Leinfelden-Echterdingen Platz für 15 Busse und eine Kaffeemaschine

Von Natalie Kanter 

Zur Hochphase der Flüchtlingsbewegung lebten auf diesem Gelände bis zu 300 Menschen. Und noch immer wohnen in den Container bis zu 30 Leute, die sonst keine Bleibe hätten. Dennoch will die Stadt das Renault-Gelände nun anders nutzen.

In diesen Containern am Ortsrand von Echterdingen wohnen noch immer  bis zu 30 Menschen. Foto: Kanter
In diesen Containern am Ortsrand von Echterdingen wohnen noch immer bis zu 30 Menschen. Foto: Kanter

Echterdingen - Der Pachtvertrag ist noch nicht unterzeichnet. Laut Axel Koffmane, Verkehrsplaner der Firma Friedrich-Müller-Omnibus (FMO), geht es nur noch um Feinheiten. Es sieht also ganz danach aus, dass von Januar an, die 15 Busse des Unternehmens, die täglich über die Filder rollen, nach Betriebsschluss auf dem Renault-Gelände abgestellt werden. Und das obwohl auf diesem Areal noch immer bis zu 30 MenschenFlüchtlinge und von Obdachlosigkeit bedrohte Leute – in Containern leben.

Die Stadt hat das Areal am Echterdinger Ortsrand der Firma als Abstellplatz für deren Fahrzeuge angeboten. „Darüber sind wir sehr glücklich“, sagt Koffmane. Denn FMO sucht, seitdem die Firma im Dezember 2018 das neue Linienbündel mit dem Subunternehmer Omnibusverkehr Melchinger übernommen hat, händeringend nach einem solchen Platz.

Was geschieht auf einem solchen Stellplatz alles?

Auf dem Gelände werden nicht nur die Fahrzeuge parken, die für das Busunternehmen täglich auf den Fildern unterwegs sind. „Die Fahrer stellen dort auch ihre Pkw ab, wenn sie ihren Dienst antreten“, erklärt Koffmane. Auf dem Areal wird es einen Sozialcontainer geben. Dort können die Mitarbeiter ihre Fahrzeugpapiere einschließen. Es gibt eine Toi­lette und auch eine Kaffeemaschine. Ein Platz mitten im Einsatzgebiet verbessert laut FMO den gesamten Ablauf. Er garantiere einen schnellen Zugriff auf Reservefahrzeuge, wenn ein Bus ausfalle. Die Umwelt werde geschont, wenn die Fahrzeuge bereits im Einsatzgebiet stehen. Das helfe den Ausstoß an Emissionen zu verringern.

Wo parken die Fahrzeuge bisher?

Bisher nutzt die FMO die Fläche unter dem Boschparkhaus an der Autobahn A8. Dabei handelt es sich um einen Interimsplatz, wie Koffmane sagt. Der Vertrag mit der Bahn läuft Ende des Jahres aus. „Das Gelände wird von der Deutschen Bahn für Bauprojekte beansprucht“, sagt der Verkehrsplaner.

An dieser Stelle verläuft künftig die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. „Wir können bestätigen, dass die Fläche aufgrund des Baufortschritts für die Flughafenanbindung im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm von 31. Dezember an nicht mehr von Dritten genutzt werden kann“, sagt ein Bahnsprecher.

Was passiert mit den Menschen, die auf dem Renault-Gelände leben?

Bis zu 300 Menschen haben zur Hochphase der Flüchtlingsbewegung auf dem Areal an der Leinfelder Straße gelebt. Der Landkreis Esslingen hatte den städtischen Grund gepachtet und von Oktober 2015 an dort Asylsuchende untergebracht. Ein Containerdorf mit 99 Plätzen wurde aufgebaut und um zwei Zelthallen mit 200 Plätzen erweitert. Später hat die Stadt die Container übernommen. Auch heute leben auf dem Gelände noch Menschen. Die Stadt bietet dort laut Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell bis zu 30 Flüchtlingen und Obdachlosen ein Dach über dem Kopf. „Unser Ziel ist es, das Kapitel Renault-Gelände als Flüchtlingsunterkunft zu schließen“, sagt er.

Dafür muss für die Leute, die dort leben, aber eine adäquate andere Bleibe gefunden werden. „Wir werden die Menschen anderswo unterbringen müssen. Wie schnell das allerdings gelingt, wird man sehen“, sagt dazu Peter Löwy, Leiter des Amtes für soziale Dienste in Leinfelden-Echterdingen.