Leinfelden-Echterdingen Für saubere Luft im Klassenzimmer

Trotz frostiger Außentemperaturen gehört das Stoßlüften von Klassenräumen weiter zum Alltag der Schüler. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Trotz frostiger Außentemperaturen gehört das Stoßlüften von Klassenräumen weiter zum Alltag der Schüler. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Kräftiges Stoßlüften ist neben Maskentragen im Schulalltag das Mittel der Wahl, um die Corona-Ansteckungsgefahr für Schüler und Lehrer gering zu halten. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen investiert nun zusätzlich in CO2-Ampeln – die Geräte sind allerdings auch umstritten.

Leinfelden-Echterdingen - Das Umweltbundesamt empfiehlt Lehrern alle 20 Minuten die Fenster aufzureißen und dann fünf Minuten offen stehen zu lassen. So sieht es auch die Corona-Verordnung vor. Heizdecken müssten die Eltern ihren Kindern trotz der frostigen Außentemperaturen nicht mit in die Schule geben, sagt Wolfgang Krause, Leiter des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums (PMHG) in Echterdingen. „Das Stoßlüften funktioniert mittlerweile gut“, sagt er. Die Klassenräume würden auch schnell wieder warm. Es werde zwar mehr Energie verbraucht als früher. Aber: „Es geht um das Wohl unserer Schüler.“ Lüften und Maskentragen, die notwendigen Maßnahmen fruchten: An seiner Schule habe es bisher weniger als fünf Corona-Fälle gegeben.

Das Kultusministerium will derweil „die Schulen noch stärker unterstützen, gut durch die Pandemie zu kommen“, ist auf dessen Homepage zu lesen. Das Land stellt 40 Millionen Euro zur Verfügung und fördert auch Investitionen in „raumlufthygienische Maßnahmen“.

Passgenau lüften

Kommunen erhalten also Geld vom Land, wenn sie ihre Schulen mit Kohlenstoffdioxid-Sensoren, Luftreinigungsgeräten oder anderen geeigneten Geräten ausstatten, die das regelmäßige Lüften unterstützen oder einen ausreichenden Luftaustausch sicherstellen. In L.-E. rechnet Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell mit 3500 Euro pro Schule. Die Stadt hat auch bereits Fakten geschaffen und 300 CO2-Ampeln von einem Hersteller mit Sitz in Oberaichen bestellt. Die Geräte saugen die Raumluft an, ein Sensor misst den Kohlenstoffdioxid-Gehalt. Zeigt die Ampel Grün, ist alles gut, bei Rot muss gelüftet werden. „Gerade in den Wintermonaten bekommen wir so gute Hinweise, wie wir passgenau lüften“, sagt der Rektor Krause. An seiner Schule werden die Ampeln in den nächsten Wochen in Betrieb gehen. Laut Kalbfell ist das Ziel bis Weihnachten, alle Schulen, aber auch Kindergärten, die Schulkindbetreuung und Verwaltungsräume mit den Geräten auszustatten. Dieses passgenaue Lüften sei auch über die Corona-Zeit hinaus eine gute Sache, sagen Krause und Kalbfell. Denn wenn der CO2-Gehalt in der Luft zu hoch ist, komme es zu Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten bei den Schülern. Für drei naturwissenschaftliche Räume im PMHG, die schlecht zu lüften sind, überlegt man, deutlich teurere Luftfilter-Anlagen anzuschaffen, erklärt Krause. Eine solche Anlage kostet allerdings 3000 Euro. „Das kann man sicher nicht flächendeckend machen“, sagt er.

CO2-Ampeln, Luftfilter-Anlagen, UV-Licht-Lampen: Welche Geräte sind geeignet, welche nicht? Darüber lässt sich streiten. Im jüngsten Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen machte Eberhard Wächter (Freie Wähler/FDP) keinen Hehl daraus, dass er von den CO2-Ampeln wenig hält. Diese seien nicht dafür geeignet, die Konzentration der Aerosole in der Luft zu messen, sie würden eine Scheinsicherheit erzeugen.

Der Apotheker setzt auf Luftfilter-Anlagen. In diese zu investieren, sei insbesondere für fensterlose Räume, wie Chemie- und Physikräume, zu prüfen. Solche Geräte töten mit ultravioletter Strahlung Viren, Bakterien oder Schimmel ab. Unterstützung bekam Wächter von SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. Grünen-Stadtrat Martin Klein, der Lehrer ist, kann derweil auch den CO2-Ampeln viel abgewinnen. „Man vergisst im Unterricht manchmal das Lüften“, sagt er. Zumal nicht in jedem Klassenzimmer eine teure Luftfilter-Anlage aufgestellt werde könne. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Kalbfell dazu.

Auch in Filderstadt Thema

Mehr Schutz vor der Ansteckung durch Covid-19-Aerosole in Schulen, Sporthallen und Veranstaltungsräumen der Stadt zu schaffen, diese Forderung wird auch in der Nachbarstadt Filderstadt laut. „Wir beantragen sofort zusätzliche Maßnahmen zur Stoßlüftung von Räumen zu ergreifen“, heißt es in dem Antrag, den Walter Bauer (SPD) an Oberbürgermeister Christoph Traub geschickt hat. Nachdem auch der Landkreis solche Maßnahmen ergreife und drei Unternehmen im Landkreis über entsprechende Kompetenzen verfügten, „sollten wir als Stadt Filderstadt auch initiativ werden“. Für 2021 seien Mittel in den Nachtragshaushalt aufzunehmen.




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