Leitartikel zur Verkehrssicherheit Bessere Radwege und Straßen retten Leben

Von Frank Schwaibold 

Bei der Verkehrssicherheit muss sich der Fokus mehr auf ältere Menschen, Radler und Lkw richten. Ein Kommentar von Frank Schwaibold

Ein Fahrrad mit schwarzem Kreuz erinnert an einen tödlichen Unfall an einer Kreuzung. Foto: dpa
Ein Fahrrad mit schwarzem Kreuz erinnert an einen tödlichen Unfall an einer Kreuzung. Foto: dpa

Stuttgart - Er hatte im Morgengrauen ein Taxi gestohlen. Ohne Licht raste der 24 -jährige Mann aus Litauen betrunken und auf der Flucht vor der Polizei durch Hamburg. Dann lenkte er das Taxi auf die Gegenfahrbahn und stieß mit einem anderen Wagen zusammen. Ein 22-Jähriger kam dabei im Jahr 2017 ums Leben. Das Landgericht Hamburg verurteilte den Litauer 2018 zu lebenslanger Haft. Der Angeklagte ging in Revision, doch nun hat der Bundesgerichtshof Anfang März 2019 erstmals ein Mordurteil nach einem tödlichen Autounfall gegen einen Raser bestätigt.

Das wirft ein grelles Schlaglicht auf das Unfallgeschehen in Deutschland. Natürlich ist der Hamburger Fall ein krasses Beispiel. Die allermeisten Verkehrsunfälle ereignen sich nicht wie in einem Actionfilm, aber das Leid der Opfer, Hinterbliebenen und auch Verursacher ist deshalb nicht geringer. Deshalb setzt sich die Politik seit Jahrzehnten zum Ziel, dass es zu weniger Unfällen auf den deutschen Straßen kommt. Die meisten Verkehrstoten gab es 1970 in der alten Bundesrepublik. Damals starben mehr als 21 000 Menschen. Seither konnten die Opferzahlen massiv reduziert werden. Seit 2010 liegen sie zwischen 3000 und 4000 – doch nun scheint ein Punkt erreicht, wo es nicht mehr richtig besser wird. Für das vergangene Jahr hat das Statistische Bundesamt 3265 Verkehrstote gemeldet. Damit sind nach zwei Jahren Rückgang wieder mehr Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen.

Deutlich mehr Radler, die ums Leben kamen

Dass es viele Jahre Fortschritte gab, lag entscheidend am Gesetzgeber. 1976 kam die Gurtanlegepflicht, 1998 die 0,5-Promille-Grenze. Auch die verbesserte Sicherheitstechnik im Auto hilft, Menschenleben zu retten. Das Antiblockiersystem (ABS) verhindert das Blockieren der Räder, das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) das Ausbrechen von Fahrzeugen, und Bremsassistenten reduzieren die Geschwindigkeit vor dem Aufprall. Das zeigt: Wo der Gesetzgeber sinnvoll eingreift und die Autoindustrie ergänzende Maßnahmen entwickelt, verbessert sich die Sicherheit. Nun gibt es erneuten Handlungsbedarf. Wegen des demografischen Wandels wächst etwa die Zahl älterer Menschen, die am Verkehr teilnehmen. Aufgrund des höheren Lebensalters haben sie ein größeres Risiko für Verletzungen. Gleichzeitig steigen immer mehr Senioren aufs Fahrrad und nutzen häufig Pedelecs. Auch die Zahl von über 50-jährigen Motorradfahrern steigt. Das spiegelt sich in den Unfallzahlen wider: Während 2018 rund sechs Prozent weniger Fußgänger und zwei Prozent weniger Autofahrer durch Verkehrsunfälle ums Leben kamen, starben 13,6 Prozent mehr Radler und neun Prozent mehr Biker. Dazu kommt: Künftig werden auch Elektrokleinstfahrzeuge auf Radwege drängen. Eine der wichtigsten Aufgaben von Kommunalpolitikern wird deshalb sein, in ihren Gemeinden eine sichere Verkehrsinfrastruktur aufzubauen, bei der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt betrachtet werden. Bessere Rad- und Gehwege sowie Straßen retten Leben.

Abbiegeassistenten in Lkw sind wichtig

Auch bei der Fahrzeugtechnik muss es vorangehen. Abbiegeassistenten in Lkw sind wichtig. Sie können beim Rechtsabbiegen vor Kollisionen mit Radfahrern und Fußgängern warnen. Deshalb ist es gut, dass Bundesverkehrsminister Scheuer 2019 fünf Millionen Euro für ein Förderprogramm zum Einbau oder Nachrüsten von Abbiegeassistenten aufgelegt hat. Bei den Pkw allerdings dürfte die Hoffnung auf mehr Verkehrssicherheit durch die zunehmende Automatisierung in den nächsten Jahren nicht so schnell erfüllt werden. Der Anteil dieser Fahrzeuge ist noch zu gering. Umso wichtiger, dass die Lenker hinterm Steuer umsichtig und fair unterwegs sind.




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