Lärm durch Verkehr Sielminger befürchten neue Verkehrswelle

Angelika Müller und Andreas Gehrung, die Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen an der Laichkreuzung Foto: Caroline Holowiecki
Angelika Müller und Andreas Gehrung, die Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen an der Laichkreuzung Foto: Caroline Holowiecki

Seit den 1990ern stemmt sich eine Bürgerinitiative gegen die zunehmende Zahl an Autos und LKW im Filderstädter Ortsteil Sielmingen. Nun warnen die Mitglieder vor neuem Unheil.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Sielmingen - Zeitweise sieht man nur, wie Angelika Müller und Andreas Gehrung ihre Lippen bewegen. Zu hören sind sie nicht. Es ist zu laut. Ununterbrochen rollt der Verkehr über die Laichkreuzung in Filderstadt-Sielmingen. Wo sich die Ortsdurchfahrten kreuzen, poltert und brummt es in einer Tour. „Das ist nicht nur zu den Hauptzeiten so. Es ist toujours“, sagt Angelika Müller.

Das sei belastend, aber vor allem auch gefährlich. Hier verlaufe schließlich der Schulweg. Eine Beruhigung auf den teils engen Straßen des Filderstädter Ortsteils ist daher ein großes Anliegen von Angelika Müller und Andreas Gehrung. Sie sind die Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Sielmingen, kurz BVS.

Die Bürgerinitiative gibt es seit den 1990er Jahren

Seit Ende der 1990er gibt es die Initiative schon. Auf den Plan gerufen hatte die Mitglieder seinerzeit die Eröffnung der Ortsumfahrung von Nellingen und Neuhausen. „Das hat den ganzen Verkehr aus dem Neckartal auf die Filder hochgebracht. Das sehen Sie an den Verkehrszeichen“, sagt Andreas Gehrung. In der Konsequenz wurden über die Jahre im Ort Blitzer, Tempolimits und 2006 auch ein LKW-Fahrverbot an der Bahnhofstraße installiert. Laut der BVS hat Letzteres aber keinen durchschlagenden Erfolg. 25 bis 35 Brummis seien dort dennoch pro Stunde unterwegs.

Bis zu 18 000 Fahrzeuge rollen nach den Informationen der Aktivisten jeden Tag durch Sielmingen. Das Hauptproblem ist die Lage zwischen der A 8 und der B 27. Und genau von diesen Straßen befürchten die Mitglieder nun neues Unheil. Zum einen geht es um den geplanten Ausbau der B 27. Sie, so die Sorge, wird automatisch mehr Verkehr anlocken. „Das ist der Effekt, den wir bereits 1980 hatten“, sagt Andreas Gehrung über die Zeit nach dem Bau der Bundesstraße, und tatsächlich gehen die Verkehrsplaner nach dem B-27-Ausbau von einer Belastungszunahme von 500 bis 600 Autos pro Tag in Sielmingen auf den Straßen von Bernhausen und Bonlanden kommend aus. Zum anderen blickt die BVS voller Kummer in Richtung Autobahn. Dort wird die Anschlussstelle Esslingen im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm umgebaut und an die bereits fertiggestellten Nordumfahrung Neuhausen angeschlossen. Die Mitglieder befürchten, dass dadurch die Abkürzung durch Sielmingen in Richtung B 27 noch attraktiver wird. „Das Nadelöhr Neuhausen entfällt, und der Verkehr wird flüssiger werden“, hat die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben im November an Oberbürgermeister Christoph Traub geschrieben. Eine Antwort habe sie nie erhalten.

Zu den Stoßzeiten ein Durchfahrtsverbot?

Nach dem Geschmack von Angelika Müller und Andreas Gehrung muss sich in Sielmingen endlich etwas tun. Das Lkw-Fahrverbot an der Bahnhofstraße müsse konsequent kontrolliert werden. „Wir wollen, dass das eingehalten wird. Da machen wir seit 14 Jahren rum“, sagt Andreas Gehrung. Am liebsten wäre es ihnen, wenn zu den Stoßzeiten ein Durchfahrtsverbot durch Sielmingen gelten würde, und das für alle Fahrzeuge. Eine solche Regelung gibt es etwa in Ostfildern-Scharnhausen. Auch von einer Sielminger Ortsumfahrung – über die Möglichkeiten wird seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert – versprächen sie sich etwas. „Man kann doch den Verkehr nicht immer weiter durch die Ortschaften fahren lassen. Das macht die Ortschaften kaputt“, klagt Angelika Müller.

Nun macht die Bürgerinitiative einmal mehr mobil. Dieser Tage verteilt sie Flugblätter im Ort. Darauf werden die Einwohner ermuntert, sich an die Stadtverwaltung und die Gemeinderatsfraktionen zu wenden. Die entsprechenden E-Mail-Adressen werden gleich mitgeliefert. Die beiden Sprecher fühlen sich zwischen Stadt, Kreis und Regierungspräsidium hin- und hergeschoben und trotzdem allein gelassen. „Das ist etwas krass“, sagt Angelika Müller.




Unsere Empfehlung für Sie