Leichtathletik Weil sein Rad kaputt ist, wird er Extremläufer

Von Bartek Langer 

Der Höfinger Janosch Kowalczyk lässt schon im Kindesalter die Bambini-Konkurrenz stehen und entdeckt während seines Studiums seine Leidenschaft für die lange Strecken. Da kann es ruhig mal auch die Zugspitze sein, die er erklimmt.

Janosch   Kowalcyk         (rechts)   kommt  als   Ultraläufer  viel   herum, wie hier  beim    Marathon    in Valencia.          Er träumt von  Extremläufen    in Kalifornien oder in  der Wüste Marokkos. Foto: privat
Janosch Kowalcyk (rechts) kommt als Ultraläufer viel herum, wie hier beim Marathon in Valencia. Er träumt von Extremläufen in Kalifornien oder in der Wüste Marokkos. Foto: privat

Leonberg - Einen Halbmarathon absolviert Janosch Kowalczyk quasi zum Frühstück. Der 26-Jährige vom Lauftreff des TSV Höfingen ist ein Ultramarathonläufer. Er sucht die Herausforderung schon mal in einem Nacht-Rennen über 100 Kilometer oder bei einem Marathon auf den höchsten Berggipfel Deutschlands – die Zugspitze mit 2962 Metern.

Dass Janosch Kowalczyk das Siegertreppchen beim 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel nur ganz knapp verpasste, lag vielleicht an den fünf Tellern Spaghetti mit Tomatensoße, die er – um die nötigen Kohlenhydrate zu tanken – vor dem Rennen verschlungen hatte und die aber am Ende wohl zu viel waren. Nach 15 Kilometern lag er noch auf Platz eins, dann zwang ihn eine Magenverstimmung zu ungewollten Pausen. Dadurch fiel der 26-Jährige auf den 13. Platz zurück. „Normalerweise isst man ausgiebig am Vorabend des Rennens, doch hier ging es erst um 22 Uhr los”, erzählt der Höfinger, der eine fulminante Aufholjagd hinlegte und nach etwas mehr als sieben Stunden und 40 Minuten als Vierter ins Ziel kam – in seiner Altersklasse war er sogar Schnellster.

Für ihn persönlich war die Teilnahme bei dem Ultralauf im Rahmen der Bieler Lauftage im vergangenen Juni, der zu den weltweit größten seiner Art gehört, sicherlich der Höhepunkt in seiner bisherigen Karriere als Ultramarathonläufer. „Es war ein Extremlauf wie er im Buche steht – mit all seinen Höhen und Tiefen”, sagt der Höfinger, der damit aber nicht die Höhenmeter auf der Strecke meint, fällt doch diese mit knapp 500 noch recht gnädig aus. „Mit den Magenproblemen hatte ich mich schon gefragt, wie lange es mein Körper aushält, wenn ich so viele Mineralien und Wasser verliere.” Zum Glück habe er einen Fahrradbegleiter an seiner Seite gehabt, der ihn regelrecht zum Trinken gezwungen habe. „Das hat mich womöglich auch gerettet”, sagt Kowalczyk. Überrascht von der guten Platzierung sei er nicht gerade gewesen. „Bei der Anmeldung war für mich klar, dass ich nicht mitmache, um nur ins Ziel zu kommen, sondern um vorne mitzumischen“, sagt er. Schließlich hatte er für das Rennen sein Trainingspensum deutlich erhöht. Läuft er üblicherweise bis zu 100 Kilometer pro Woche, war es seit Februar bis zum Startschuss in der Schweiz die doppelte Strecke.

Was treibt einen dazu, stundenlang durch die Gegend zu hetzen? „Das Laufen ist für mich nicht etwas, wozu ich mich zwingen muss“, sagt der Ultramarathonläufer. Klar, sich quälen und an die eigenen Grenzen gehen, das gehöre dazu. Aber man bekomme sehr viel zurück. „Für mich ist es Entspannung, ich kann dabei besser nachdenken und Frust abbauen, ganz zu schweigen vom gesundheitlichen Aspekt“, sagt der Höfinger. Ein flotter Lauf gehöre für ihn genauso zum Sonntag wie das ausführliche Frühstück danach.

Deswegen schnürt er so oft es geht die Schuhe. Bis zu zehn lange Läufe sind es pro Jahr, dazwischen – quasi zum warm werden – die ein oder andere 10-Kilometer-Distanz oder ein Halbmarathon. Im Juli 2015 verschlug es ihn sogar auf die Zugspitze, wo er beim Trail-Marathon, einem der härtesten Rennen in Europa, Fünfter wurde – und das ohne besonderes Berglauftraining. Dafür wurde der 26-Jährige bei der Leonberger Sportlerehrung ausgezeichnet. Und in diesem Jahr holte er sich den Sieg bei einem Traillauf über 32 Kilometer in der Pfalz – mit einem sagenhaften Vorsprung von zehn Minuten auf den Zweitplatzierten.

Das Läufer-Gen hat er von seinem Vater geerbt. „Er war früher regelmäßig bei Volksläufen unterwegs und nahm mich immer mit“, erzählt Kowalczyk, der schon als Dreikäsehoch die Konkurrenz bei Bambini-Läufen problemlos ausstach. „Die sind mit einem Affenzahn losgerannt, waren aber auch gleich fertig, während ich langsam loslief und sie dann überholte.“ Nach einem kurzen Intermezzo in der Höfinger Fußballabteilung sowie beim TSV Eltingen bekam das Laufen mit seinem Studium in Karlsruhe neuen Auftrieb, als er dort mit einer Gruppe Gleichgesinnter die ersten Marathons bewältigte.

Das Schlüsselerlebnis folgte aber im Frühjahr 2012. „Ich wollte damals an einem Sonntag von Karlsruhe nach Höfingen radeln, 60 Kilometer in gut zwei Stunden, doch mein Rennrad ging kaputt“, erinnert sich der 26-Jährige. Damals sei er noch ein leidenschaftlicher Sonntags-Radler gewesen. „Dann dachte ich mir, was tun am nächsten Sonntag?“, erzählt Kowalczyk und sagt mit einem Schmunzeln: „Eine Woche später habe ich dann bei meinem ersten Ultralauf im Schwarzwald gefinisht.“

Die Liste an Extremläufen, an denen der Softwareingenieur noch starten möchte, ist lang. „Da ist zum Beispiel der ‚Western States Endurance Run’ über 100 Meilen im Norden Kaliforniens oder auch ein Wüstenlauf in Marokko“, sagt Kowalczyk. Doch solche Unternehmungen seien mit hohen Kosten verbunden. „Und der Laufsport wird nicht gerade mit Geld überschüttet“, weiß der Höfinger. Deshalb ist er auf der Suche nach einem passenden Sponsor.