Lehrerverband zur Corona-Krise Normalität an Schulen nach den Osterferien unrealistisch

Von red/dpa 

Seit fast vier Wochen sind die Pausenklingeln in den Schulen stumm und die Stühle hochgestellt. Immer lauter wird nun die Frage gestellt: Wie geht es weiter nach den Osterferien? Der Lehrerverband macht wenig Hoffnung, dass schnell Normalität einkehrt.

Die Schulen sollen wohl stufenweise wieder geöffnet werden. (Symbolbild) Foto: dpa/Fabian Strauch
Die Schulen sollen wohl stufenweise wieder geöffnet werden. (Symbolbild) Foto: dpa/Fabian Strauch

Berlin - Eine Rückkehr zum normalen Unterricht an den Schulen direkt nach den Osterferien wird es nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes nicht geben. Alles hänge von der medizinisch-virologischen Lageeinschätzung und den Maßnahmen ab, die am kommenden Mittwoch von den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen und verkündet würden, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin mir aber sicher, dass es nach den Osterferien keinen Unterrichts-Vollstart an den Schulen geben wird.“

Merkel und die Länderchefs wollen am Mittwoch nach Ostern über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Es geht dabei vor allem um die Frage, inwieweit beschlossene Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung des Virus wieder gelockert werden können oder nicht. Sollte bei der Schalte eine Verlängerung oder Verschärfung der bisherigen Maßnahmen vereinbart werden, dann werde es auch keine Schulöffnungen geben, sagte Meidinger. „Wird aber der Lockdown gelockert, kann man auch eine stufenweise Rückkehr zum Schulbetrieb wieder andenken.“

Abschlussklassen haben Priorität

Unter stufenweiser Rückkehr stellt sich der Lehrerverbandspräsident, der selbst ein Gymnasium im niederbayerischen Deggendorf führt, beispielsweise eine gestaffelte Rückkehr der Schüler vor, beginnend mit den Abschlussklassen für Abitur, Mittlere Reife und Hauptschulabschluss - vor allem wegen der Prüfungen. Die Kultusminister der Länder hatten Ende März vereinbart, dass die Schulabschlussprüfungen in Deutschland trotz Corona-Krise stattfinden sollen. In Hessen und Rheinland-Pfalz wurden zuletzt unter strengen Hygienevorschriften auch während der Zeit der Schulschließungen Abiturprüfungen durchgeführt.

Eine Tendenz, wie die Entscheidung von Bund und Ländern über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach dem 19. April ausfallen könnte, ist kurz vor Ostern noch nicht zu erkennen. Mehrere Ministerpräsidenten hatten sich in den vergangenen Tagen zu ihren Erwartungen an die Schalte in der kommenden Woche mit Merkel geäußert. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte am Mittwoch, sie hoffe, dass danach eine Entscheidung zum Vorgehen an den Schulen stehe. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) forderte einen Konsens aller 16 Bundesländer beim Zeitplan für die Wiedereröffnung von Schulen und Kitas. NRW werde bei den Beratungen mit Kanzlerin Merkel darauf dringen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Dienstag explizit auf Österreich verwiesen, das in der Entwicklung drei Wochen voraus sei: Dort würden viele Maßnahmen verlängert, Ausgangsbeschränkungen blieben, und auch die Schulen würden geschlossen bleiben.

Nach Meidingers Ansicht wären bei einer Rückkehr in den Schulbetrieb auch Gruppen- und Klassenteilungen vorstellbar, um einen höheren Sicherheitsabstand einhalten zu können. „Auch eine Verpflichtung zu einfachen Atemschutzmasken halte ich für möglich, wenn sie von den Landesregierungen den Schulen zur Verfügung gestellt werden können“, sagte der Lehrerverbands-Präsident. Außerdem brauche es Ausnahmeregelungen für besondere Risikogruppen unter Schülern und Lehrkräften. „Diese Personen sollte man weiter nicht zur Unterrichtspräsenz verpflichten und dafür Sonderregelungen erwägen.“

Gesundheit steht weiter im Vordergrund

Eine Forderung, die auch von den Berufsschullehrern gestellt wird. „Die Risikogruppen müssen klar definiert sein. Der Mindestabstand in den Klassenräumen muss gewährleistet sein“, hieß es am Mittwoch vom Bundesverband für Lehrkräfte der Berufsbildung (BvLB). Zudem müssten die hygienischen Bedingungen in den Schulen dem Infektionsschutzgesetz genügen und der Gesundheitsschutz müsse für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen garantiert sein. „Andernfalls kann der Unterricht an beruflichen Schulen nicht starten.“

Und auch falls der Betrieb bald schrittweise wieder losgeht, die lange Ausnahmesituation wird nach Ansicht des Lehrerverbandes lange nachwirken. Präsident Meidinger spricht von „Lernlücken, die trotz Homeschooling“ entstanden seien. Diese zu schließen, werde sich noch bis weit ins nächste Schuljahr hineinziehen.