Kriminalität in der Stuttgarter City Wann die Gewalt am häufigsten ausbricht

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Gewaltdelikte kommen in zwei Stadtbezirken Stuttgarts häufiger vor als anderswo. Allerdings konzentrieren sie sich auf relativ enge Zeitfenster. Unsere Auswertung der Statistik zeigt auch, wie häufig Gewalt gegen Polizei vorkommt.

Unter der Woche sowie an Wochenenden tagsüber ist es in der Stuttgarter City in aller Regel ruhig. Die meisten Straftaten konzentrieren sich auf die Wochenend-Nächte. Foto: dpa/Marijan Murat 17 Bilder
Unter der Woche sowie an Wochenenden tagsüber ist es in der Stuttgarter City in aller Regel ruhig. Die meisten Straftaten konzentrieren sich auf die Wochenend-Nächte. Foto: dpa/Marijan Murat

Stuttgart - So beispiellos die Randale in der Stuttgarter Innenstadt in der Nacht auf Sonntag waren – sie passen doch recht gut ins statistische Bild. Sowohl der Ort der gewalttätigen Ausschreitungen (der Stadtbezirk Stuttgart-Mitte) als auch der Zeitpunkt (in den Nachtstunden am Wochenende).

Laut der im Frühjahr veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik für 2019 ist die Innenstadt und hier besonders Stuttgart-Mitte relativ am stärksten von Straftaten betroffen. Dazu zählen auch Gewalttaten wie Raub und Körperverletzung. Sofern ein solches Delikt polizeibekannt wird und in die Kriminalstatistik einfließt, wird unter anderem die Tatzeit erfasst. Das ist bei den allermeisten Delikten möglich, und entsprechend können die Daten statistisch ausgewertet werden.

Laut der aktuellen Auswertung der Polizei für den Bezirk Stuttgart-Mitte findet deutlich mehr als die Hälfte aller Gewalttaten samstags und sonntags statt. Fast zwei Drittel der registrierten Gewaltkriminalität in Stuttgart-Mitte tritt zwischen 22 und 6 Uhr auf. „Der langjährige Trend setzte sich auch 2019 fort, die meisten Straftaten ereigneten sich in den Nachtstunden am Wochenende“, heißt es in der aktuellen Kriminalstatistik.

Gewalt gegen Polizeibeamte ist keine Ausnahme

Auch bei der Körperverletzung gegen Polizeibeamte werden Details zum Tathergang berichtet, auch hier passen die Eindrücke von der Nacht auf Sonntag ins statistische Bild: vier von fünf Tätern sind männlich und zwei von drei alkoholisiert. 323 Beamte wurden dabei 2019 leicht, zwei weitere schwer verletzt. Vergangenes Jahr war statistisch mehr als jedes sechste erfasste Stuttgarter Gewaltopfer ein Polizist (1996 von 11 893).

Zur räumlichen Verteilung von Gewalttaten schweigt sich die Kriminalstatistik 2019 dagegen weitgehend aus. Aus ihr geht lediglich hervor, dass in den Bezirken Mitte und Bad Cannstatt wie schon in den Vorjahren insgesamt die meisten Straftaten registriert werden. Nach Deliktarten wird nicht unterschieden.

Wo konzentriert sich die Gewalt?

Um ein besseres Bild von der Verteilung bestimmter Deliktarten auf das Stadtgebiet zu erhalten, hilft unser Datenprojekt Crimemap. Damit klassifizieren wir automatisiert alle Pressemeldungen der Stuttgarter Polizei. Darin wird zwar nur eine Auswahl des gesamten Kriminalitätsgeschehens in Stuttgart berichtet, doch die Meldungen enthalten stets auch Angaben zum Tatort, oftmals sogar straßengenau.

Die Analyse dieser Daten zeigt gewisse Unterschiede je nach Deliktart. Während sich Einbrüche relativ breit übers Stadtgebiet verteilen, werden Diebstähle, Gewalt- und Drogendelikte ganz überwiegend aus Mitte sowie Bad Cannstatt berichtet. Zwei Drittel aller seit Jahresbeginn von der Polizei per Pressemitteilung gemeldeten Gewalttaten sind in diesen beiden Bezirken passiert, bei den Drogendelikten ist die Verteilung ähnlich. Gewalt wird relativ häufig innerhalb des City-Rings berichtet, während sich Drogendelikte über die gesamten Bezirke Mitte und Bad Cannstatt verteilen – mit der Klett-Passage und dem Schlossgarten als zwei beispielhaften Schwerpunkten.

Dunkelziffer beachten

Bei den Daten zur Crimemap wie auch aus der Kriminalstatistik gilt es zu beachten, dass sie nicht das vollständige Kriminalitätsgeschehen widerspiegeln. Sie stellen teils eine bewusste Auswahl durch die Polizei dar (Crimemap-Daten) und sind zum anderen auch durch Vorgaben zur Kontrolldichte bei bestimmten Delikten geprägt. Zudem werden Delikte wahrscheinlicher polizeibekannt, wenn in einem bestimmten Gebiet viele Beamte vor Ort sind. Dennoch ist anzunehmen, dass die Daten zumindest im Verhältnis ein relativ zuverlässiges Bild vom Kriminalitätsgeschehen in Stuttgart liefern.

In ihrer Kriminalstatistik 2019 beschreibt die Polizei mögliche Gründe für die Häufung von Delikten in der Innenstadt und in Bad Cannstatt: „An den Wochenenden halten sich in der Innenstadt bis in die Morgenstunden besonders viele Menschen aus Stuttgart und den Nachbarregionen auf. Dieses erhöhte Personenaufkommen bietet eine Vielzahl von Tatgelegenheiten und trägt schließlich zu einer erhöhten Kriminalitätsbelastung bei.“

In dem Bericht heißt es weiter, die in dieser Zeit in der City sowie bei diversen Events in Bad Cannstatt vermehrt anzutreffenden jüngeren Menschen begingen „tendenziell mehr Straftaten als Lebensältere“. Und: „Vor allem in der Eventszene wird Alkohol konsumiert, der enthemmt und Personen schneller straffällig werden lässt. Der Alkoholkonsum bewirkt aber auch, dass Betrunkene mit zunehmender alkoholischer Beeinträchtigung leichter Opfer einer Straftat werden.“

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