Lange Nacht der Museen in Stuttgart Die Herberge der Demokratie

Aus der „Herberge der Demokratie“ regnete es bei der Museumsnacht Flugblätter. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 5 Bilder
Aus der „Herberge der Demokratie“ regnete es bei der Museumsnacht Flugblätter. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zur Langen Nacht der Museen hat die Stuttgarter Zeitung zu einer audiovisuellen Ausstellung eingeladen. Dabei ging es um die Wiederbelebung des Stammtischs.

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Stuttgart - Der Stammtisch ist tot – es lebe der Stammtisch! Nun, tot war er freilich nie, aber in jüngerer Vergangenheit doch reichlich eingestaubt. Zur Langen Nacht der Museen am Samstagabend hat das Redaktionsteam der Stuttgarter Zeitung den Stammtisch wiederbelebt, und zwar unter dem Motto „Reclaim the Stammtisch“. Und zwar als Ort politischer Meinungsbildung. Es lebe nicht die Monarchie, sondern die Demokratie! So verwandelte sich das zweite Stockwerk über der Bar Transit/Bergamo am Hans-im-Glück-Brunnen für eine Nacht in die „Herberge der Demokratie“.

Aus den Fenstern flatterten Flugblätter auf die Flaneure nieder: „Demokratie ist eine mühevolle und mangelhafte Regierungsform - aber die beste“, war darauf etwa zu lesen. Die politische Ausstellung, kuratiert von Timo Schillings, Kerstin Rudeck und Christina Wüseke, führte dann mit kurzen, von der Stuttgarter Zeitung produzierten Podcasts in die verschiedenen Facetten der Demokratie ein. Inszeniert wurden die Audiostücke mittels antiker Kassettenrekorder. Außerdem waren die Autoren Ingmar Volkmann, Hilke Lorenz, Mirko Weber, Armin Käfer und Christian Milankovic der Stuttgarter Zeitung sowie Thomas Schnabel, ehemaliger Leiter vom Haus der Geschichte, anwesend, um mit den Besuchern der Langen Nacht der Museen zu diskutieren.

Auf Bierdeckeln – worauf auch sonst – wurden Fragen zur Demokratie verteilt, die von den Besuchern beantwortet werden konnten: „Wie viele Demokraten braucht es für eine Demokratie“ oder „Wer hat in einer Demokratie das letzte Wort“. Das Ziel der Ausstellung - miteinander statt übereinander reden - wurde an diesem Abend erfüllt. Es ging etwa darum, ob eine Schule nach Paul von Hindenburg benannt werden darf. Oder darum, welche Namen Straßen tragen dürfen - und welche nicht. Sogar abgestimmt wurde - zumindest fast. Es lebe der Stammtisch! Es lebe die Demokratie!

Die Beiträge zum Thema im Überblick

* In jüngster Zeit hat die Ur-Idee des Stammtischs wieder mehr Anhänger gefunden. Dabei ist zu beobachten, dass es heute weniger ums Hocken, Trinken und Lamentieren geht, sondern mehr ums folgende Handeln, erklärt Mirko Weber in seinem Podcast zum selben Thema.

* Die Demokratie leidet am Zeitgeist: Respekt für andere Meinungen ist aus der Mode. Viele wollen nicht mehr verstehen, warum Entscheidungen Kompromisse erfordern. Da ist es ratsam, an Carlo Schmid zu erinnern, einen der Väter des Grundgesetzes, findet Armin Käfer in seinem Podcast zur „Krise der Demokratie“.

* Auch die Europa-Skepsis scheint so stark wie lange nicht mehr, nicht nur wenn man nach Ungarn oder Italien schaut. Deshalb müssen wir unsere europäische Identität jetzt noch stärker betonen, findet StZ-Autor Ingmar Volkmann in seinem Podcast.




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