Kriminalität im Rems-Murr-Kreis Weniger Einbrüche, mehr Sexualstraftaten

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Das Leben im Rems-Murr-Kreis ist wesentlich sicherer als in der Großstadt. Dennoch gibt es in manchen Bereichen mehr Straftaten – so sind zum Beispiel sogenannte Rohheitsdelikte häufiger geworden.

Einbrüche in Wohnungen sind im vergangenen Jahr seltener geworden. Foto: dpa 7 Bilder
Einbrüche in Wohnungen sind im vergangenen Jahr seltener geworden. Foto: dpa

Rems-Murr-Kreis - Die gute Nachricht zuerst: Der Rems-Murr-Kreis ist sicherer geworden. Die Polizei hat am Dienstag ihre Statistik für das Jahr 2017 vorgestellt. Demnach haben sich im vergangenen Jahr im Landkreis 18 492 Straftaten ereignet. Das sind gut sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Maßgeblich dafür verantwortlich ist ein starker Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen: Der Höhepunkt aus dem Jahr 2014 scheint endgültig überwunden. Im Präsidiumsbereich hatte es damals 1058 solcher Fälle gegeben – im vergangenen Jahr waren es nur noch 614. Für den Kripo-Chef Reiner Möller Möller beweist dies, dass das Konzept der Polizei aufgegangen ist: „Neben akribischer Ermittlungsarbeit wurde eine öffentlichkeitswirksame Präventionsarbeit durchgeführt“, sagt er.

Fünf-Jahres-Hoch bei den sogenannten Rohheitsdelikten

Generell ist das Leben in den drei ländlich geprägten Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch-Hall, für die das Polizeipräsidium (PP) Aalen zuständig ist, sicherer als in Großstädten: In der Landeshauptstadt Stuttgart ereigneten sich mehr als doppelt so viele Verbrechen pro 100 000 Einwohner wie im Bereich des PP Aalen.

Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in bestimmten Bereichen Anstiege gegeben hat – teilweise sogar erhebliche. So ist die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte – also zum Beispiel Körperverletzungen, Bedrohung und Stalking – weiter leicht angestiegen und auf einem Fünfjahreshoch angekommen. Von den 6348 Delikten aus dieser Kategorie ereignete sich mehr als die Hälfte im Rems-Murr-Kreis.

Auffällig: Der Anteil von ausländischen Tatverdächtigen ist bei solchen – und anderen – Taten mit mehr als einem Drittel überproportional hoch. Er ist insgesamt jedoch gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen.

Schorndorf bei Aggressionsdelikten in der Öffentlichkeit vorne

Bei Aggressionsdelikten im öffentlichen Raum ist der Rems-Murr-Kreis ein Ausreißer: Während diese im Ostalbkreis und in Schwäbisch-Hall seltener wurden, gab es hier eine Zunahme von fast 6 Prozent. „Solche Taten sind nicht zuletzt wegen ihrer Wirkung auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung von besonderer Bedeutung“, so Möller. Die Polizei habe deswegen ihre sichtbare Präsenz bei Großveranstaltungen wie Faschingsumzügen und Stadtfesten erhöht. Schorndorf führt die Statistik bei solchen Taten an – allein während der Schorndorfer Woche im Juli hatten sich laut der Polizei 71 Straftaten ereignet.

In diesem Zusammenhang kam Möller auch auf die 287 Fälle von Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte zu sprechen: „Die zunehmenden Fallzahlen zeigen einen sehr bedenklichen gesellschaftlichen Trend“, sagt Möller. Oft spiele Alkohol bei solchen Fällen eine Rolle: Fast zwei Drittel der Personen, die gegenüber Polizisten Widerstand leisteten, seien betrunken.

Anstieg von Sexualstraftaten – schärfere Gesetze sind einer der Gründe

Wesentlich häufiger geworden sind Sexualdelikte: Im vergangenen Jahr gab es im Präsidiumsbereich des PP Aalen 522 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – das ist ein Plus von fast 40 Prozent. Als Grund für diesen massiven Anstieg führt der Kripo-Chef Reiner Möller Gesetzesverschärfungen an: „So wurde zum Beispiel die sexuelle Belästigung im vergangenen Jahr erstmals erfasst.“ Doch auch ohne die Belästigungen betrage der Anstieg 14 Prozent.

Ein neu aufgetauchtes Phänomen ist auch die Betrugsmasche von falschen Polizeibeamten: „Das ärgert mich dramatisch“, sagt Möller. Der Schaden, der auf diese Weise angerichtet wurde, sei im Präsidiumsbereich binnen eines Jahres von 10 000 auf 592 000 Euro gestiegen. Landesweit gerechnet, hätten falsche Polizisten mehr als fünf Millionen Euro erbeutet. „Angehörige von Senioren müssen mit diesen darüber sprechen“, rät Möller.




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