein Spendeverbot streng handhaben“, erklärt der Mediziner.

Dem Landratsamt waren bereits im Januar mehrere Erkrankungsfälle in dem entsprechenden Gebiet gemeldet worden. Inzwischen sind laut Dr. Walter Kontner, dem Leiter des Gesundheitsamts, der Behörde rund 80 Erkrankungen bekannt. Wobei er von einer „hohen Dunkelziffer“ ausgehe. Denn die Symptome der Krankheit, die hauptsächlich von infizierten Schafen übertragen werde, äußerten sich wie jene bei einer schweren Grippe. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen leide der Patient bei Ausbruch der Krankheit unter Fieber, Muskelschmerzen und heftigen einseitigen Kopfschmerzen. Die am Q-Fieber erkrankten Patienten könnten mit Antibiotika behandelt werden.

Lämmer müssen im Stall geboren werden

Den Verantwortlichen im Gesundheitsamt des Landkreises Esslingen fällt es Walter Kontner zufolge schwer, zu beurteilen, ob die „peu à peu“ gestiegene Zahl von Q-Fieber-Fällen tatsächlich von neuerlichen Ausbrüchen der Krankheit herrührten. Denn es sei auch möglich, dass es sich um „Hintergrundrauschen“ handle, weil die Ärzte sensibilisiert seien und auch jene Patienten vermehrt auf das Bakterium testeten, denen sie vor Bekanntwerden des Problems eine Grippe attestiert hätten.

Die Schäfer, in deren Herden das Q-Fieber festgestellt wurde, sind laut Kontner zur Einhaltung strenger Hygienevorschriften angehalten. Beispielsweise dürften die Lämmer ihrer Schafe nicht mehr – wie üblich – auf der Weide geboren werden, sondern in einem Stall. Denn im Fruchtwasser sowie in den Fehl- oder Nachgeburten befallener Muttertiere finde sich die mit Abstand höchste Erregerkonzentration.