Die Stadt will am Echterdinger Stangenkreisel eine Kita bauen, nun soll das Projekt tatsächlich voran getrieben werden. Wohnungen für Erzieher und andere städtische Mitarbeiter werden dort aber nicht entstehen. Wir erklären, warum eine gute Idee gescheitert ist.

Leinfelden-Echterdingen - Sieben Kräne, viele Arbeiter und mehrere Rohbauten prägen das Bild an der Leinfelder Max-Lang-Straße. Es wummert, dröhnt und scheppert dort tagein und tagaus: In den Schelmenäckern entsteht ein neues Stück Stadt. 232 Wohneinheiten werden gebaut, die zum Teil auch als sozial geförderter Wohnungsbau, preisgedämpfte Mietwohnungen oder als preiswertes Wohneigentum in den kommenden Jahren auf den Markt gehen werden. Leinfelden-Echterdingen hat auch sonst eine Wohnungsbauoffensive am Laufen, weil bezahlbare Wohnungen Mangelware sind. Aber nicht überall lassen sich solche Projekte verwirklichen. Wie ein Blick nach Echterdingen zeigt.

Am Stangenkreisel, direkt hinter einem Lärmschutzhügel, liegt auf unebenem Grund ein Gelände, das der Stadt gehört. Dort will sie schon lange eine Kindertagesstätte bauen. Denn in dem Stadtteil gibt es Wartelisten, aktuell fehlen dort 30 bis 40 Kita-Plätze, wie Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell auf Nachfrage sagt. Einst war geplant, dass die Kita 2021 fertig gestellt ist, wie die SPD-Fraktion in der jüngsten Gemeinderatssitzung feststellte.

Wohnungen für Erzieherinnen und andere

Weil gerade für Berufsgruppen, die wenig verdienen, die auf den Fildern gängigen Mieten kaum erschwinglich sind, kam die Verwaltungsspitze auf die Idee, nicht nur eine neue Betreuungseinrichtung zu bauen, sondern auf die Kita auch noch Wohnungen für Erzieherinnen und Erzieher und andere städtische Mitarbeiter zu setzen. Das Projekt erschien wegweisend, Stadträte zeigten sich begeistert, als die Pläne vorgestellt wurden. Drei Jahre später steht fest, dass sich der Gedanke nicht umsetzen lässt.

Mehrere Spezialisten erklärten in der Sitzung die Ausführung der Pläne auf diesem Gelände für unwirtschaftlich. „Wir haben dort eine ganze Reihe von Problemen“, sagte Oberbürgermeister Roland Klenk im Gremium. „Kostengünstiger Wohnungsbau ist dort nicht möglich“, stellte Tanja Arnold, die Leiterin des Hochbauamtes, fest. An dieser Stelle in sozialen Wohnungsbau zu investieren, „würde sich für die Stadt erst nach 39 Jahre amortisieren“, erklärte Anja Schubert, Leiterin des städtischen Immobilienamtes.

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Zu den Problemen gehörte auch, dass Anwohner des Stangengebietes mobil gemacht hatten. Sie wollten ein Hochhaus vor ihrer Haustüre verhindern. Der Hol- und Bringdienst der künftigen Kitakinder werde die Verkehrssituation an ihrer Straße deutlich verschlimmern, meinten sie. Sie befürchteten ein Verkehrschaos und noch mehr zugeparkte Stellplätze. „Wir haben sehr viele Gespräche mit Angrenzern geführt“, erinnerte Philipp Schwarz, Leiter des Planungsamtes, deshalb dann auch in der Sitzung.

Zunächst suchte die Kommune auch noch nach einem Partner – beispielsweise eine Baugenossenschaft – um das Projekt umsetzen zu können. Mittlerweile will die Stadt selbst bauen. Allerdings wird sie sich auf den Bau der Kita beschränken, der zügig angegangen werden soll, sodass der Neubau im Herbst 2026 möglicherweise fertig ist.

Lärmschutz und andere Hindernisse

Für mehr hätten die Bauarbeiter teils in den Hang eingreifen müssen, wie Schwarz erklärte. Der Hang hätte zuvor abgesichert werden müssen, betonte Arnold. Man hätte über den Lärmschutzwall hinaus bauen müssen. Der Bau einer zusätzlichen Lärmschutzwand wäre notwendig geworden. Schallschutzfenster und Lüftungsanlagen hätten zu deutlichen Mehrkosten geführt. Für die dort zunächst geplante Holzbauweise bräuchte man wegen des Brandschutzes eine Sonderzulassung, ein Brandschutzkonzept sei notwendig.

Stadträte reagierten teils schockiert auf die neue Entwicklung. „Wir haben uns drei Jahre lang damit beschäftigt. Jetzt kommt man zu dem Schluss, dass es sich nicht rechnet“, kritisierte Jürgen Kemmner (L. E. Bürger). Wolfgang Haug (FDP) dagegen erklärte: „Es freut mich, dass wir uns ehrlich machen, was dieses Bauprojekt angeht.“

Laut Oberbürgermeister Roland Klenk seien andere Grundstücke für den Wohnungsbau sehr gut geeignet. Der Kommune gehört in Unteraichen ein Areal an der Jakobstraße sowie in Echterdingen eines am Aicher Weg/Friedrich-List-Straße. Auf Letzterem Wohnraum zu schaffen, hat die CDU in einem Haushaltsantrag gefordert.