Landgericht Stuttgart Automatensprenger gehen mehrere Jahre ins Gefängnis

Von George Stavrakis 

Weil sie in Stuttgart und in Müllheim versucht haben, Geldautomaten in die Luft zu jagen, sind zwei Männer vom Landgericht verurteilt worden.

Banden aus dem Ausland sprengen bundesweit  Geldautomaten. Foto: dpa/Matthias Bein
Banden aus dem Ausland sprengen bundesweit Geldautomaten. Foto: dpa/Matthias Bein

Stuttgart - Seit geraumer Zeit fliegen in der ganzen Bundesrepublik Geldautomaten in die Luft. Laut den Landeskriminalämtern gibt es mehrere Banden, die aus dem Ausland ins Bundesgebiet einreisen, Automaten sprengen und, so sie erfolgreich sind, leer räumen. Danach verschwinden die Täter in der Nacht. Nun hat das Landgericht Stuttgart zwei Männer aus den Niederlanden verurteilt, die zu solch einer Bande gehören sollen.

Am 1. Oktober 2018 gegen 4.25 Uhr war für die Anwohner des Löwenmarkts im Stuttgarter Stadtbezirk Weilimdorf die Nachtruhe vorbei. Sie wurden von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen. Der Geldautomat einer Bankfiliale war in die Luft geflogen.

Die Täter hatten über Schläuche ein Gasgemisch in den Automaten geleitet und zur Detonation gebracht. Die Beute wäre beträchtlich gewesen, es befanden sich mehr als 130 000 Euro in der Maschine. Doch die Kassette blieb heil, die Täter flüchteten ohne Geld.

Die Polizei hatte die Täter im Visier

Im badischen Müllheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) machten sich am 15. August 2019 des Nachts zwei Männer an dem Geldautomaten eines Supermarkts zu schaffen. Sie legten die Schläuche und wollten das Gas zur Explosion bringen. Die Polizei, die die beiden Männer schon im Auge hatte, war schneller. Die Beamten nahmen die 27 und 29 Jahre alten Männer fest. Dieses Duo musste sich vor der 8. Strafkammer des Landgerichts wegen versuchten Diebstahls und wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten.

Die Angeklagten aus den Niederlanden waren gemeinsam mit Komplizen nach Deutschland eingereist, hatten über Strohmänner und -frauen verschiedene Autos gemietet und mit gestohlenen Kennzeichen ausgestattet. Selbst Garagen als kurzfristige Rückzugsorte wurden gemietet.

Mitte Februar war ein Geldautomat in Plochingen im Kreis Esslingen gesprengt worden. Die Täter waren in einem hellen Kombi geflüchtet. Über die Höhe der Beute machte die Polizei keine Angaben. Der Automat wurde jedenfalls völlig zerstört.

Zwei Täter sterben auf der Flucht

Es geht noch dramatischer. Drei Männer hatten am 28. Februar versucht, in Kleve an der deutsch-niederländischen Grenze einen Geldautomaten zu sprengen. Die Überwachungskameras einer angrenzenden Spielhalle hatten aufgenommen, wie die Männer versuchten, den Automaten mit Gas in die Luft zu sprengen. Auch das Auto der Täter sei zu erkennen gewesen. Wenig später krachten die Männer mit ihrem Wagen auf der A 12 in Richtung Arnheim, 20 Kilometer vom Tatort entfernt, gegen einen Lastwagen. Zwei Männer starben, der dritte, der womöglich schwer verletzt wurde, flüchtete.

Vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart geht es fix. Schon kurz nachdem Staatsanwalt Thomas Schek den Anklagesatz verlesen hatte, zogen sich die Beteiligten zu einem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen zurück.

Die zwei Angeklagten mit Wohnsitz in den Niederlanden legten schließlich knappe Geständnisse ab. Den 29-Jährigen verurteilte die Strafkammer zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Sein jüngerer Mitangeklagter wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

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