Landtagswahlkampf-Auftakt der Linken Die Linke braucht die Stuttgarter

Der Bundesvorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, hat den vier Kandidaten in der Stadt den Rücken gestärkt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Achim Zweygarth
Der Bundesvorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, hat den vier Kandidaten in der Stadt den Rücken gestärkt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Achim Zweygarth

Die Linke ist in den Landtagswahlkampf gestartet und will vor allem enttäuschte Grünen-Wähler einfangen. Der Bundesvorsitzende Bernd Riexinger stärkt den vier Kandidaten in der Stadt den Rücken.

Stuttgart - Die Linke ist in Stuttgart in den Landtagswahlkampf gestartet – mitten im Lockdown, ohne große Bühne und bei Dauerregen. Mit einem Pfund kann die Partei am Schlossplatz trotzdem wuchern: mit dem Bundesvorsitzenden Bernd Riexinger als Redner. Gut 100 Zuhörer lockt das an. Unterstützung kann die Linke gut brauchen. Bei den letzten drei Landtagswahlen war sie gescheitert. 2016 hatte sie mit gerade mal 2,9 Prozent den Einzug verpasst. Bei den Wahlen zuvor hatten die Ergebnisse für die Linke beziehungsweise die WASG ganz ähnlich ausgesehen.

Auf Bundesebene klappte es zuletzt besser. Bei der Bundestagswahl 2017 hat es die Partei im Land auf 6,4 Prozent gebracht. Für die Landes-Linke sind sechs Abgeordnete im Bundestag vertreten, darunter Riexinger selbst. Er tritt im September wieder als Kandidat für den Stuttgarter Wahlkreis I an. Warum also diese Diskrepanz? Riexinger spricht von einem Gefälle in der Wählermobilisierung. „Einkommensschwache gehen bei der Landtagswahl eher nicht wählen.“ 2016, so glaubt er, hätten außerdem viele Linke Grün gewählt, um Guido Wolf (CDU) als Ministerpräsidenten zu verhindern.

In diesem März soll es endlich klappen. Helfen soll der jüngste Mitgliederzuwachs im Land. „Wir gehen auf die 4000 zu“, betont Riexinger, unter den Neu-Genossen seien etliche junge Leute. Gerade auf sie passen viele Themen, die sich die Stuttgarter Landtagskandidaten auf die roten Fahnen geschrieben haben: Mietendeckel und Wohnraum für alle, gebührenfreie Kitas, ticketfreier ÖPNV, Klimaschutz, Kampf gegen Rassismus. Vieles findet in der Corona-Krise besonderes Gehör, etwa die Forderung nach mehr Geld fürs Gesundheitswesen, nach gleichen Bildungschancen für alle oder nach einem besseren Schutz für Beschäftigte. Allesamt sind es Themen, die Riexinger bei den Grünen nicht mehr gut aufgehoben sieht. Grün und Schwarz hätten sich zu sehr angeglichen. Beim Wohnen warf er der Landesregierung „völliges Versagen“ vor, und „das Land ist beim Erreichen der Klimaschutzziele unteres Mittelfeld, dafür brauchen wir keine Grünen“.

In Stuttgart hat die Linke ihren größten Kreisverband im Land

Sie wollen es besser machen: Filippo Capezzone tritt im Innenstadt-Wahlkreis 1 an. Der 32-Jährige ist Agrarwissenschaftler und in Ost stellvertretender Bezirksbeirat. Im Filder-Wahlkreis 2 will Lisa Neher überzeugen. Die 34-Jährige aus Heslach ist Doktorandin im Fach Philosophie und die Landesfrauenbeauftragte der Linken im Land. Die Industriekauffrau Aynur Karlikli will Stimmen im nördlichen Wahlkreis 3 holen. Die 53-Jährige engagiert sich im Bezirksbeirat Nord und in Migranteninitiativen. Die Kandidatin für den Wahlkreis 4, der vor allem die Neckarvororte abdeckt, ist Ursel Beck. Die 65-Jährige Cannstatterin ist stadtweit als Mietenaktivistin bekannt.

Die Linke braucht die Stuttgarter. Laut Bernd Riexinger hat die Partei grundsätzlich mehr Wähler in der Stadt als auf dem Land, und „wir sind schon eine Kraft im Gemeinderat“. Hier hat die Partei außerdem ihren größten Kreisverband im Land. Der Parteichef betont: „Wenn wir in den Landtag reinkommen wollen, müssen wir in Stuttgart ein sehr gutes Ergebnis holen.“




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