Kulturelle Kooperation Mehr Künstler in die Schulen

Von ral 

Jeder Schüler soll unabhängig von seiner Herkunft Zugang zu Kulturangeboten bekommen. Einen weiteren Baustein zur kulturellen Bildung stellt ein neues Projekt von Kultus- und Wissenschaftsministerium dar, das die Baden-Württemberg Stiftung finanziert.

Schultheater ist nur ein Aspekt der kulturellen Bildung an Schulen. Foto: WLB Esslingen
Schultheater ist nur ein Aspekt der kulturellen Bildung an Schulen. Foto: WLB Esslingen

Stuttgart - An Bekenntnissen zur Bedeutung der kulturellen Bildung in der Schule fehlt es nicht, jetzt kommt frisches Geld hinzu. Die Baden-Württemberg Stiftung gibt unter dem Stichwort „Netzwerk Kultur und Bildung“ von 2015 an drei Jahre lang jeweils 400 000 Euro für Kooperationen von Schulen und Kultureinrichtungen.

Mit dem Programm, das das Wissenschafts- gemeinsam mit dem Kultusministerium auf die Schiene gesetzt hat, verknüpft der Kunststaatssekretär Jürgen Walter (Grüne) große Erwartungen. Er sei sehr optimistisch, dass das Programm ein großer Erfolg werde, sagte Walter der StZ.

Naheliegende Partner sind Ganztagsschulen beziehungsweise Schulen mit rhythmisiertem Unterrichtsangebot. Walter betont, dass die Kooperation keine Einbahnstraße sein soll. Nicht nur Schulen könnten Kulturschaffende zur Zusammenarbeit einladen, „auch die Kultureinrichtung kann auf die Schule zugehen“. Das Interesse der Schulen an kulturellen Programmen ist übergroß. Mehr als 1000 Schulen haben Lehrer als Kulturbeauftragte installiert – obwohl die Aufgabe nicht auf die Unterrichtsverpflichtung angerechnet wird. Eine Deputatslösung für Kulturbeauftragte hatte sich als zu teuer erwiesen.

Mit dem Programm der Baden-Württemberg Stiftung können nun Schulen mit Kulturbeauftragten 2500 Euro pro Schuljahr für Kooperationen bekommen, sofern die Kommune 500 Euro als Kofinanzierung beisteuert. Möglich sind auch Projekte mit einer Fördersumme von 10 000 Euro über zwei Schuljahre hinweg, dann muss die Kommune 20 Prozent beisteuern.

Kulturelle Bildung verstärken

Das Programm soll, so Walter, ein Baustein sein, die Bedeutung der kulturellen Bildung zu verstärken und Projekte zu verstetigen. Es gelte, verlässliche und nachhaltige Kooperationsstrukturen mit den Schulen zu unterstützen und Kultureinrichtungen als außerschulische Lernorte zu etablieren. Ziel ist es, die Teilhabe am kulturellen Leben unabhängig von der sozialen Herkunft zu erreichen. Das direkte Zusammentreffen mit Künstlern begeistere die Schüler regelmäßig.

Walter betonte, das Land fange keineswegs bei Null an. Ein Beispiel sind die Kinder- und Jugendtheater, deren Förderung erhöht wurde. Seit dem Jahr 2012 steht auch der Innovationsfonds Kunst im Landeshaushalt. Eine von drei Förderlinien des Fonds ist die kulturelle Bildung. Im Jahr 2014 werden Projekte für 327 000 Euro finanziert, insgesamt flossen seit 2012 allein 1,9 Millionen Euro aus dem Fonds in die kulturelle Bildung. Walter betont, die Mittel würden auch in den kommenden Jahren festgeschrieben.

Thema ist keine Leitperspektive

Auch das Kultusministerium hält die kulturelle Bildung hoch. Musik- und Jugendkunstschulen sind ein Teil des Programms, für das das Ministerium im Jahr rund 20 Millionen Euro ausgibt. Anders als die Medien- und die Verbraucherbildung hat es die kulturelle Bildung jedoch nicht in die Leitperspektiven für die neuen Bildungspläne geschafft. Das tue aber der Bedeutung keinen Abbruch. Die Inhalte seien in den Unterrichtsfächern abgebildet, versichern Walter wie auch eine Sprecherin von Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Die kulturelle Bildung werde in den Plänen, die 2016 eingeführt werden, weiter gestärkt. Ein Beleg dafür sei, dass der Fächerverbund Mensch-Natur-Kultur in der Grundschule aufgelöst wird. Musik und Kunst werden wieder eigene Fächer.

Weitere Projekte der Stiftung

Die Baden-Württemberg Stiftung wird im kommenden Jahr rund 32 Millionen Euro für 19 Projekte in den Bereichen Forschung, Bildung sowie gesellschaftlicher Wandel, Kultur und soziale Verantwortung bereit stellen. 13,7 Millionen sind reserviert für den gesellschaftlichen Wandel. Die Forschung wird mit neun Millionen unterstützt, 9,35 Millionen fließen in Bildungsprojekte.

Mit fünf Millionen Euro wird das Programm „Industrie 4.0“ ausgestattet. Themen sind dabei Datensicherheit und die Veränderung der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter. Mit ebenfalls fünf Millionen wird das Baden-Württemberg-Stipendium fortgesetzt. Vier Millionen gehen in das Forschungsprogramm „Photonik, Mikroelek-tronik, Informationstechnik“.

Zur Verbesserung der Lage von Asylsuchenden sind 1,35 Millionen Euro vorgesehen.

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