Lärmschutz in Waldenbuch Plötzlich sind die Musikanten zu laut

Der Eingangsbereich des  Karl-Sturm-Hauses, das Musikerheim des MV Stadtkapelle Waldenbuch, soll aus Lärmschutzgründen eingehaust werden. Foto: Claudia Barner
Der Eingangsbereich des Karl-Sturm-Hauses, das Musikerheim des MV Stadtkapelle Waldenbuch, soll aus Lärmschutzgründen eingehaust werden. Foto: Claudia Barner

Weil ein Investor in der Nachbarschaft Mietwohnungen bauen möchte, geraten die Mitglieder der Waldenbucher Stadtkapelle unter Druck. Es gibt viele offene Fragen – auch zu den vermutlich hohen Kosten für den Lärmschutz.

Waldenbuch - Bisher war das Musikerheim im Aichgrund für die Mitglieder der Stadtkapelle Waldenbuch ein idealer Proben- und Veranstaltungsort. Der Abstand zum Wohngebiet war groß genug, um die Lautstärke der Blasmusik zu dämpfen. Und als vor fünf Jahren nebenan die städtische Flüchtlingsunterkunft gebaut wurde, einigte man sich auf ein entspanntes Miteinander. Das könnte sich ändern. Auf einem Eckgrundstück am Liebenaukreisel sollen drei Mehrfamilienhäuser entstehen, und die Schall-Experten kommen zu dem Schluss: Die Musikanten sind zu laut. Ohne lärmmindernde Maßnahmen seien Konflikte programmiert.

„Eine zügige Realisierung wird forciert“

Wohnraum ist knapp in der Schönbuchstadt, und der Investor macht Tempo. Auch Bürgermeister Michael Lutz hat dazu eine klare Meinung: „Eine zügige Realisierung des Bauvorhabens wird von der Verwaltung forciert.“ Das heißt: So schnell wie möglich soll für das Areal ein Bebauungsplan erstellt werden. Darin wird unter anderem festgelegt, wie die Lärmgrenzwerte künftig definiert werden. Die Musiker geraten dadurch in die Bredouille. Denn der Schultes stellt fest: „Der Verein muss damit rechnen, dass die erhöhten Schallimmissionen im Zeitraum von 22 bis 6 Uhr zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Anwohnern führen können.“ Eine mögliche Lösung hat der Bürgermeister schon parat. Das beteiligte Ingenieurbüro schlägt die großformatige Einhausung des Eingangsbereichs vor dem Musikerheim vor. Außerdem soll eine Lüftungsanlage installiert werden, damit die Fenster des Gebäudes nach 22 Uhr geschlossen bleiben können. Das reduziert den Lärm. Doch was machen die Umbauten mit dem Gebäude, und wer trägt die Kosten, die im sechsstelligen Bereich liegen könnten?

Der Verein hat grundsätzlich nichts dagegen

Mit diesen Fragen hat sich der Ausschuss des Musikvereins bereits intensiv beschäftigt. Der Vorstandssprecher Patrick Mock teilt mit: „Generell steht der Verein den Baumaßnahmen auf dem Schick-Areal mehrheitlich aufgeschlossen gegenüber und ist gewillt, in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Stadt Lösungen zu erarbeiten.“ Gegen die Erstellung von Machbarkeitsstudien hat man nichts einzuwenden. Allerdings verweist der Verein auf den Bestandsschutz der 32 Jahre alten Immobilie sowie den mit der Stadt abgeschlossenen Erbpachtvertrag.

In einem Punkt sind sich die Musikanten einig: Endgültig entschieden ist noch nichts, und die anfallenden Kosten sollen jene tragen, die das Problem verursacht haben. Der Vereinsvorstand hat dabei die Stadt Waldenbuch im Blick. In den Gemeinderatsfraktionen sieht man indes auch den Investor in der Pflicht. „Wer den Profit hat, muss auch zur Kasse gebeten werden“, bekräftigt der CDU-Sprecher Karl Rebmann.

Das Ziel sei eine gute Nachbarschaft

Nachteile für den Musikverein möchten auch die Freien Wähler verhindern. „Wir brauchen eine Art runden Tisch, der vorab klärt, was hinterher zu Problemen führen könnte“, empfiehlt die Fraktionssprecherin Annette Odendahl. Um dafür die nötigen Grundlagen zu schaffen, hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, die vorgeschlagenen Lärmschutzmaßnahmen mit den Ingenieuren und dem Verein weiter abzustimmen. Damit keine Zeit verloren geht, soll parallel dazu ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für die 25 geplanten Wohneinheiten ausgearbeitet werden.

Der Musikverein hat beschlossen, mit den Fachfirmen weitere Gespräche über die vom Gutachter empfohlenen Maßnahmen zu führen und dem Ausschuss die Ergebnisse im Rahmen eines Informationsabends vorzustellen. Auch der Lärmschutzexperte der Stadt soll anwesend sein und offene Fragen klären. Patrick Mock stimmt versöhnliche Töne an. Denn Dissonanzen möchten die Musikanten – wenn möglich – auch künftig vermeiden. „Uns geht’s nicht darum, etwas zu verhindern. Uns geht es um eine gute Nachbarschaft“, bekräftigt Mock.




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