Kunst in Weil der Stadt International und bunt gemischt

Von Hans-Jörg Ernst 

Acht Künstler beteiligen sich am „Offenen Atelier“ in Merklingen und zeigen ein breites Spektrum. Auch sonst ist am Wochenende viel geboten.

Manfred Alex-Lambrinos Foto:  
Manfred Alex-Lambrinos Foto:  

Weil der Stadt - Der aus Mönsheim stammende Künstler Manfred Alex-Lambrinos lädt erneut in sein Atelierhaus im Weil der Städter Ortsteil Merklingen ein. Wieder hat er befreundete Künstler um sich versammelt, die mit ihm gemeinsam die Ausstellung gestalten und in der Atmosphäre des alten Bauernhauses zu etwas Besonderem machen. Von Samstag, 20. Juli, bis Sonntag, 21. Juli, jeweils von 11 bis 17 Uhr, ist das Atelierhaus in der Hofmauerstraße 16 geöffnet. Die Ausstellung selbst wird bereits am Freitagabend eröffnet. Auch hierzu ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen.

Zu sehen gibt es Kunst unterschiedlicher Stilrichtungen und Stile. Manfred Alex-Lambrinos (Fotografie), Xaver Mayer (Zeichnungen und Radierungen), Maxhun (Malerei), Peter Wichmann (Plastiken aus Keramik), Paul Revellio (Malerei und Lithografie), Ruth Schleeh (Malerei), Angelika Weiß-Neher (Schmuck) und Emilio Papaevangeliou (Zeichnungen) werden das alte Merklinger Bauernhaus vom Gewölbekeller über die Scheune, das Winter- wie das Sommerzimmer, bis zum Dachboden mit ihren Kunstobjekten füllen. Selbst eine Märchenerzählerin, Angelika Christen, ist dieses Jahr mit von der Partie, und wird die jüngsten Besucher am Samstag und am Sonntag, jeweils ab 14 Uhr, mit selbst geschriebenen Märchen unterhalten, passend zur ausgestellten Kunst.

Diskutieren und interpretieren

Es gibt viel zu entdecken, beim „Offenen Atelier“. Manches wird anregen, zu diskutieren, anderes, zu interpretieren. Die Handzeichnungen auf Kalenderschreibtischunterlagen des griechischen Apothekers Emilio Papaevangeliou regen an, diese näher zu untersuchen und Details zu entdecken. Der aus Livanates bei Arkitsa (150 km nördlich von Athen) stammende Papaevangeliou ist im tatsächlichen Sinne eine Zufallsentdeckung. Manfred Alex-Lambrinos hat die kunstvollen, akribisch aneinandergereihten Formen und Ornamente auf der Ladentheke des Apothekers entdeckt und war sofort begeistert. Sauber gerahmt füllen die interessanten Werke nun ein ganzes Zimmer im Atelierhaus.

In diesem Jahr erstmals beim „Offenen Atelier“ vertreten sind zudem der Stuttgarter Architekt Peter Wichmann und Maxhun. Peter Wichmanns künstlerische Liebe gehört der Plastik. In der eigenen Keramik-Werkstatt entstehen seine Kunstwerke in einer besonderen Holzkohle-Brenntechnik. Maxhun, der derzeit eine Haftstrafe in der JVA Heimsheim verbüßt, hat eben dort, in der Malgruppe, die Ausdruckskraft der Kunst für sich entdeckt. Satirische Zeichnungen und Radierungen zeigt, wie bereits 2018, Xaver Maier. Alte Bekannte sind Angelika Weiß-Neher mit ihren Goldschmiedearbeiten, Paul Revellio, Meisterschüler von Georg Baselitz und bekannt für seine Glotzer-Bilder sowie Ruth Schleeh, deren abstrakte Werke nicht weit entfernt vom Bauernhaus, in ihrem Atelier in der Hofmauerstraße entstehen.

Kindesmissbrauch ist sein Thema

Manfred Alex-Lambrinos zeigt in diesem Jahr Fotografie. Der Mönsheimer Künstler hat sich dabei mit dem Brennpunktthema Kindesmissbrauch in Deutschland auseinandergesetzt und spart auch die Kirche nicht aus. „Die Kinder auf meinen Fotografien, die aus aller Welt stammen, sind keine Missbrauchsopfer. Vielmehr stehen sie stellvertretend für alle Kinder“, erklärt der Künstler, der in seinen Installationen erschreckende Zahlen transportiert. „Jedes achte Kind in Deutschland ist vom Missbrauch betroffen“, sagt er nachdenklich. Dabei wolle er nicht anklagen, sondern vielmehr sensibilisieren. Zwölf Fotografien hängen oder stehen im Dachgeschoss. Nur vier davon sind digital verfremdet. „Sie sind beschädigt“, sagt Alex-Lambrinos. So, wie die einst weißen Blätter Papier, die an einer der Installationen am Boden liegen, mit Füßen getreten und mit Begriffen wie „Vertrauen“ beschrieben.

Öffnungszeiten Ateliers

Die Ateliers öffnen am Samstag, 20. Juli, und am Sonntag, 21. Juli, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Jeweils um 14 Uhr gibt es auch eine Märchenstunde. Die öffentliche Eröffnung ist schon am Freitag, 19. Juli, um 18 Uhr. Das Atelier ist in der Hofmauerstraße 16, in Merklingen. Der Eintritt ist kostenlos.