Leichtathletik-WM Darum sind Deutschlands Speerwerfer Weltklasse

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Die deutschen Speerwerfer Johannes Vetter, Thomas Röhler und Andreas Hofmann sind in ihrer Disziplin das Maß aller Dinge. Das wollen sie auch bei der WM in Doha unter Beweis stellen.

Sie sind gute Kumpels und erbitterte Rivalen: Andreas Hofmann (links) und Thomas Röhler. Foto: AFP/Andrej Isakovic
Sie sind gute Kumpels und erbitterte Rivalen: Andreas Hofmann (links) und Thomas Röhler. Foto: AFP/Andrej Isakovic

Doha - Zwischen Training, Essen und Mittagsschlaf muss an diesem Donnerstag auch noch ein kurzfristig vereinbarter Termin im Mannschaftshotel passen. In Raum Al Jazi warten Kameras und Mikrofone auf die Männer, deren Aufgabe es ist, die Nation zu beruhigen. Nur der dritte Platz der Hindernisläuferin Gesa Krause hat bislang Eingang in den Medaillenspiegel der Leichtathletik-WM in Doha gefunden – vor dem Abschlusswochenende gilt es also, so etwas wie Zuversicht zu verbreiten. Wer könnte das besser als Deutschlands Speerwurf-Team, die Medaillenschmiede des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV)?

Seit Wolfermann 1972 Weltspitze

Es ist eine Disziplin, in der seit dem legendären Olympiagold von Klaus Wolfermann 1972 in München immer wieder deutsche Athleten wie Frank Tafelmeier (Europmeister 1986) oder Matthias de Zordo (Weltmeister 2011) auf dem Podium internationaler Großereignisse standen. Nie aber ist die Dominanz so groß gewesen wie in den vergangenen Jahren. Olympiasieger 2016: Thomas Röhler. Weltmeister 2017: Johannes Vetter. Europameister 2018: Thomas Röhler vor Andreas Hofmann. Alle drei sind auch in Doha am Start, wo am Samstag die Qualifikation auf dem Programm steht.

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Während deutsche Leichtathleten in anderen Wettbewerben der Weltspitze hinterherhinken, sind die Speerwerfer das Maß aller Dinge. Warum das so ist? Einerseits ist der Speerwurf eine Disziplin, die zwar auch viel Kraft, vor allem aber ausgefeilte Technik erfordert. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele Physiker, Biomechaniker, Ingenieure und andere Wissenschaftler, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie Abwurfwinkel, Materialmischungen oder Anlaufgeschwindigkeiten zu optimieren sind. Mit anderen Worten: Vorsprung durch Technik.

Drei Asse, drei Trainingsstätten, drei Typen

Als großen Vorteil hat es sich andererseits herausgestellt, dass die besten deutschen Werfer an unterschiedlichen Stützpunkten trainieren: Thomas Röhler (28) in Jena, Johannes Vetter (26) in Offenburg, Andreas Hofmann (27) in Mannheim. Das sei schon in der Jugend „extrem motivierend“ gewesen, sagt Röhler, „Wir alle haben unterschiedliche Trainingsansätze, unterschiedliche Ideen. Dass wir uns regelmäßig darüber austauschen, bringt uns alle enorm nach vorne.“

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Es sind nicht nur unterschiedliche Ansätze, sondern auch ganz unterschiedliche Typen. Ein hoch intelligenter Analytiker ist Wirtschaftswissenschaftler Röhler, der zudem als Athletensprecher des Leichtathletik-Weltverbands IAAF amtiert. Ein schnurgerader Kraftbolzen mit lockerem Mundwerk ist Sportsoldat Vetter, ein in sich ruhender Gute-Laune-Bär Sportstudent Hofmann. Dass sie sich nicht ständig sehen und so grundverschieden sind, hat aus den Konkurrenten gute Kumpels gemacht. „Jeder macht sein Ding, aber trotzdem gönnen wir uns gegenseitig den Erfolg“, sagt Johannes Vetter.

Wer wird in Doha der Beste sein?

Als Titelverteidiger geht Vetter an den Start, doch hatte er in den vergangenen Monaten mit hartnäckigen Fußproblemen zu kämpfen. Das vorzeitige Saisonende stand lange im Raum – nun folgt die nötige Operation kurz nach der WM. Vom großen Wurf in Doha will sich Vetter davon aber nicht abhalten lassen, wie er in seiner unnachahmlich Art erklärt: „Salopp gesagt versuche ich nach diesem schwierigen Jahr aus Scheiße Gold zu machen.“

Röhler will keinen Druck

Ohne die maximalen Erwartungen geht auch Olympiasieger Röhler in Doha an den Start. Technikprobleme machten ihm in dieser Saison zu schaffen, er blieb teils weit hinter seinen Möglichkeiten. Zudem ist die WM für ihn nicht viel mehr als eine Durchgangsstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio. Der Stellenwert als Olympiasieger sei riesig, sagt Röhler, er habe die angestrebte Titelverteidigung bereits fest im Blick. Die Welt wird für ihn nicht untergehen, sollte es in Doha ein anderer sein, der am Ende ganz oben steht. Ohnehin findet er diese Wüsten-WM „traurig und ernüchternd“. Röhler wünscht sich, „dass wir künftig in Stadien gehen, wo das gemacht wird, wofür wir leben – die Leichtathletik.“

Wird also Andreas Hofmann diesmal der lachende Dritte? Ein internationaler Titel fehlt ihm zwar noch – mit seinem Sieg bei den deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin aber untermauerte der 1,95-Meter-Hüne seine Ansprüche auf einen teaminternen Machtwechsel. „Das Ziel ist immer, vorne mit dabei zu sein“, sagt Hofmann, „und das Hauptziel lautet, ganz oben zu stehen.“