Landwirtschaft Kreis Esslingen Zukunft der Landwirtschaft

Von Simone Lohner 

Anfang September ist die Zukunftskommission Landwirtschaft in Berlin gestartet. Welche Vorstellungen haben Umweltschützer, Kreisbauernverband und Landwirte im Kreis Esslingen zur Zukunft der Landwirtschaft?

Im vergangenen Jahr demonstrierten Landwirte deutschlandweit –  ein Anstoß für die Zukunftskommission. Foto: /SDMG/Krytzner
Im vergangenen Jahr demonstrierten Landwirte deutschlandweit – ein Anstoß für die Zukunftskommission. Foto: /SDMG/Krytzner

Kreis Esslingen - Subventionen, Tierwohl und der Umweltschutz sind drei der Themen, die auf der Agenda der Zukunftskommission Landwirtschaft stehen, die seit 7. September in Berlin tagt. Den Anstoß für das Gremium haben unter anderem die Bauernproteste 2019 gegeben. In Zeiten der Corona-Pandemie sind Lebensmittel und damit auch die Landwirtschaft in das Bewusstsein vieler Menschen gerückt. Zuletzt standen die Arbeitsbedingungen in Fleischbetrieben, das Verbot, Küken zu töten oder auch das Fehlen ausländischer Erntehelfer in den Schlagzeilen. Welchen Fokus und welche Ziele die Landwirtschaft in Zukunft hat, diskutieren in der Kommission Politiker, Verbände, Landwirte und Umweltschützer. Wir haben Umweltorganisationen, den Kreisbauernverband und Landwirte im Kreis Esslingen befragt: Wie sehen sie die Landwirtschaft in Zukunft?

Landwirt, Filderstadt-Bernhausen: Armin Schlecht, Geschäftsführer der Sauerkraut-Fabrik Spitzbüble in Filderstadt sieht die Kommission positiv und findet es gut, dass verschiedene Mitglieder im Gremium sitzen. Zur Zukunft der Landwirtschaft, insbesondere im Kreis, sagt er: „Ich bin grundsätzlich kein Befürworter von Subventionen.“ Aus seiner Sicht wären kleinere Betriebe dadurch benachteiligt. „Insgesamt ist es das Ziel, gesunde Lebensmittel zu gleichen Bedingungen zu produzieren“, sagt der 46-Jährige. Die Marktpreise seien im Moment ähnlich, nur die Produktionsbedingungen nicht. Der Verbraucher müsse mehr für die Produkte ausgeben. Das Augenmerk müsse man auf die Versorgung vor der Haustüre legen. Es sei kein Fehler, wenn ein Teil der Landwirtschaft, die man hier produzieren kann, auch hier produziert. Das sei auch im Sinne der Ökobilanz, weil die Transportwege kurz sind.

Landwirt, Leinfelden-Echterdingen: Walter Vohl ist gespannt auf die Ergebnisse der Zukunftskommission, hat aber keine große Hoffnung. „Es werden nicht allzu viele praktische Vorstellungen sein, wie wir als praktische Landwirte die Ziele zu erreichen haben“, sagt der 69-Jährige. Der Klimawandel sei spürbar. „Seit zwei bis drei Jahren gibt es zu wenig Niederschlag“, sagt Vohl. „Viele Kulturen müssen wir mit Trinkwasser beregnen.“ Die Grundwasservorräte seien nicht gefüllt. Es sei eine spannende Frage, ob man resistente Sorten züchten kann, die mit wenig Wasser auskommen. „Oder ob wir auf ganze andere, nicht bekannte Kulturen ausweichen müssen.“ Das aber erfordere, dass es einen Markt dafür gibt. Er erwartet von der Zukunftskommission „umsetzbare Vorschläge“. Zum Beispiel zu der Frage, ob und wie man die Kulturen wassersparender beregnen kann.

Kreisbauernverband: Der Vorsitzende des Verbandes, Siegfried Nägele, sagt: „Die Erwartungshaltung ist überschaubar.“ Man müsse aber eine Stück weiter kommen, um ein Verständnis zu bekommen und „die nicht notwendige Distanz zwischen Landwirten und der gesamten Gesellschaft wiederzubeleben“. Man brauche Emotionen, aber auf eine gewisse Fachlichkeit. „Wenn man regionale Produkte haben will, muss man regionale Landwirtschaft zulassen“, sagt Siegfried Nägele. Die Landwirtschaft müsse sich in Zukunft weiterentwickeln. Der Landkreis hätte gute Perspektiven – mit vielen Verbrauchern vor der Haustüre und guten Böden. „Die Landwirtschaft lässt sich nicht nach Kalender machen, sondern man muss sich an der Natur ausrichten“, sagt Siegfried Nägele.

Greenpeace-Gruppe Esslingen: Ulrich Schwarz von der Greenpeace-Ortsgruppe Esslingen sagt: „Grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass das Thema Umwelt- und Klimaschutz nicht vergessen wird und dass sich Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Umweltschutz und Industrie mit der Politik zusammensetzen.“ Dennoch befürchtet er, dass sich „Lobbygruppen aus Industrie und Wirtschaft mit ihren Interessen weitgehend durchsetzen“. Das habe sich bei ähnlichen Lösungsansätzen wie der Klimakommission gezeigt. Greenpeace fordere einen Systemwechsel. „Weg von der Billigproduktion von Lebensmitteln auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit, hin zu einer zukunftsfähigen naturnahen Landwirtschaft.“ Denn intensive Landwirtschaft trage „massiv zur Erderhitzung bei“.

BUND-Gruppe Kirchheim: Martin Dieterich, Vorsitzender der Ortsgruppe, sagt: „Wir brauchen eine Einkommenssicherung auch für kleinere Betriebe.“ Der Druck zu importieren werde größer. Damit verlagere man Umweltprobleme nach außen. „Man muss die regionale Vermarktung im Blick haben und das unterstützen“, sagt der 62-Jährige. Die Biodiversität müsse ein wichtiges Thema sein, und das müsse man zusammen mit den Landwirten und der Landwirtschaft in Einklang bringen. Insbesondere das Grünland könne mehr CO2 speichern als Ackerland. „Es gibt die klare Lösung nicht mehr“, sagt Dieterich. Weniger Ackerland würde bedeuten, dass es mehr Importe geben muss. Wegen des Klimas müsse man aber auch das Grünland erhalten. Ein Problem sei, dass Ackerland durch Überbauung verloren gehe.




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