Lasst uns über ... den Zervixschleim reden Ein Schleim, den Frauen nicht unterschätzen sollten

Von Jutta Böhmler-Hahn (aufgezeichnet von

Von fruchtbaren Tagen bis hin zu einer möglichen Infektion: Der Zervixschleim kann viel verraten. Warum es daher wichtig ist, dass Frauen sich mit ihm auskennen und warum er in den letzten Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten ist, erklärt die Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

Der Zervixschleim verrät viel über die Fruchtbarkeit einer Frau. Foto: imago/Ikon Images/imago stock&people
Der Zervixschleim verrät viel über die Fruchtbarkeit einer Frau. Foto: imago/Ikon Images/imago stock&people

Stuttgart - Jede Frau hat ihn, aber nicht jede kennt ihn wirklich und einige finden ihn sogar störend: ihren Zervixschleim. Dabei ist der Ausfluss völlig normal und sogar wichtig. Denn eine trockene Scheide ist alles andere als gut und gesund. Doch der Zervixschleim kann noch viel mehr als nur die Scheide feucht halten.

Das Sekret, das hauptsächlich aus Wasser, Schleimstoffen, Salzen, Enzymen und Zucker besteht, wird von Drüsen des Gebärmutterhalses gebildet. Es ist natürlich zyklusabhängig und hat – wie so vieles – den eigentlichen Zweck, schwanger zu werden. Denn eine Aufgabe des Zervixschleims ist es, den Spermien den Weg zur Eizelle zu weisen. Aber auch zur Abwehr von Keimen ist er enorm wichtig.

Da sich der Zervixschleim durch die Hormone im Laufe eines Menstruationszyklus verändert, kann eine Frau an ihm sehr gut erkennen, in welcher Phase sie sich befindet. Wichtig ist dabei eine gewisse Routine und Erfahrung, um ihn richtig deuten zu können. Je häufiger der Zervixschleim um den Eisprung herum untersucht wird, desto präziser sind die Vorhersagen der fruchtbaren Tage. Und da wären wir beim wohl größten Problem. Viele Frauen popeln sich einfach nicht gerne mit dem Finger in der Scheide herum, aber nur so geht es.

Bitte keine Tampons gegen den Ausfluss verwenden

Mittlerweile haben wir es wohl auch verlernt, denn in Zeiten vor all den hormonellen Verhütungsmitteln war es völlig normal und eine wichtige Methode, um herauszufinden, ob man gerade besonders gut schwanger werden kann. Der Zervixschleim ist „ein Guter“, und davor braucht sich keine Frau zu ekeln oder gar gegen den Ausfluss dauerhaft ein Tampon zu tragen.

Hat man das erst einmal akzeptiert, so lässt sich viel aus dem Zervixschleim lesen. Und das geht so: Einfach vor dem Toilettengang einen Finger in die Scheide einführen und beobachten, ob sich die Scheide trocken oder glitschig anfühlt. Wenn man etwas Schleim am Finger hat, dann Zeigefinger und Daumen aufeinanderlegen und langsam wieder auseinanderziehen. Am besten macht man das mehrmals am Tag.

Wie sieht der Zervixschleim wann aus?

Vor dem Eisprung ist er flüssig, durchsichtig, spinnbar und zieht zentimeterlange Fäden. Die Scheide fühlt sich regelrecht glitschig an. Das sind die besten Voraussetzungen für die Spermien, um einfach und schnell zur Gebärmutter zu gelangen. Ist eine Schwangerschaft gewünscht, sind das die besten Tage für Sex. Wenn nicht, sollte man dringend verhüten.

Nach dem Eisprung und vor der Periode wird der Zervixschleim klumpig und klebrig. Auch die Farbe ändert sich, er wird gelblich oder weißlich. Manchmal verschwindet der Schleim auch komplett. Bis zum Einsetzten der Regelblutung ändert sich die Beschaffenheit des Schleims nun nicht mehr.

Direkt nach der Periode haben die meisten Frauen kaum Ausfluss, erst ein paar Tage nach Ende der Periode ist der Zervixschleim wieder gut spürbar. Er ist dann weißlich, cremig und etwas zähflüssig.

Die Beschaffenheit des Zervixschleims sollte man sich auf jeden Fall notieren. Misst man zusätzlich noch die Basaltemperatur, ergibt sich ein recht genaues Bild über die furchtbaren und weniger fruchtbaren Tage. Aber auch für Frauen, die nicht schwanger werden möchten oder anders verhüten, lohnt sich ein Griff in den Zervixschleim. Denn auch gesundheitliche Veränderungen können so erkannt werden.

Zervixschleim kann beeinflusst werden

Sind Geruch, Beschaffenheit oder Farbe ungewöhnlich und treten Beschwerden auf, dann sollte man auf jeden Fall zum Arzt. Aber auch Frau selbst kann die Qualität des Zervixschleims beeinflussen. Viel trinken hilft dabei ebenso wie bestimmte Nahrungsmittel (Brokkoli, Spinat und Co.), die den Schleim optimieren können. Damit alles so flutscht, wie es soll.

Eine Übersicht aller Teile unserer Kolumne „Lasst uns über ... reden“ finden Sie hier.




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