Kulturnacht in Stuttgart-Feuerbach Das Otto-Herrmann-Projekt

Von Georg Friedel 

Eine Ausstellung und Kunstaktion bei der Kulturnacht Feuerbach am Samstag, 14. April, soll neue Zugänge zum Werk des Feuerbacher Malers schaffen. Zeitgenössische Künstler verschiedener Sparten haben sich mit den Bildern von Otto Herrmann befasst und interessante Zugänge gefunden.

Maria und Otto Herrmann stammten beide aus  Feuerbach. Foto: privat
Maria und Otto Herrmann stammten beide aus Feuerbach. Foto: privat

Feuerbach - Die Vorbereitungen für die Kulturnacht Feuerbach am Samstag, 14. April, laufen schon auf Hochtouren. Auch bei der Otto-und-Maria-Herrmann-Stiftung, die ihren Sitz im Freien Musikzentrum, dem Bonatzbau an der Stuttgarter Straße 15 hat, sind die Planungen für die Ausstellung zum Werk des Feuerbacher Künstlers Otto Herrmann (1899 – 1995) anlässlich der Kulturnacht in vollem Gange: „Kunst (kann) verändern!“ ist die Präsentation mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern aus Stuttgart, München, Leipzig, Bremen und Berlin überschrieben. „Seit dem vergangenen Jahr laufen die Vorbereitungen zu einer aktuellen Auseinandersetzung mit dem Werk, beziehungsweise der Haltung des Künstlers Otto Herrmann und der Stifterin Maria Herrmann“, berichtet Natalie Kreisz, Großnichte des Feuerbacher Künstlers. Sie ist gleichzeitig im Vorstand der Otto-und-Maria-Herrmann-Stiftung: „Wir haben Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Sparten dazu eingeladen, sich vom Tatendrang Maria und Otto Herrmanns zu einem eigenen Werk inspirieren zu lassen und eigene Antworten zu finden.“ Insgesamt stellten Natalie Kreisz und Julia M. Novak vom Vorstand der Stiftung den neun am Projekt beteiligten Künstlern mehr als 40 Werke aus dem Herrmann’schen Fundus als Inspirationsquelle zur Verfügung. „Malereien wie Grafiken befanden sich darunter“, berichtet Kreisz.

Ein Refugium der friedlichen Revolte

Eine der zentralen Arbeiten von Otto Herrmann ist der Zyklus „Die Verdammten“. Die Lithografie-Serie ist quasi ein zeitloses Dokument, welches das Grauen, die Gewalt und das Elend des Krieges eindrücklich beschreibt. Schreckgeweitete Augen, zerlumpte Wehrmachtssoldaten, zerschundene Körper – als der Zyklus 1950 zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde, löste die Ausstellung einen Skandal aus. Die Zeit nach 1945 und den Beginn der neuen Bundesrepublik begleitete Herrmann mit spitzer Feder. Viele Szenen skizzierte er als Panoptikum des Absurden und Abgründigen mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. „Kunst war für den Maler Lebensinhalt, Anlass zum Querdenken – ein Refugium der friedlichen Revolte“, fasst Natalie Kreisz diesen gesellschaftskritischen Ansatz in seiner Kunst zusammen.

In der NS-Zeit bekam Otto Herrmann – neben vielen anderen Künstlern – die Diffamierungen der NS-Kulturpolitik zu spüren: „1936 soll er Ausstellungsverbot erhalten haben und im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ wurde 1937 ein Ölbild von ihm aus der Sammlung der Staatsgalerie entfernt“, heißt auf der Homepage der Stiftung. 1937 heiratete Otto Herrmann Maria Maier, die ebenfalls aus Feuerbach stammt. Sie arbeitete einige Jahre beim Arbeitsamt Stuttgart, zeitweise auch in leitender Funktion: „Wir waren beide der Überzeugung, dass wir die Welt verbessern könnten, wenn man uns nur machen ließe“, sagte die frühere Sozialarbeiterin im Rückblick auf ihr gemeinsames Leben.

Aktuelle Stellungnahmen von neun zeitgenössischen Künstlern

Vor diesem Hintergrund wandten sich Natalie Kreisz und Julia M. Novak vom Stiftungsvorstand an die neun zeitgenössischen Künstler und baten sie um eine aktuelle Stellungnahme und Aussage zum Werk Otto Herrmanns. „Die kreativen Statements sind vielfältig und reichen von einem Animationsfilm über musikalische Improvisationen bis zu digitalen Grafiken, Objekten und Collagen. Diese neuen Arbeiten stellen wir den Werken von Otto Herrmann, die als Impulsgeber dienten, zur Seite“, sagt die Großnichte des Künstlers. Gleichzeitig wolle man über die ausgestellten Ergebnisse dieser Kunstaktion mit den Besuchern bei der Kulturnacht ins Gespräch kommen. Zudem finden im Rahmen der Kulturnacht am 14. April um 17 Uhr und um 21.30 Uhr zwei Auktionen zugunsten der Stiftung im Freien Musikzentrum statt. „Es werden 100 Flaschen Bier mit extra für den Anlass gestalteten Kunstetiketten versteigert, außerdem eine Zeichnung von Otto Herrmann und es gibt auch noch eine kleine Überraschung“, verspricht Kreisz.

Übrigens unterstützt auch der Bezirksbeirat Feuerbach die Ausstellung samt der Auktion. Sie bewilligten in einer der vergangenen Sitzungen mehrheitlich einen Zuschuss von 1500 Euro aus ihrem Budget speziell für das Kunstprojekt.

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