Kulturfest in der Krise „Stadt im Fluss“ steht auf dem Prüfstand

Von  

Die Freien Wähler, die CDU und die FDP fordern das Ende des Esslinger Kulturfestivals. Der städtische Zuschuss in Höhe von 300 000 Euro sei angesichts der nachlassenden Strahlkraft der Veranstaltung nicht zu rechtfertigen.

2007 sorgte Susanne Hinkelbeins  „Stadtoper“  für einen wahren Publikumsansturm in der Foto: Horst Rudel/Archiv
2007 sorgte Susanne Hinkelbeins „Stadtoper“ für einen wahren Publikumsansturm in der Foto: Horst Rudel/Archiv

Esslingen - Bei einem solchen Festival möglichst viele Akteure einzubinden, dabei hochwertige Kultur zu bieten, die auch noch sehr viele Menschen erreicht: Das ist eine permanente Gratwanderung.“ Die neue Esslinger Kulturamtsleiterin Alexa Heyder beschreibt sehr treffend die Herausforderung, vor der sie bei der Verwirklichung von „Stadt im Fluss“ steht.

Gut möglich ist indes, dass Heyder sich schon bald überhaupt nicht mehr mit diesem Thema beschäftigen muss. Denn im Esslinger Gemeinderat regt sich Widerstand gegen die Pläne, 2021 mit einem städtischen Zuschuss in Höhe von rund 300 000 Euro die siebte Ausgabe des Kulturfests auszurichten. Im Rahmen der Haushaltsberatungen fordern die CDU, die Freien Wähler und die FDP unisono den Verzicht auf „Stadt im Fluss“. Da es auch in anderen Fraktionen kritische Stimmen vor allem zu den letzten beiden Ausgaben des Festivals gegeben hatte, ist die Zukunft des 2005 ins Leben gerufenen Festivals ungewiss.

Ursprünglich sollte der Neckar ins Esslinger Bewusstsein gerückt werden

Die ursprüngliche Idee von „Stadt im Fluss“ war es, auf künstlerische Weise den im Esslinger Stadtnamen verankerten Neckar wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und ihn als Lebensader der Stadt zu verstehen. Mit Susanne Hinkelbeins „Stadtoper“, die beim zweiten Fest 2007 den thematischen Schwerpunkt bildete, war es Esslingen gelungen, dieses Ziel zu erreichen und das Publikum in Massen auf eine musikalische Stadtwanderung mitzunehmen. Damit hatten der legendäre Kulturdezernent Peter Kastner und seine Mitstreiter, die 1992 schon mit den Kulturnächten bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen hatten, ein weiteres kulturelles Leuchtturmprojekt etabliert. Zweimal sollte es noch strahlen: 2009 als „Stadtinszenierung“ und 2012 als „Stadtreflexionen“.

Dann stieß Teilen des Gemeinderats übel auf, dass das Festivalwochenende viel Geld verschlang und nach Meinung der bürgerlichen Parteien darin zu wenige Esslinger Chöre und Laiengruppen eingebunden seien. Die Zuschussgewährung für das Festival 2015 wurde an die Bedingung geknüpft, diesen Zustand zu ändern – mit einem künstlerisch allerdings überaus zweifelhaften Ergebnis.

Immer weniger Besucher sind gekommen

Ehrlicherweise – deshalb im Ergebnis aber auch nicht besser – haben die Organisatoren 2018 dann den Namen „Stadt im Fluss“ ganz gestrichen, daraus „Stadt der Frauen“ gemacht und „die Neugründung der Stadt aus Sicht der Frauen“ proklamiert. Das hat dann nur noch sehr wenige Besucher in die Stadt gelockt.

Sie sei zwar absolut dagegen, das Festival abzuschaffen, erklärt nun die Fraktionschefin der Grünen, Carmen Tittel. Allerdings, so räumt sie ein, müsse intensiv über eine Veränderung der Konzeption und eine Neuausrichtung nachgedacht werden. Auch SPD-Fraktionschef Nicolas Fink sagt: „Wir stehen zu ,Stadt im Fluss‘. Es gibt aber ohne Zweifel Veränderungsbedarf.“ Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt, wiederum erklärt: „Die Stadt sieht keinen Grund, das Projekt grundsätzlich infrage zu stellen.“ Der kreative Prozess, wie das Festival 2021 aussehen könnte, befinde sich noch in der Anfangsphase. Noch kenne er keine konkreten Vorstellungen, in welche Richtung die Reise gehen könnte. Erste Ideen will Alexa Heyder zeitnah der Verwaltungsspitze und dem Gemeinderat vorlegen. Sie ist optimistisch, ein Konzept vorstellen zu können, das allen von ihr benannten Kriterien gerecht wird.