Die Gemeinde Schwanau im Ortenaukreis bekommt viele Kandidaten – aber kaum Fachleute für die Bürgermeisterwahl am 15. Mai

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)

Schwanau? Nie gehört? Herrenknecht? Richtig, der Weltmarktführer für große Tunnelbohrmaschinen hat dort seinen Sitz. Die Dörfer Allmannsweier, Ottenheim, Nonnenweier und Wittenweier gehören zur 7200 Einwohner-Gemeinde im mittelbadischen Ortenaukreis, die derzeit einen kuriosen Bürgermeisterwahlkampf erlebt. Nicht, weil elf Kandidaten auf dem Wahlzettel stehen. Das gab es schon: Die Gemeinde Rickenbach im Hotzenwald hatte 2013 sogar die Qual der Wahl zwischen 28 Bewerbern. Das war nach dem unrühmlichen Abgang eines Bürgermeisters, der einen Anschlag auf sich fingiert hatte.

Sexy Gemeindeordnung lockt

In Schwanau hat ein Radio-Spot dazu geführt, dass sich ein knappes Dutzend von nah und fern aus heiterem Himmel für bürgermeisterreif befand. „Ich saß da abends so auf dem Campingplatz und habe es auf meinem Lieblingssender gehört“, bekannte ein Bewerber freimütig. Dieser Lieblingssender hatte mitbekommen, dass nach drei Wochen immer noch keine Bewerbung im Schwanauer Rathaus eingegangen war, nachdem der Amtsinhaber Wolfgang Brucker überraschend auf den Direktorenstuhl des Regionalverbandes Südlicher Oberrhein gewechselt war. Nach 23 Jahren lockte den beliebten 59-jährigen CDU-Mann eine neue Herausforderung. Die Schwanauer setzten einen frühen Wahltermin für den 15. Mai an. Ende März rief Radio Regenbogen in einem wohl satirisch gemeinten Spot auf, sich zu bewerben, wo vier Ortsteile „nach Ihrer Führung lechzen“ und „nach Ihrer Pfeife tanzen“ wollen. Weil es „kein Loch im Gemeindehaushalt“ gebe, sei auch „eine Gemeindeordnung sexy“ und der elsässische Wein nur fünf Minuten entfernt.

Wähler hoffen auf einen Joker

Die Glosse wurde nicht nur auf dem Campingplatz für bare Münze genommen. Nach und nach meldeten sich ein Busfahrer aus Worms, ein Zeitungszusteller aus Bühl, ein Polizist und Hobby-Comedian aus Mannheim, ein Fahrlehrer, ein Brennstoffhändler, ein Buchbinder, ein Werkzeugmacher, ein Werkzeugmechaniker, ein Soldat und eine Projektmanagerin, zur Zeit Hausfrau. Etliche von ihnen kannten die Gemeinde gar nicht oder waren mal „mit dem Auto durchgefahren“.

Keiner der „Radiokandidaten“ hat eine Ausbildung oder Erfahrungen im Verwaltungswesen. Fachleute für das Bürgermeisteramt gäbe es eigentlich genug, im Ortenaukreis liegt immerhin die „Bürgermeisterschmiede“, die Hochschule für Verwaltung in Kehl. Ihr ehemaliger Rektor Paul Witt kennt die wachsende Abneigung, das hervorgehobene Bürgermeisteramt anzustreben: „Der größte Nachteil ist der Verlust an Privatheit. Man ist immer in der Öffentlichkeit. Zeitaufwendig sind auch Repräsentationsverpflichtungen. Und was neuerdings dazukommt, sind Hass und Hetze in den digitalen Netzwerken.“ Viele hoffen nun auf einen zweiten Wahlgang und einen dann möglichen neuen „Joker“. Einer hat sich schon ins Gespräch gebracht. Jonas Maurer, 34, gebürtiger Schwanauer und derzeit stellvertretender Hauptamtsleiter in der Gemeinde Simonswald im Landkreis Emmendingen.

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